Lärmgeplagte Anwohner

Am Gärtnerplatz geht's heuer wieder rund

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Fest-Platz: Neben solchen spontanen Partys nach Feierabend, die manchen Anwohnern sauer aufstoßen, wird der Gärtnerplatz in diesem Jahr wieder Schauplatz eines großen Festes.

München - Die Isarvorstadt zieht auch in diesem Jahr Münchens Partyvolk magisch an. Trotz mahnender Stimmen unterstützt der Bezirksausschuss eine ganze Reihe von Festen, allen voran das Gärtnerplatzfest.

Eine Lanze für die Stadtteilfeste in der Innenstadt bricht der Bezirksausschuss (BA) Ludwigs-/Isarvorstadt. Auch am Gärtnerplatz soll dieses Jahr wieder gefeiert werden. Viele Anwohner schätzen das Fest, glaubt die Mehrheit im Bezirksausschuss. Das Stadtteilfest soll steigen, obwohl der Platz ständig von lautem, nächtlichem Partyvolk besucht wird. Auch das Glockenbachfest und weitere Straßenfeste stehen heuer in der Isarvorstadt auf dem Programm.

Musik, Party und Kultur bietet das Gärtnerplatzfest am 16. und 17. Juli. Höhepunkte sind am Samstag und Sonntag kostenfreie Aufführungen des Gärtnerplatztheaters. Das Programm ist ähnlich wie im letzten Jahr, das Fest erstreckt sich auch wieder in die Reichenbachstraße. Nicht alle Lokalpolitiker finden das Feiern auf dem zentralen Platz angemessen. „Dieses Wochenende kommt für die lärmgeplagten Anwohner noch obendrauf“, sagt CSU-Fraktionssprecher Florian Florack. Besonders eine Trommelgruppe sei schon letztes Jahr als eher laut denn gut aufgefallen.

Bezirksausschuss spricht sich für Gärtnerplatzfest aus

Die Trommler haben auch andere BA-Mitglieder in schlechter Erinnerung, wie auch die Beschallung durch offene Fenster anliegender Kneipen. „Es wäre sehr gut, wenn wir als BA viel frühzeitiger von der Programmgestaltung wüssten und uns mit in die Planung einbringen könnten“, sagte die Kulturverantwortliche Beate Bidjanbeg, SPD. Dagegen stünden Verwaltungsakte. Im nächsten Jahr will sich der BA hier frühzeitiger kümmern und mehr mitgestalten. Gegen die Stimmen der CSU sprach sich der BA deutlich für das Gärtnerplatzfest aus. „Feste feiern ist ein Kulturgut. Ein Fest soll sich vom Alltag abheben und auch laut und spürbar sein“, fasste Helga Solfrank von den Grünen die Mehrheitsmeinung zusammen.

Einstimmig unterstützt der BA die anderen Sommerfeste im Stadtteil. Am Samstag, 25. Juni, findet das Glockenbachfest rund um den Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz statt. Am gleichen Tag können die Anwohner auf den Hofflohmärkten am Glockenbach nach Schnäppchen stöbern. Experten kommen ganz früh und gehen anschließend auf das Straßenfest, das mittags beginnt.

Ein Fest jagt das andere im Glockenbachviertel

Ebenfalls am 25. Juni soll auch das MunichFoodLovers-Fest auf der Hans-Sachs-Straße steigen. Die Veranstalter stehen für hausgemachtes, gesundes Fastfood in vielen Geschmacksrichtungen und wollen so einen Akzent gegen fetttriefenden Schnellimbiss setzen. Die Stadtteilpolitiker finden das in Ordnung und fragen sich nur, ob gleich drei Feste im Jahr in einer Straße erlaubt sind. Denn kurze Zeit später, am 20.August, findet das große schwule Hans-Sachs-Straßenfest statt. Das diesjährige Motto ist „Liberté, Égalité, Fraternité” und Frankreich gewidmet. Von 13 Uhr bis kurz vor Mitternacht werden nicht nur die Hans-Sachs- und Ickstattstraße zur Partymeile. Zwischen Westermühl- und Müllerstraße verwandeln Dance- und Clubsounds die Straße in eine Tanzfläche. Über 20 Stände von Kneipen und Clubs bieten Getränke und Leckereien. Die Münchner Aids-Hilfe und weitere Institutionen informieren den ganzen Tag über ihre Angebote.

Gefeiert wird auch rund um die diesmal auf zwei Wochenenden ausgedehnte Christopher-Street-Day-Woche, 2. bis 10. Juli. Dann leuchten im Glockenbachviertel auch wieder schwule und lesbische Ampelpärchen.

Ein kleineres Stadtteilfest ist das Dreimühlen-Spektakel am Samstag, 23. Juli, an dem sich die ansässigen Wirte beteiligen. „Stadtteilfeste sind wichtig für den Nachbarschaftsaustausch und die Lebensfreude im Viertel“, sagt der BA-Vorsitzende Alexander Miklosy von der Rosa Liste. „Früher hatten wir jeden Sommer noch mehr unkommerzielle Straßenfeste wie das Burgfest in der Baader- und Corneliusstraße oder das Klenze- und Pestalozzifest. Die werden nicht mehr organisiert. Auch ein Maibaumfest auf dem Heinrich-Ulrichs-Platz gab es dieses Jahr leider nicht. Auch deshalb bin ich sehr für den Erhalt des Gärtnerplatzfestes.“

Bettina Ulrichs

E-Mail:info@merkur.de

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