Vermieter kündigt 60-Jährigem

"Falsche Begründungen!" Lotto-Laden muss nach 19 Jahren schließen

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Bernhard Hammerle in seinem kleinen Reich an der Bayerstraße. 19 Jahre lang verkaufte er Brotzeit, Zigaretten und Lotto-Scheine. Jetzt wurde ihm gekündigt.

München - 19 Jahre lang war sein Laden in der Bayerstraße ein Treff zum Ratschen, zum Brotzeitholen, zum Lottospielen. Jetzt muss Bernhard Hammerle schließen, sein Vermieter hat ihm gekündigt.

Zwei Monate hat Bernhard Hammerle (60) noch. Zwei Monate darf der gebürtige Tiroler noch seine Leberkassemmeln verkaufen und die Lottoscheine seiner zahlreichen Kunden annehmen. Am 30. November ist Schluss. Das Ende einer Ära. 19 Jahre lang war sein Laden in der Bayerstraße ein Treff zum Ratschen, zum Brotzeitholen, zum Lottospielen. Vorbei – denn: Ausg’spuit is!

Warum? Hammerle wurde gekündigt. „Die gehen über Leichen!“, sagt er – und meint die Grundstücks-Verwaltungs- und Verwertungsgesellschaft, kurz GVG. „Die wollten mich unbedingt raushaben – mit falschen Begründungen“, sagt er. Laut seiner Aussage wirft die GVG ihm vor, dass er Alkohol in seinem Kiosk ausschenken würde. Hammerle hat nämlich nur eine Konzession für den Verkauf von Alkohol, getrunken werden darf er aber in seinem Laden nicht. „Ich habe immer darauf geschaut, dass hier drinnen nur Limo und Wasser getrunken wird. Das KVR hat in 19 Jahren nie etwas beanstandet!“, beteuert der Ladenbesitzer.

Die GVG wollte sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen äußern. Die Gesellschaft verweist auf den Datenschutz. Die Kündigung sei aber im Rahmen der vertraglich festgelegten Frist vonstatten gegangen.

Zusammen mit seiner Frau hatte sich der „Lotto-Bernhard“ hier eine Existenz aufgebaut. Nach dem Tod seiner Frau vor zehn Jahren führte er den kleinen Laden alleine. Fünf Tage die Woche, von morgens um 7 bis abends um 18 Uhr. Jetzt muss er sich beim Arbeitsamt melden – zum ersten Mal in seinem Leben.

„Jetzt wird wieder ein Traditionsladen zum Teufel gejagt“, sagt er und schneidet eine dicke Scheibe Leberkas ab. Zwei Monate darf er noch ...

Florian Fussek

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