Festnahmen in München und Landkreis Fürstenfeldbruck

Terrorverdacht: SEKs nehmen Männer fest - Kontakt zu IS?

München - Spezialkräfte der Polizei haben in München und Fürstenfeldbruck zwei Männer festgenommen. Sie werden verdächtigt, einen Terrorakt geplant zu haben. Wie groß die Gefährdung wirklich war, ist aber völlig offen.

An Silvester glich der Münchner Hauptbahnhof einer Festung. Nach Hinweisen auf einen möglichen Anschlag wurde das gesamte Areal abgeriegelt, Spezialkräfte marschierten im Nebel auf. Eine gespenstische Stimmung. Über drei Monate später gab es hier wieder eine Gefährdungslage. Wieder Spezialkräfte, doch weniger spektakulär. Nach einem Hinweis, der erste vor Kurzem bei den Behörden einging, waren die Sicherheitskräfte alarmiert: Das SEK nahm deswegen am Donnerstagnachmittag einen Mann in der Münchner Goethestraße fest. Ein zweiter wurde im Kreis Fürstenfeldbruck geschnappt, als er gerade aus einer S-Bahn ausstieg. Bei den Festgenommene handelt es sich um einen 46-jährigen Mann aus dem Irak und einem 29-Jährigen Nigerianer.

Nach einem Sprecher des Bayerischen Landeskriminalamts ermittelten die Behörden gegen die beiden wegen des Paragraphs 89a des Strafgesetzbuchs: wegen möglicher Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat. Ein Verbrechen, das geeignet ist, den Bestand oder die Sicherheit eines Staates oder einer internationalen Organisation zu beeinträchtigen. Offenbar wurden die zwei Männer nach dem Hinweis, der von einem befreundeten Nachrichtendienst stammte, bereits observiert. Konkret ging es laut Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch bei dem Hinweis um Kontakte der beiden Männer zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

„Wir wollten mit der Festnahme aber jegliche Gefährdung ausschließen“, sagte ein LKA-Sprecher dem Münchner Merkur.

Erst vor Wochen war bekannt geworden, dass neben eines britischen Mediums auch das Bundeskriminalamt über ein geheime Liste mit Daten von Tausenden IS-Kämpfern verfügt. Auf der Liste stehen nicht nur die Namen, sondern auch Sachen wie Telefonnummern, Adressen, Angehörige, Blutgruppen, Ausbildung. Laut Steinkraus-Koch sollen die beiden am Donnerstag Festgenommen zu Männern Kontakt gehabt haben, die eben auf dieser IS-Liste stehen.

Gegen 17 Uhr schlugen die Ermittler zu

Die staatsanwaltschaftlichen und polizeilichen Ermittlungen gegen die Männer dauerten den Abend über noch an. So wurden etwa Dolmetscher gesucht. Zum schnellen Zugriff hatte sich man auch deswegen entschlossen, da drohte, dass die beiden Männer untertauchen könnten. Der Sprecher des BLKA sagte aber auch: „Eine konkrete Gefährdung für die Bevölkerung lag nach jetzigem Kenntnisstand nicht vor“, es wurden auch keine verdächtigen Gegenstände bislang im Umfeld der Männer gefunden. Zudem wisse man bislang nichts zu einem konkret geplanten Anschlag. „Wir schauen nun, was die Nacht noch bringt“, sagte Oberstaatsanwalt Steinkraus-Koch. Im Laufe des Freitags wird darüber entschieden werden, ob die beiden Männer wieder auf freien Fuß kommen oder dem Haftrichter vorgeführt werden.

Nach dem Terroralarm von Silvester bei dem sieben Namen mutmaßlicher Attentäter eingegangen waren, blieb eine Anklage aus. Zu den Namen konnten die Fahnder keine passenden Personen ermitteln. Diesmal aber gibt es solche Personen …

Wir erinnern uns: Die Münchner Polizei hatte an Silvester eine Terror-Warnung für München ausgegeben. Damals waren vor allem der Hauptbahnhof und der Bahnhof Pasing ins Visier geraten.

Rubriklistenbild: © Haag Klaus

Markus Christandl

Markus Christandl

E-Mail:markus.christandl@tz.de

auch interessant

Kommentare