Beinahe-Todesfalle am Hauptbahnhof

Mann sperrt Flüchtlinge stundenlang im Auto ein

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Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof (Archivfoto von September 2015).

München - Ein Mann und eine Frau schleusen gerade Flüchtlinge per Zug und Auto zum Münchner Hauptbahnhof, als sie festgenommen werden. Dass im Auto Flüchtlinge eingesperrt sind, erwähnen sie nicht.

Ende Juli vergangenen Jahres, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle, nahm die Bundespolizei am Münchner Hauptbahnhof einen Mann aus Österreich und seine Lebensgefährtin fest. Der Verdacht: Das Pärchen soll Flüchtlinge aus Eritrea gegen Bezahlung von Budapest nach München gebracht haben.

Die ganze Geschichte, die die Beamten der Kriminalpolizei mittlerweile rekonstruiert haben, ist ein trauriges Beispiel für das menschenverachtende Treiben von Schleusern. Und das direkt vor unserer Haustüre.

Wir erinnern uns: Der Zugverkehr von Ungarn nach Österreich und Deutschland wurde vergangenen Spätsommer teilweise vollständig eingestellt. Über Monate hinweg gelangten tausende Flüchtlinge über diese Route nach Österreich und Deutschland. Mal kapitulierten die ungarischen Behörden unter dem Ansturm und ließen alle Flüchtlinge durch, dann sperrten sie den Bahnhof in Budapest wieder komplett.

Aus der Notlage der in Ungarn teilweise gestrandeten Flüchtlinge hatte besagtes Pärchen anscheinend Kapital schlagen wollen. Laut Kripo München haben sie ganz gezielt Flüchtlinge am Bahnhof in Budapest angesprochen und mit einem sicheren Transport nach Deutschland gelockt. Der Preis für die Fahrt und gefälschte französische Pässe: mehrere hunderte Euro pro Person. Insgesamt neun Personen erklärten sich bereit, mit dem Pärchen mitzufahren.

Schleuser-Auto wird fast zur Todesfalle

Vier der Eritreer und ein Kleinkind fuhren mit der Frau im Zug mit. Die vier anderen stiegen zu dem Mann ins Auto - Ziel München. Hier angekommen, parkte der Schleuser am Münchner Hauptbahnhof und sperrte die vier Flüchtlinge im Auto ein. Er machte sich auf den Weg zum Gleis, um seine Lebensgefährtin in Empfang zu nehmen.

Das Wiedersehen machte aber nur kurz Freude, denn an dieser Stelle griff die Bundespolizei ein und nahm das Pärchen, das ihnen verdächtig vorkam, zum Verhör mit auf die Wache.

Weder bei der Verhaftung noch in den folgenden Stunden hielt es einer der beiden Schleuser für nötig, die Beamten auf die im Auto eingesperrten Flüchtlinge aufmerksam zu machen.

Erst nach mehreren Stunden entdeckte ein Passant das Auto mit vier Insassen in der prallen Sonne. Die vier Personen aus Eritrea riefen um Hilfe und deuteten an, dass sie sich nicht selbst aus dem Auto befreien können. Noch bevor die Polizei eintraf, griff ein Passant beherzt ein und zertrümmerte die Scheibe. Die Insassen ergriffen daraufhin die Flucht.

Im Auto konnte die Polizei den Pass des zuvor festgenommenen Schleusers sicherstellen.

Schleuser und Lebensgefährtin wurden nun verurteilt

Nun, mehr als ein halbes Jahr später, wurde der Schleuser wegen gewerbsmäßiger gefährdender Schleusung sowie Freiheitsberaubung und Verschaffen von amtlichen Ausweisen zu einer Freiheitsstrafe von insgesamt zwei Jahren und vier Monaten verurteilt. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Seine Lebensgefährtin hingegen wurde bereits im Dezember aus der Untersuchungshaft entlassen. Sie wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

mm/tz

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