Tierfreie Kleidung kaufen

Vegane Mode-Läden in München - fürs gute Gewissen

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Rahel Goldner verkauft in ihrem kleinen Laden Veganista Kleidung, "für die kein fühlendes Lebewesen" leiden musste. 

München - Wer richtig vegan lebt, achtet nicht nur auf sein Essen, auch auf seine Kleidung. Lederschuhe, Wollpulli und Seidenbluse - alles böse. Das sind Adressen von veganen Mode-Läden in München. 

Ein Skandal um Tierquälerei in der Mode läuft so ab: Beklemmende Bilder tauchen auf, Kunden reagieren empört, Hersteller bedauern, versprechen Besserung und am Ende kehren die Kunden zurück. 2013 schockierte ein Video der Tierrechtsorganisation Peta. Es dokumentierte, wie Chinesen entsetzlich schreienden Angora-Kaninchen das Fell ausrupften. Daraus sollen flauschige Oberteile und Socken genäht werden. Danach erklärten ein paar Textilketten wie H&M, Kleidung aus der Kuschelwolle vorerst nicht mehr zu produzieren. Im selben Jahr strahlte das ZDF eine Doku aus, in der chinesische Züchter mit Eisenstangen auf Marderhunde eindroschen. Das Fell tragen ahnungslose Kunden als Mützenbommel und Kragenbesatz an Jacken. Denn das Perverse ist, dass dieses Echtfell nach Peta-Angaben billiger als Kunstfell ist.

Die meisten Leute interessieren sich nur für den Moment für gequälte Tiere. Um Tierleid hundertprozentig auszuschließen, kaufen manche Leute in veganen Mode-Läden. Diese verkaufen Kleidung, die nur pflanzliche oder künstliche Fasern enthält.

Das Vorurteil, darin sähe man aus wie in einem Kartoffelsack, stimmt kein bisschen. Die Klamotten sehen stylisch aus. Ein Überblick über die kleine vegane Mode-Szene in München:  

DearGoods: vegan, bio, fair - drei Adressen in München

Die neue DearGoods-Filiale in Schwabing an der Friedrichstraße/Ecke Hohenzollernstraße.  

Seit vier Jahren macht DearGoods Kunden glücklich, die auf eines der folgenden Kriterien Wert legen - oder auf zwei oder auf alle drei: vegan, fair, bio. Nur Kleidungsstücke, die diese drei Bedingungen erfüllen, hängen auf den Kleiderbügeln der Filialen (zwei im Glockenbachviertel, eine in Schwabing). Viele Kunden sind Bio-Fans oder einfach neugierig auf das alternative Konzept, andere Kunden sind Veganer, die es nur logisch finden, nicht nur für ihr Essen Tiere in Ruhe zu lassen, sondern auch für ihre Kleidung.

Die neue DearGoods-Filiale in Schwabing an der Friedrichstraße/Ecke Hohenzollernstraße.  

DearGoods gehört zu den Geschäften, die mitbewirkt haben, dass das bekannte Öko-Modelabel Armed Angels auf das überflüssige Lederschild an Jeanshosen verzichtet, berichtet DearGoods-Shopmanagerin Fee Fischer. Die drei Münchner Geschäfte bestellen aus den Kollektionen verschiedener Öko- und Fairtrade-Marken die Kleidungsstücke, für die keine tierischen Materialen verarbeitet wurden. Zusätzlich haben sie Mode des reinen veganen Labels bleed im Sortiment.    

Stolz ist Fischer auf die Auswahl von Taschen des kanadischen Vegan-Labels Matt & Nat. "Die Firma existiert seit 25 Jahren, fertigt Taschen aus möglichst nachhaltigem Kunststoff an und näht recyceltes Nylon als Innenfutter ein. Das Material ist robust, robuster als andere Kunstledertaschen", schwärmt Fischer.

Sie nennt eine vegane Alternative zu Seiden-Blusen: Blusen aus Tencel. Ein Stoff aus Eukalyptus-Fasern, der wie Seide schimmere und waschbar sei. 

