130 Millionen Euro

Volkstheater-Neubau: Stadt bringt Projekt auf den Weg

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Freut sich seit Jahren auf den Neubau: Volkstheater-Chef Christian Stückl im Viehhof.

München - Fast doppelt so groß wie bisher soll das neue Volkstheater sein. Schon 2020 könnte der Neubau auf dem Viehhof-Gelände stehen. Am Mittwoch beschloss der Stadtrat fast einmütig den nächsten Planungsschritt. Geschätzte Projektkosten: 130 Millionen Euro.

Geplant und gebaut werden soll das Theater nicht von der Stadt selbst. Sie vergibt das Projektan einen Generalübernehmer, der zu einem Festpreis beauftragt wird. Das neue Theater soll mit etwa 18.000 Quadratmetern deutlich größer sein als die heutige, ohnehin nur als Provisorium gedachte Fläche (10.600 Quadratmeter). Bei dem Vergabeverfahren spielt die städtebauliche und architektonische Qualität des Neubaus eine herausragende Rolle. Sie ist ein so genanntes „K.o.-Kriterium“ bei der Auswahl des Generalübernehmers. Die Stadt hat damit die Möglichkeit, nicht das günstigste Angebot zu wählen – wenn ihr bei einem anderen die Architektur passender erscheint.

Volkstheater-Intendant Christian Stückl zeigte sich begeistert von dem Beschluss. „Ich freue mich sehr“, sagte er unserer Zeitung. „Jetzt können wir richtig loslegen.“ Bürgermeister Josef Schmid, CSU, sagte, die Kulturstadt werde „ab 2020 um ein Highlight reicher sein“. Das Volkstheater werde zu „einem der modernsten Theater Europas“.

Der Stadtrat schwärmt von den Plänen

Die vorangegangene Debatte war einmütig verlaufen, die Stadträte versuchten, sich gegenseitig in ihrer Begeisterung zu übertrumpfen. So sprach SPD-Stadtrat Klaus Rupp von einem „Meilenstein für das Volkstheater, aber auch für die Kulturstadt München“. CSU-Stadtrat Richard Quaas schwärmte von einem „großen Tag für die Münchner Kultur“. OB Dieter Reiter, SPD, erklärte stolz, nicht viele Städte könnten sich in diesen Zeiten so etwas leisten: einen Theater-Neubau. Florian Roth, Grüne, lobte das „angemessene Haus“ – und dass auch neben dem Volkstheater Raum im Viehhof bleiben soll, für Wohnungen und vielleicht auch für ein Kino.

„Ich hätte Lust darauf, dass es 2020 fertig ist“, sagte OB Dieter Reiter. Diesen Zeitplan aber halten viele Beobachter für allzu optimistisch. 2020 läuft die Genehmigung für den Standort Brienner Straße aus. Das dortige Gebäude gehört dem Bayerischen Fußball-Verband (BFV). Kulturreferent Hans-Georg Küppers, SPD erklärte, er befinde  sich mit dem Verband bereits im Gespräch – um im Falle des Falles doch noch ein wenig länger an der Brienner Straße bleiben zu können. BFV-Sprecher Thomas Müther erklärte dazu am Donnerstag allerdings: „Der Bayerische Fußball-Verband geht fest davon aus, dass die Stadt München termingerecht bis zum Auslaufen des Mietvertrags mit dem BFV im Jahr 2020 den Neubau des Volkstheaters am Viehhof-Gelände fertigstellen wird." Gespräche mit der Stadt  über eine Verlängerung des Mietvertrags um ein oder mehrere Jahre seien "bislang zu keinem Zeitpunkt geführt worden und sind seitens des BFV auch nicht geplant", erklärte Müther.

Alternativ-Vorschläge können sich nicht durchsetzen

In der gestrigen Stadtrats-Debatte hatte es schließlich auch noch ein paar Widerworte gegeben. Alfa-Stadtrat Andre Wächter etwa stellte sich gegen das ganze Vorhaben. „Wir geben doch schon viele hundert Millionen für den Gasteig aus und bekommen einen Konzertsaal vom Freistaat“, sagte er. Die FDP mit Ex-Kunstminister Wolfgang Heubisch versuchte, noch einmal den Standort Großmartkthalle ins Spiel zu bringen. „Ich warne vor Schnellschüssen!“, rief er. „Wir sollten uns nochmal ohne Druck auch mit diesem Standort auseinandersetzen.“ Das Ziel müsse es trotzdem sein, dass das Volkstheater nicht jahrelang von Standort zu Standort ziehe.

Die FDP schlug eine mehrjährige Zwischenlösung im Kreativquartier an der Dachauer Straße vor. Durchsetzen konnte sie sich damit im Stadtrat nicht. Dafür gab es Lob von ungewohnter Seite: Grünen-Fraktionschef Roth lobte die Kollegen dafür, dass sie die sonst so einseitige Debatte belebt hätten. „Heute“; sagte er, „bin ich mal froh, dass es die FDP gibt.“

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