Schluss mit Schluck

Rund um den Hauptbahnhof: Stadt erlässt nächtliches Alkoholverbot

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Vor allem unter dem Schwammerl treffen sich Alkohol- und Drogenabhängige.

München - Immer häufiger kommt es nachts rund um den Münchner Hauptbahnhof zu gewalttätigen Zwischenfällen durch Betrunkene. Nun verhängt die Stadt ein Alkoholverbot.

Seit Monaten klagen Geschäftsleute über chaotische Zustände am Hauptbahnhof: Betrunkene, Drogenhändler, Prostituierte, Bettler und Tagelöhner prägen das Bild des Viertels. Die Polizei bestätigt: Nachts werden immer mehr Betrunkene gewalttätig. Jetzt verhängt die Stadt ein Alkoholverbot fürs Bahnhofsviertel (durchzusetzen mit Platzverweisen und Bußgeldern).

Anfang Oktober schlug der Verein Südliches Bahnhofsviertel Alarm. Die CSU forderte ein Alkoholverbot, auch die SPD sprach für sich dafür aus – jetzt entscheidet der Ausschuss am Mittwoch über einen einen entsprechenden Vorschlag des Kreisverwatlungsreferats (KVR).

Hauptbahnhof: Zahl der Straftaten stieg um 60 Prozent

Dass sich die Sicherheitslage am Hauptbahnhof verändert hat, bestätigt das KVR. Demnach stieg die Zahl der Straftaten im Viertel heuer im ersten Halbjahr gegenüber 2015 um 60 Prozent. Besonders drastisch ist die Gewaltzunahme in den Nachtstunden: Die Zahl der so Raubdelikte stieg zwischen 22 und 6 Uhr von 70 auf 188 Fälle (plus 168 Prozent).

Bei den Körperverletzungen ist es ähnlich: von 63 auf 167 Delikte – eine Zunahme um 165 Prozent! Alkohol ist dabei oft im Spiel: In München werden 59 Prozent der Raub-Fälle unter Alkohol begangen, bei Körperverletzung waren es 61 Prozent. 

KVR will Alkoholverbot zwischen 22 und 6 Uhr

Aus diesem Grund schlägt das KVR ein Alkoholverbot zwischen 22 und 6 Uhr rund um den Hauptbahnhof vor. Mehr Streetworker werden aber ebenso abgelehnt wie private Sheriffs. In Sachen Videokameras denkt die Polizei über einen Ausbau nach.

Die Rathaus-SPD ist zufrieden mit dem Entwurf. „Wir freuen uns, dass sich die Stadt so schnell auf unseren Vorschlag des Alkoholverbots einlässt und besonnen reagiert. Die Details müssen wir noch besprechen“, so Fraktionsvize Christian Vorländer. Die CSU dürfte nicht ganz zufrieden sein. Fraktionsvize Michael Kuffer wollte sich am Sonntag dazu aber nicht äußern.

So reagiert die Stadt auf weitere Probleme rund um den Hauptbahnhof

Prostitution: Im Sperrbezirk schaffen rund 30 „wirtschaftlich sehr schwache Personen“ aus Bulgarien und Rumänien zwischen Bayer- und Schwanthalerstraße an. Der Sex findet in Pensionen, Hinterhöfen und Tiefgaragen statt. Die Polizei reagiert mit Razzien und Streifen, das KVR droht mit Bußgeldern und Platzverboten. Aktuellen zusätzlichen Handlungsbedarf sieht man nicht.

Bettler: Vor allem Roma vom Balkan versuchen hier, ihren Lebensunterhalt durch Betteln zu verdienen. Da stilles Betteln per ­Gesetz auf öffentlichen Straßen und ­Wegen grundsätzlich erlaubt ist, lehnt das KVR ein Bettelverbot ab. Aggressives und Betteln kann aber mit Bußgeldern oder Platzverweisen geahndet werden. Jüngste Entwicklung: Die Stadt kontrolliert verschärft, was Bettler mit Hunden angeht.

Dealer und Drogensüchtige: Seit 2014 registriert die Polizei einen zunehmenden Handel vor allem mit Cannabis, aber auch mit Heroin und „Badesalzen“. Das „Schwammerl“-Vordach am Ostausgang des Bahnhofs ist ein beliebter Treffpunkt, er soll abgerissen werden und ist bereits teilweise gesperrt. Die Polizei hält die Szene mit ständigen Kontrollen auf Trab. 341 Menschen wurden heuer bis August mit Drogen erwischt und angezeigt. 99 Personen bekamen Platzverbote.

Arbeiterstrich: Es ist ein bekanntes Bild: An der Ecke Landwehr-/Goethestraße stehen morgens rund 25 Bulgaren, um einen Tages-Job zu bekommen. Viele Geschäftsleute beschweren sich, auch wegen Kippen und Kaffeebechern auf der Straße. Das KVR erklärt aber, die Nutzung der Gehwegflächen zum Stehen und Reden könne nicht untersagt werden, Behinderungen habe man nicht feststellen können. Eine Beratungsstelle betreue die Leute.

Kommentar zum Alkoholverbot: Schnell und richtig gehandelt

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