Isarvorstadt

Ringsgwandl trauert um sein Jugend-Radl

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Weil es „vintage“ war? Georg Ringsgwandl versteht den Klau des alten Radls nicht.

München - Mit seinem Song von der „Radlmare“ hat er nicht nur der feschen Mare, sondern auch dem Drahtesel ein Denkmal gesetzt. Jetzt steht der Kabarettist und Liedermacher Georg Ringsgwandl, 67, selbst ohne Radl da. Das Fahrrad, das ihn seit seiner Jugend begleitet hat, ist weg – gestohlen!

„Wo is mei Radl?“ fragt Ringsgwandl auf „Facebook“. „Ich hatte ein superelegantes Stadtrad, weitgehend aus teuersten Titanelementen gefertigt, handsigniert von Lance Armstrong“, heißt es weiter. „Und hier ist alles, was davon übrig blieb.“ Es folgt ein Bild, mit der Handy-Kamera aufgenommen, vom durchgezwickten Radlschloss.

Dichtung? Wahrheit? Wie so oft bei dem genialen Wortakrobaten, der den banalsten Alltagsereignissen Stoff für einen Song abringt, irgendetwas dazwischen.

Das mit dem Diebstahl stimmt, beteuert Ringsgwandl am Telefon. Das mit dem Radl nicht so direkt. Titan war in dem Drahtesel sicher nicht verbaut: „Das war ein altes Stricker-Radl“, gesteht der Künstler. „Das hab ich mir in der Jugend vom Taschengeld gekauft.“ Materiell also eher Schrott, ideell aber von unschätzbarem Wert. „Die Marke Stricker kennt ja heute keiner mehr.“

„Ein gemeiner Anblick“: das durchgezwickte Schloss.

Ein Foto von dem Radl hat Ringsgwandl leider nicht parat. „Nur in alten Familienalben in Reichenhall.“ Aber er berichtet, er habe es zum Einkaufen und für die Fahrten zwischen seiner Agentur an der Adlzreiterstraße (Isarvorstadt) und seiner Wohnung an der Aberlestraße in Untersendling genutzt. „Da fahr i immer mit dem Radl. Für die U-Bahn ist’s zu kurz und zum Zu-Fuß-gehen zu weit.“

Das klappte lange hervorragend – bis letzte Woche. „Ich kam aus der Agentur, und das Radl war weg“, berichtet Ringsgwandl. Nur noch das geknackte Schloss lag am Boden – „ein gemeiner Anblick“. Und ein Problem: „Daheim haben die Musiker gewartet. Wir nehmen gerade eine neue Platte auf.“

Ringsgwandl schlug sich ohne Radl bis in die Aberlestraße durch und will angesichts des „bitteren Verlusts“, wie er augenzwinkernd sagt, nicht mit dem Schicksal hadern. Nur eine Frage treibt ihn um: „Was treibt die Leut’ dazu, so ein altes Radl zu klauen?“ Vielleicht, weil es „vintage“ sei, zitiert er lachend das neudeutsche Wort für altes Gerümpel.

Ob die „Radlmare“ jetzt umgeschrieben werden muss? „Vielleicht springt mir das irgendwann mal in den Kopf“, sinniert der Liedermacher – und ist schon voll im Fabulieren: „Vielleicht ist die Mare ja allein weggefahren, weil ich inzwischen zu alt bin für sie.“

Mit dem kurzen, verschmitzten Lachen, das seine Bühnenauftritte prägt, kehrt Ringsgwandl in die Realität zurück. Zuerst einmal, so sagt er, „muss ich mir halt wieder ein einfaches Radl kaufen, mit dem ich solche Fahrten machen kann“. „Und ein dünneres Schloss“, fügt er lachend hinzu. Es ist einer jener Sätze, deren Logik von Karl Valentin entlehnt sein könnte. „Wenn die so ein dickes Schloss einfach durchzwicken, dann tut’s ein dünnes auch“, erklärt Ringsgwandl. „Außerdem ist es leichter.“ Für alle Fälle sollte schließlich auch auf dem neuen Radl Platz für die Mare bleiben, die er eines Tages „auf da Stanga“ im Mondlicht hoamfahrn will. 

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