Was der Händler und das KVR sagen

Hier kaufen Flüchtlinge Tierfutter - und essen es

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Der Verkaufsraum von Lehner's Tierfutter.

München - Ein Handel in München hat sich offenbar zu einer Art Geheimtipp entwickelt: Flüchtlinge kaufen dort Tierfutter, um es selbst zu essen.

Eine junge Mutter verlässt mit einem Lächeln auf dem Gesicht den Verkaufsraum von Lehner's Tierfutter. Vor sich schiebt sie einen Kinderwagen, der mit einer dicken, mehrere Kilo schweren Plastiktüte voller Fleischstücke beladen ist. Ihr kleines Kind trägt sie auf dem Arm. "Das Fleisch habe ich für mich zum Kochen gekauft, weil es hier nicht viel kostet", erzählt sie in gebrochenem Deutsch und bugsiert den Kinderwagen hinaus in den Nieselregen, der am Mittwoch auf den Münchner Schlachthof niedergeht.

Das Kilo Fleisch gibt es ab 2,50 Euro

Die Preisliste des Handels.

Sie hat recht, das Fleisch ist billig. Der "Lehner Fleisch-Mix" kostet 2,70 Euro das Kilo, Grünen Pansen gibt es für 2,50 Euro. Denn der "Spezialist für Katzen- und Hundefutter", wie es auf der Homepage des Fleischhändlers zu lesen ist, verkauft ausschließlich Ware, die nicht für den menschlichen Verzehr geeignet ist.

Ein Schild weist klar darauf hin, dass das Fleisch nicht zum menschlichen Verzehr gedacht ist.

Darauf weist die Firma auch in großen Lettern hin. Über der Tür hängt ein Schild, auf dem das auf Deutsch und Englisch erklärt wird. Trotzdem scheint sich Lehner's Tierfutter als Geheimtipp herumgesprochen zu haben. Die junge Mutter ist nicht die einzige, die an dem Tag billig Fleisch kauft. Gerade kommen zwei junge Männer, aus Gabun und Nigeria, nach eigener Aussage beide Flüchtlinge, auf das Gelände. Beide haben einen kleinen Einkaufstrolley dabei. Auch sie sind auf dem Weg zu dem Tierfutter-Spezialisten. Auf die Frage, ob ihnen bewusst sei, dass es sich bei dem Fleisch, für das sie sich interessieren, eigentlich um Tierfutter handelt, zucken sie mit den Schultern. Sie hätten es bis jetzt nicht gewusst. Einkaufen gehen sie jetzt trotzdem.

Die Ware ist nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt

Der Tierfutterhandel liegt auf dem Geländer des Münchner Schlachthofs.

FürJosef Gassner, den Geschäftsführer des Tierfutter-Vertriebs, ist das kein Problem. "Das weiß ich nicht, für was die das Fleisch nehmen", sagt er. Dann fügt er doch hinzu, dass es wohl im Kochtopf lande: "Das liegt im eigenen Ermessen, wir essen das selber auch", sagt der Geschäftsführer. Alles Fleisch, was bei ihm lande, sei automatisch als Produkt der Kategorie 3 klassifiziert, also nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt. Das ändere nichts daran, dass vieles davon genießbar sei.

Alle Produkte, die Flüchtlinge bei ihm kaufen, esse er zwar nicht, etwa den Grünen Pansen, "mehr als warnen können wir aber nicht". Daran, den Verkauf einzustellen denke er aber nicht. Hygiene sei kein Problem. "Wir sind wie eine Metzgerei", versichert Gassner.

Gesundheitsgefahr besteht laut Amt nicht

Das bestätigen auch die Behörden. Eine Sprecherin des Kreisverwaltungsreferates versichert: "Es besteht kein Gesundheitsrisiko für Mensch und Tier." Der Verzehr des Fleisches sei im Grunde unbedenklich, teilweise handle es sich schlicht um Überschussware. Die Verwendung des Fleisches sei Sache des Verbrauchers und unterliege nicht der Verantwortung des Verkäufers.

Ein Sprecher des Kommunalreferates, das die Aufsicht über den Schlachthof hat, vergleicht den Fleischverkauf mit den sogenannten Freibänken. Dort konnten sozial Schwächere noch vor 20 Jahren minderwertiges, aber hygienisch unbedenkliches Fleisch kaufen.

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