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Kautionsbetrug in der Isarvorstadt: So kamen die Täter an das Geld

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Das Haus an der Isartalstraße

München - In dieser fatalen Wohnungsposse gibt es eigentlich nur Opfer – bis auf den Betrüger, der mit ergaunerten Kautionen in Höhe von rund 20.000 Euro längst über alle Berge ist …

Der Ärger begann kurz vor Weihnachten mit einer Wohnungsanzeige im Ferienwohnungs-Portal Airbnb. Aufgegeben von einem Pärchen, das seine 101-Quadratmeter-Wohnung in der Isartalstraße (Isarvorstadt) während längerer Abwesenheit heimlich und ohne Einverständnis der Hausverwaltung zur befristeten Untervermietung anbot. 

Marc Schergel (l.) wurde rechtzeitig stutzig

Es meldete sich sogleich ein Interessent, der ganz eigene Ziele verfolgte: Er schaltete Mitte Dezember eine professionelle Vermietungsanzeige mit Bildern und Grundriss in einem anderen Internetportal. Die Folge war ein regelrechter Besichtigungs-Ansturm, denn die Wohnlage ist begehrt. Zu den Interessenten zählte auch der Student Philippe Bourbon, der dem angeblichen Makler arglos 4200 Euro Kaution und Abschlagszahlung für die Küche zahlte. Beim Einzug kam das böse Erwachen: Der falsche Makler war nicht mehr zu erreichen und das Geld ist futsch.

Philippe Bourbon zahlte die Kaution.

Auch der Münchner Unternehmensberater Marc Schergel (34) wäre beinahe auf den Trick hereingefallen: „Nur ein paar Tage vor demtz-Bericht hat sich der falsche Makler auch bei uns per E-Mail gemeldet. Er drängte sehr darauf, dass wir mit der Unterzeichnung des Mietvertrags auch die Kaution überweisen.“ Ein Punkt jedoch machte Schergel stutzig: „Raucher und Tiere waren ausdrücklich erwünscht.“ Der Makler schrieb, der Eigentümer komme nachts aus Thailand zurück und wolle bereits am nächsten Vormittag die Kaution auf seinem Konto sehen. Ob Schergel die Summe aufbringen könne? Das alles kam dem Münchner merkwürdig vor. Er recherchierte eine Nacht lang im Internet und fand heraus, dass der falsche Makler seine E-Mail-Adresse und seine Homepage erst im Dezember 2015 angelegt hatte. Außerdem fand Schergel die Wohnung auch bei Airbnb. Er schrieb die eigentlichen Vermieter an. So flog der Schwindel auf. In der Zwischenzeit hatte der Betrüger allerdings schon neun andere potenzielle Mieter im Visier gehabt. Vier hatten bezahlt, fünf durchschauten den Trick, alle erstatteten Anzeige. Es ist nicht auszuschließen, dass der oder die Täter noch mehr Wohnungssuchende hereinlegten.

Entsetzen auch bei der Hausverwalterin: „Ich habe die Mieterin wegen unerlaubter Untervermietung abgemahnt“, sagte sie. Doch auch die Mieterin fühlt sich betrogen. Sie erstattete ebenfalls Anzeige gegen den Betrüger-Makler.

Die Polizei rät allen Mietern, die Kaution erst bei der Schlüsselübergabe zu überweisen. Prüfen Sie, ob es den Makler wirklich gibt. Lassen Sie sich den Ausweis zeigen. Klingeln Sie mal beim Nachbarn und fragen Sie bei der Hausverwaltung oder dem Hausmeister nach. Im Zweifelsfall: Sofort die Polizei verständigen.

Susanne Sasse, Dorita Plange

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