Ende einer Ära

Grundig-Logo verschwindet vom Hbf - Nachfolge steht schon fest

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Wird abmontiert: Nach drei Jahrzehnten hat die Grundig-Werbung am Hauptbahnhof ausgedient. Wann die Handwerker anrücken, ist aber noch offen.

München - Man könnte es das Ende einer Ära nennen: Münchens wahrscheinlich bekannteste Reklame, der „Grundig“-Schriftzug in der Gleishalle des Hauptbahnhofs, wird abgebaut.

Man kann schon wegen der Größe kaum daran vorbeisehen: Drei Meter groß, in sattem, gediegenem Dunkelblau prangen die Lettern an der Innenseite des gläsernen Gleishallen-Giebels – dort, wohin der Blick der Besucher fällt, wenn sie dem einfahrenden Zug entgegenblicken oder einem ausfahrenden nachwinken. Grundig, das steht für ein Stück deutscher Wirtschaftsgeschichte. Die 28 Meter langen Schriftzüge, je einer am südlichen und am nördlichen Hallenteil, hängen schon seit Mitte der 80er-Jahre unverändert an dieser Stelle – seit wann genau, vermag selbst bei den beteiligten Firmen niemand mehr zu sagen. In zahllosen Filmaufnahmen, die im Bahnhofsmilieu spielen, waren sie für einen Moment im Bild, unzählige Schnappschüsse in privaten Reise-Fotoalben zeigen das Logo im Hintergrund.

Doch nun steht auf der größten Werbefläche des Hauptbahnhofs – jede Seite misst 50 mal 7 Meter – ein Wechsel an: Grundig hat den Vertrag nicht verlängert.

Die Begründung klingt paradox: Die Werbung verschwindet, weil sie zu erfolgreich war. Die Marke Grundig habe einen Bekanntheitswert von über 90 Prozent, sagt Marketing-Leiterin Claudia Hoellwarth von der Firma Grundig Intermedia. Reine Logo-Kommunikation bringe das Unternehmen „nicht weiter voran“. Grundigs neue Marketingstrategie stelle das Sortiment in den Mittelpunkt. Gemeinsam mit dem Unternehmen Ströer Deutsche Städte Medien GmbH, das die Werbeflächen im Hauptbahnhof vermarktet, habe man „Varianten geprüft, wie wir an der vorhandenen Stelle die Produktkommunikation integrieren können“, so Hoellwarth weiter. Da dies „technisch und rechtlich“ nicht möglich sei – die Halle steht unter Denkmalschutz –, „haben wir den Vertrag über 2016 hinaus nicht weiter verlängert“.

Künftig werben die Stadtwerke an der Glasfront der Gleishalle im Hauptbahnhof. Die Simulation zeigt, wie es aussehen soll.

Nachfolger werden die Stadtwerke sein. „Man hat uns die Fläche angeboten“, bestätigt Sprecher Christian Miehling. Natürlich habe man zugegriffen, denn es sei eine „einzigartige Werbemöglichkeit in München“. Einen Preis will Miehling nicht nennen. Doch das Preis-Leistungs-Verhältnis sei „hervorragend“. Die Stadtwerke brächten die Kosten in ihrem reduzierten Werbeetat gut unter. Das Unternehmen hofft, mit der neuen Werbung, die „genau unsere Zielgruppe“ trifft, auch neue Kunden in der Region auf sich aufmerksam zu machen.

Vorgesehen ist das SWM-Logo mit blauem und grünem Schrägstrich, gefolgt vom schwarzen Schriftzug „Stadtwerke München“. Die Lettern, ähnlich groß wie beim Grundig-Schriftzug, sollen eine beleuchtete Umrandung haben, verrät Miehling.

Damit geht den Münchnern nach langer Zeit wieder ein Licht auf, denn die Grundig-Werbung war zuletzt unbeleuchtet. Früher, die Älteren erinnern sich noch, hob sich der Schriftzug bei Dunkelheit in geheimnisvoll glimmendem Blau von der nachtschwarzen Glasfront ab. Doch seit mindestens fünf Jahren, so ein Bahn-Insider, ist es dunkel um Grundig. Ob die Lampen durchbrannten und nicht ausgewechselt wurden, oder ob die Anlage abgeschaltet wurde, weiß niemand so genau.

Offen ist auch, wann der Wechsel stattfinden soll. Der Vertrag sei unterschrieben, mit der Montage sei aber „frühestens im Herbst“ zu rechnen“, verlautet aus den Stadtwerken. Der Termin sei noch „von der Genehmigung durch die Bahn abhängig“. Dort gibt man sich erstaunt: „Wir sind mit den Stadtwerken einverstanden“, sagt ein Sprecher. Die Montage bedürfe keines langwierigen Planungsverfahrens wie etwa beim zwischen Donnersberger- und Hackerbrücke geplanten Arnulfsteg (wir berichteten). „Das kann man nachts mit einzelnen Gleissperrungen machen“, so der Sprecher. Grundig hat angekündigt, einen Termin für en Abbau „in den nächsten Wochen“ abzustimmen.

Die Monumental-Werbung über den Gleisen hat bei der Bahn Tradition. Im Kölner Hauptbahnhof wirbt ein Riesenschriftzug schon seit den 50er-Jahren für „4711 – Echt Kölnisch Wasser“, in Hamburg hat Grundigs Konkurrent Philips seinen Firmennamen in vier Meter hohen Leuchtbuchstaben unter das Gewölbe schreiben lassen, und in Frankfurt am Main empfiehlt sich mit vertrautem Schriftzug die Frankfurter Allgemeine als „Zeitung für Deutschland“. Derlei Werbung präge das Erscheinungsbild eines Bahnhofs, und der Werbende zeige damit „Selbstbewusstsein, wirtschaftliche Stärke und oft auch die besondere Bindung an eine Stadt oder Region“ teilt Stroers PR-Managerin Andrea Breyther mit. Die Stadtwerke, soviel steht fest, begeben sich in illustre Gesellschaft.

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