Kunden stimmen ab

Neue Wartelounges bei der Bahn: Versuchslabor am Hauptbahnhof

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Hier können Fahrgäste ihre Handys aufladen und das WLAN nutzen. 

München - Die Deutsche Bahn will ihre Wartebereiche verbessern – die Aufenthaltsqualität soll deutlich gesteigert werden. Konzepte dafür werden seit Kurzem in der Schalterhalle im Hauptbahnhof getestet. Hier bestimmt der Kunde mit, wie die Wartezonen der Zukunft in ganz Deutschland aussehen werden.

An der Wand ein grüner Teppich aus echtem Moos, eine Kinderspielecke mit Büchern und Holzzug, dazwischen eine Theke mit frischem Kaffee und Brezn – so will die Deutsche Bahn ihren Kunden im Münchner Hauptbahnhof künftig das Warten auf ihre Züge angenehmer machen. Vorbei sollen sie sein, die Zeiten der unpersönlichen Aufenthaltsräume mit unbequemen Plastikstühlen. In der Schalterhalle des Bahnhofs ist auf 75 Quadratmetern innerhalb von wenigen Monaten ein in Deutschland bisher einzigartiger Warteraum entstanden.

Kinder können im Mini-ICE spielen. 

Denn der Bereich, der bei dem Unternehmen selbst als „innovative Wartewelt“ firmiert, ist ein Modellversuch. Hier testet die Bahn Konzepte mit denen sie ihren Kunden künftig den Aufenthalt in all ihren Bahnhöfen angenehmer machen will. Was sich in München bewährt, soll später in 21 Bahnhofswartebereiche bundesweit umgesetzt werden. „Wir wollen hier herausfinden: Was genau will der Kunde?“, erklärt Heiko Hamann, Manager des Hauptbahnhofes.

Alles, was sich in dem neuen Wartebereich findet, geht auf Wünsche zurück, die Kunden in Befragungen geäußert hatten. Die grüne Mooswand soll für gute Luft sorgen, die Kinderspielecke kleine Bahnkunden bei Laune halten, und beim Gastronomiekonzept setzt man vor allem auf regionale Angebote. Von Anzeigetafeln können die Reisenden ablesen, wie lange sie noch auf ihren Zug warten müssen. Zusätzlich gibt es in dem Warteraum die Möglichkeit über W-Lan das Internet zu nutzen. Momentan nur für 30 Minuten, doch künftig soll der Zugang unbegrenzt möglich sein, verspricht Hamann. Der ganze Bereich ist offen und mit freiem Blick auf die Schalterhalle gestaltet worden. „Es ist Teil des Konzepts, dass der Bereich nicht in der hintersten Ecke des Bahnhofs ist, sondern mitten im Geschehen“, sagt Hamann. Wer will, kann so auf den gepolsterten Bänken Platz nehmen und das Treiben in der Schalterhalle verfolgen.

Bis März kommenden Jahres soll das Warteversuchslabor geöffnet bleiben. „Eventuell auch länger. Das hängt von der Entwicklung des Bahnhofes ab“, so Hamann. In dieser Zeit sollen die Angebote im Wartebereich ständig weiter ausgebaut werden. Eine Erweiterung des Inventars um Sport- oder Musikangebote sei zum Beispiel schon angedacht, so der Bahnhofschef.

Die grüne Mooswand ganz hinten soll beruhigend wirken.

Wie zufrieden die Gäste mit dem neuen Wartebereich sind, erhebt die Bahn zum einen mit einer per Knopfdruck zu bedienenden Zufriedenheits-Umfrage am Ausgang. Darüber hinaus werden Auszubildende des Unternehmens regelmäßig Befragungen in dem Wartebereich durchführen. „So können wir noch mehr in die Tiefe gehen“, erklärt Hamann. Der Münchner Hauptbahnhof eigne sich mit seinen mehr als 400 000 Fahrgästen jährlich besonders gut als Versuchszentrum für Innovationen in Sachen Kundenzufriedenheit, glaubt er.

Der neue Wartebereich ist täglich von 7 bis 21 Uhr geöffnet. Während der Öffnungszeiten ist auch Personal vor Ort, um Sicherheit und Sauberkeit zu gewährleisten. „Wir werden darauf achten, dass sich hier kein Treffpunkt für Gruppierungen entwickelt, die wir nicht wollen“, sagt Hamann bezüglich der Drogen- und Kleinkriminalitätsproblematik rund um den Bahnhof.

Der neue Wartebereich ist erst seit einigen Tagen geöffnet, doch Hamann ist überzeugt, dass das Versuchslabor ein voller Erfolg werden wird. Sichtlich stolz sagt er: „Man sieht jetzt schon, dass die Menschen sich hier wohlfühlen.“

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Annika Schall 

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