Im Untergrund wird mal wieder gewerkelt

Bauarbeiten im S-Bahn-Tunnel: Wir waren dabei

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München - Ganz München schläft. Ganz München? Nein! Ein paar unbeugsame Arbeiter hören nicht auf, der Müdigkeit  Widerstand zu leisten - wir waren mit dabei.

Wir schauen für Sie in die Röhre! Seit dem 10. Januar wird mal wieder emsig gewerkelt im S-Bahntunnel. Alle sechs Jahre wird der Tunnel begutachtet - heuer ist es wieder soweit. Zu später Stunde wuselt es richtig auf der Stammstrecke. Bis zu 70 Arbeiter sind in der Nacht unterwegs. „Neben 50 Arbeitern haben wir noch 20, die für die Sicherheit und die Brandwache zuständig sind“, sagt Projektleiter Joachim Friedberger. Die Sicherheit wird auf der Baustelle großgeschrieben. Ohne Schutzhelm und Warnweste darf niemand in den Tunnel. Die Oberleitung wird abgestellt. 15 000 Volt fließen da normalerweise durch die Leitung. Da die Stammstrecke so viel befahren wird, gibt es sogar zwei Oberleitungen. Ein Stromschlag an der Steckdose tut ja schon weh. Aber das sind ja „nur“ 220 Volt … Die Pendler bekommen übrigens von dem Treiben kaum was mit. Am Wochenende, wenn die Nachtschwärmer unterwegs sind, wird gar nicht gearbeitet. Werktags gibt von 0.10 Uhr bis 4.50 Uhr kann nur ein Gleis befahren werden. Aber halb so wild - da schläft ja (fast) ganz München. Hier Einzelheiten zur Untergrund-Arbeit.

Abdichten mit Mörtel - Fast wie neu

Wenn ein Riss im Tunnel gefunden worden ist, muss dieser natürlich sofort abgedichtet werden. „Dafür benutzen wir einen besonderen Mörtel, der sehr gut haftet“, sagt Bauingenieur Uwe Birkert (45). Keine leichte Aufgabe - schließlich können die Risse ja auch in der Decke sein! Da muss dann schon die Hebebühne ran. Deshalb kann man auch keine großen, schweren Geräte benutzen. Die Risse sind meistens zwischen 0,2 und 0,3 Millimeter winzig! Wichtig für diese Jobs bei der Bahn: keine Höhenangst und -gute Augen!

Er hört wie’s klingt

Erwin Buchschmidt.

Klick oder Klock - Erwin Buchschmidt (59) muss bei seiner Arbeit einer gutes Gehör haben. Je nachdem wie sein Hammerschlag klingt, weiß er, was zu tun ist. Bei einem hellem Klick ist alles gut, bei einem dumpfen Klock muss dringend was getan werden. Das Geräusch entsteht dann, wenn sich Feuchtigkeit im Beton abgelagert hat und es zu einer Carbonatisierung gekommen ist. Na, im Chemieunterricht aufgepasst? Dies ist die Bildung von Kalkstein und der Verlust des alkalischen Milieus - was zu Schäden im Stahlbeton führt. Klingt kompliziert? Ist es auch. Die Stelle muss aber auf jeden Fall herausgebrochen werden.

Dieselzug im S-Bahntunnel - Wichtigster Helfer

tz-Reporter Florian Fussek mit dem Ohr am Gleis

Nanu, der Tunnel sollte doch eigentlich gesperrt sein! Ist das etwa ein Geisterzug? Die Oberleitungen sind doch aus! Keine Angst, dieser Zug ist äußerst real, fährt mit Diesel und ist sehr wichtig für die Arbeiten. Mit ihm werden die Materialien in den Tunnel rein und wieder rausgefahren. „Wir können kein Material im Tunnel lagern, deswegen müssen wir ihn immer im Pasinger Bahnhof beladen“, sagt Birkert . Dazu ist auch noch eine Hebebühne auf dem Zug abgestellt. Neben dem Zug sind aber noch sieben andere Trupps zu Fuß im Tunnel unterwegs.

Florian Fussek

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