"Great Bavaria Reef" 

Neuer Stadtstrand: Am Samstag geht's los

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Strand gestalten: Zehra Spindler beim Aufbau des Great Bavaria Reef. Bis Anfang Oktober gastiert der Strand am Vater-Rhein-Brunnen.

München - Am Samstag fällt der Startschuss für den Stadtstrand am Vater-Rhein-Brunnen. Den richtet dieses Jahr zum ersten Mal die Urban League aus. Die neuen Veranstalter setzen beim Konzept auf Subkultur und lokale Kunst – auch jungen Machern wollen sie eine Plattform bieten.

Noch sieht es am Vater-Rhein-Brunnen mehr nach Baustelle als nach Karibik aus: In einer Ecke steht ein Mann und sägt, in einer anderen verteilt ein Bagger den noch feuchten Sand. Doch schon am Samstag soll von den Arbeiten nichts mehr zu sehen sein. Denn dann fällt hier, gegenüber dem Deutschen Museum, der Startschuss für den Stadtstrand, der dieses Jahr unter dem Titel „Great Bavaria Reef“ steht. Zwischen Kreissäge und provisorischen Sitzgelegenheiten steht Zehra Spindler, Veranstalterin des diesjährigen Strandes. Die Anspannung der vergangenen Monate ist ihr noch anzumerken: „So etwas habe ich noch nicht erlebt, es war wirklich verdammt anstrengend“, sagt sie.

Denn um die Frage, wer dieses Jahr den Strand in der Stadt ausrichten darf, war ein Konflikt entbrannt, der vermutlich nicht nur in München seinesgleichen sucht. Wie berichtet, vergab das Kreisverwaltungsreferat den Strand im Mai erstmalig an Spindler und ihre Urban League. Das wollten sich die bisherigen Veranstalter, die Urbanauten um Benjamin David, nicht so einfach bieten lassen. Sie zogen gegen das Vergabeverfahren vor Gericht– und bekamen Recht. Das KVR musste die Konzepte erneut prüfen. Anfang vergangener Woche gewannen Spindler und die Urban League die zweite Vergaberunde.

Seitdem laufen beim Veranstaltungsteam die Vorbereitungen für ihren Strand auf Hochtouren. „Eigentlich ist es fast unmöglich, eine solche Veranstaltung so schnell auf die Beine zu stellen“, sagt Spindler. Zum Glück aber besteht die Urban League aus Veranstaltungsprofis. Spindlers Partner ist Nachtgaleriebetreiber Dierk Beyer. „Wir nehmen so was als sportliche Herausforderung“, sagt Spindler und lacht.

Bei der Gestaltung des Konzepts nutzt die Kulturschaffende ihre langjährige Erfahrung in der Münchner Subkulturszene. Eine Bühne direkt neben der Bar bietet Platz für Musiker und DJs aus kleinen Clubs, aber auch Podiumsdiskussionen und Lesungen sind geplant. „Wir wollen zeigen, was in München alles tolles unter der Oberfläche liegt“, sagt Spindler und meint damit vor allem die ortsansässige Kulturszene: Eine Münchner Künstlerin entwickelte das Lichtkonzept für den Strand, eine örtliche Sprayergruppe kümmert sich um die Gestaltung der Hütten rund um den Brunnen. Selbst die Pfandmarken, die die Urban League an ihrem Strand ausgeben wird, wurden von einem Münchner Kreativen einzeln ausgefräst. Zum Konzept gehört es auch, jungen Machern eine Plattform zu bieten: Vier Startups werden in einem Pavillon ihre Ideen präsentieren.

Beim gastronomischen Angebot setzt die Urban League ganz auf vegane Speisen. Drei fleischfreie Burger für um die sieben Euro wird es geben, dazu vegane Kuchen, Kekse und Pommes für Kinder. Getreu dem Biergartenprinzip darf Essen aber auch mitgebracht werden. Abgerundet wird das Angebot mit ausleihbaren Brettspielen und verschiedenen Sportangeboten. Aber auch für ruhige Momente soll Platz sein: „Wir wollen hier eine entspannte Wohlfühloase für alle schaffen und das Ganze nicht mit Programm zuschütten“, sagt Spindler.

Der lange Weg zum Strand soll am Samstag erst einmal gefeiert werden. Wenn Spindler über ihre Pläne für die kommenden drei Monate spricht, wirkt der Stress der letzten Wochen wie weggeblasen: „Letztendlich fühlen wir uns nicht als Opfer. Denn alles, was passiert ist, hat dazu geführt, dass unser Strand jetzt noch besser wird.“

Great Bavaria Reef hat von Dienstag bis Sonntag, 14 bis 23 Uhr, geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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 Annika Schall

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