Die drei Adressen und Öffnungszeiten von DearGoods in München:

  • Baaderstraße 65: Öffnungszeiten montags bis freitags 10.30 bis 19.30 Uhr und samstags 10 bis 18.30 Uhr; Telefon (089) 45 24 53 94
  • Am Glockenbach 12: Öffnungszeiten montags bis freitags 11 bis 19 Uhr und samstags 10.30 bis 18 Uhr, Telefon (089) 46 22 89 51
  • Friedrichstraße 28: Öffnungszeiten montags bis freitags 11 bis 19 Uhr und samstags 10.30 bis 18 Uhr,  Telefon (089) 18 93 28 63

Veganista: "Leidenschaft für Fashion und Respekt für alle Mitlebewesen"

Rahel Goldner hat vor ungefähr dreieinhalb Jahren ihre Boutique Veganista eröffnet. "Für unsere Kleidung musste kein fühlendes Lebenwesen ausgebeutet werden. Kein Tier und kein Mensch mussten leiden", erklärt Goldner ihre Geschäftsidee.  

Veganista gibt es seit ungefähr dreieinhalb Jahren in München. 

Schuhe bestehen dementsprechend nicht aus der Haut toter Tiere, sondern zum Beispiel aus dem Recycling-Material Pet, also aus den Flaschen, die wir in riesigen Tüten zum Pfandautomaten tragen. Schuhe aus Pet ähneln Schuhen aus Veloursleder. Ein alternatives Material für Schuhe sei Kork, demnächst werde Veganista einzelne Paare aus Ananas-"Leder" ins Sortiment aufnehmen. "Es soll sehr strapazierfähig sein", sagt Goldner. Bei Taschen setzt sie wie DearGoods auf die Marke Matt & Nat. 

Kleidung besteht großteils aus Biobaumwolle, Hanf, Tencel und Lyocell. Wer mehr über die alternative Mode erfahren will, findet in dem kleinen Laden Literatur über veganen Konsum und kann sich dazu einen Fair-Trade-Kaffee mit Soja-Milch bestellen. 

"Ich mag es sehr, mit den Kunden ins Gespräch zu kommen. Nicht alle sind Veganer, die sich hier umsehen. Viele kommen her, weil sie sich für Fairtrade und Bio interessieren", sagt die Veganista-Besitzerin.

Die Adresse und Öffnungszeiten von Veganista in München

  • Barer Straße 36: Öffnungszeiten montags bis freitags 11 bis 19 Uhr und samstags 11 bis 16 Uhr, Telefon (089) 95 44 48 95.

Vegane Kleidungsstücke, Schuhe, Accessoires finden: Etiketten lesen und Verkäufer fragen

Natürlich finden Sie einzelne vegane Kleidungsstücke und Schuhe auch in Boutiquen wie "Glore" und "Phasenreich", in großen Münchner Modehäusern und in den Filialen der bekannten Textilketten wie Zara und H&M. Allerdings können Sie bei den letztgenannten Modeketten und deren Baumwoll-T-Shirt für neun Euro meist nicht Ihrem Prinzip treu bleiben, auch 100-prozentig fair produzierte Kleidung zu kaufen.

Lesen Sie genau die Etiketten oder fragen Sie die Verkäufer, wenn Ihnen 100-prozentig-tierfrei wichtig ist.

Diese Materialen dürfen vegane Kleidung nicht enthalten

  • Wolle (Angora, Kaschmir, Alpaka, Kamelhaar, Mohair, Lama)
  • Seide
  • Leder (zum Beispiel Nubuk, Nappa, Rind, Schwein, Ziege, Schaf)
  • Pelz (zum Beispiel Marderhund, Kaninchen, Fuchs,...)
  • Daunen
  • Perlmutt und Horn als Knöpfe

Warum Second-Hand-Läden für Kunden, die kein Tierleid ertragen, auch okay sind

Einige Kunden, die Tierquälerei in der Mode nicht ertragen, finden es in Ordnung, Second-Hand-Wollpullis, -Daunenjacken und -Lederschuhe zu kaufen. Immerhin musste dann kein Tier extra für sie leiden. Einer dieser Second-Hand-Läden ist der Kleidermarkt-Nachfolger in München.

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sah

Miriam Sahli-Fülbeck

Miriam Sahli-Fülbeck

E-Mail:miriam.sahli@merkur.de

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