Investoren planen Mega-Projekt

Neues Wohnviertel: Geheimplan für den Schlachthof

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Der Schlachthof könnte Hunderten von ­neuen Wohnungen ­weichen.

München - Wohnen auf dem Schlachthof-Gelände? Nach tz-Informationen will eine Investorengruppe die im Schlachthof angesiedelten Betriebe nach Aschheim umsiedeln, um auf dem jetzigen Gelände in bester Lage Wohnungen zu bauen. Ein Filetstück!

Auf einer Fläche von rund sieben Hektar könnten Hunderte neuer Wohnungen entstehen. Zum Vergleich: Am Nockherberg (neun Hektar) sind 1500 geplant! Und die tz weiß: Die Verhandlungen über den Umzug sind schon sehr weit! Denn auch für die Schlachtbetriebe hätte er Vorteile.

Auf dem Schlachthof-Areal gibt es drei Firmen: die Rinderschlachtung Attenberger, einen Fleischgroßhandel in der Mitte und die Schweineschlachtung. Die Gebäude dort stammen aus den 70er-Jahren. Auch wenn sie zwischenzeitlich saniert wurden: Modern ist anders! Die Stadt hat das Gelände in Erbpacht vergeben. Die Verträge laufen nach tz-Infos noch bis in die Jahre 2040/41.

Diese Verträge freilich stehen der Investorengruppe im Weg, denn sie will das Areal kaufen. Die Lösung wäre: Die Stadt und die Firmen einigen sich. Denn auch für die Schlachtbetriebe wäre der Umzug sinnvoll. Die Gebäude in Aschheim wären auf Stand, neueste Tierschutzstandards könnten angewendet werden. Der neue Standort läge direkt an der Autobahn, die Transportrouten wären kürzer.

„Es gibt wenig, was dagegen spricht“, sagt ein Fleischer zur tz. „Bis auf die Rinderschlachtung sind die Verhandlungen auch schon sehr weit.“ Denn: Eine Sanierung der Gebäude in der Isarvorstadt wird sicher in den nächsten Jahren anstehen. Und das könnte teuer kommen, teilweise gilt Denkmalschutz.

Offiziell will sich von den Betrieben niemand äußern. Seitens der Stadt gibt es ebenfalls nichts Konkretes: „Das Gerücht über die Umzugspläne der Schlachter ist mir bekannt“, sagt Kommunalreferent Axel Markwardt. „Von Tatsachen aber weiß ich nichts.“ Im Stadtrat kann man sich Wohnungen auf dem Areal aber sehr gut vorstellen. „Das halte ich für keine schlechte Idee“, sagt CSU-Fraktionschef Hans Podiuk. „Das würde der Stadt an dieser Stelle sehr gut tun.“ Wegfallen würde nämlich auch der Zulieferer-Verkehr. Zudem bräuchte man die Lkw-Waschanlage auf dem Viehhofgelände nicht mehr. Dort sind bekanntlich schon neue Wohnungen geplant, außerdem erhält das Volkstheater eine neue Heimat. Gemeinsam mit dem Schlachthof „wäre es eines der besten Wohngebiete“, sagt Podiuk. Da lauert allerdings eine Gefahr: horrende Mietpreise! „Natürlich müsste sich der Investor an den Kosten der Infrastruktur beteiligen und mindestens ein Drittel des Quartiers in gefördertem Wohnungsbau errichten“, sagt Podiuk. Sein SPD-Pendant Alexander Reissl hofft auf eine gemeinsame Entscheidung aller Betriebe: „Wenn nur ein Teil umzieht, haben wir ein Problem.“

Völlig anderer Meinung ist der Chef des örtlichen Bezirksausschusses, Alexander Miklosy. Er würde lieber den Schlachthof im Viertel halten. „In der Innenstadt sollte es auch Arbeitsplätze geben, auch für handwerkliche Betriebe.“ Die Beschäftigten würden oft in unmittelbarer Umgebung wohnen. In Zukunft müssten sie nach Aschheim pendeln. Mit den Betrieben wegziehen würde aber auch der Gestank: Die Geruchsbelästigung wäre dann passé.

J. Welte, F. Fussek, S. Karowski

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Die tz hat sich bei Anwohnern umgehört, wie sie die Pläne finden.

Wohnen oder schlachten – was die Anwohner sagen

Hoffentlich wird’s kein Schickimicki-Viertel

Der Schlachthof ist eine echte ­Münchner Institution. Das ist wie eine eigene Gemeinde mit den ganzen Händlern und Metzgern. Seit 20 Jahren betreibe ich jetzt schon das Atlantik, wir leben vor allem von unserer Stammkundschaft. Jetzt habe ich die große Angst, dass das hier zu einem Schickimicki-Viertel wird. Das wäre sehr traurig. Mich stört der Betrieb des Schlachthofs gar nicht. Natürlich merkt man den Gestank im Sommer, aber von der Schlachtung bekomme ich nichts mit.

Peter Feigl (47), Inhaber, Atlantik-Fisch

Bitte lasst uns doch unser Sommer-Kino

Ich finde die Idee richtig, den Schlachthof zu verlagern – ein Gelände außerhalb der Stadt ist sicher besser geeignet. Gerade im Sommer, wenn es richtig heiß ist, stinkt es hier richtig. Die große Frage ist: Was kommt hin? Neue Wohungen wären auf alle Fälle gut für die ganze Stadt. Es wäre aber schade, wenn das Sommer-Kino wegkommen würde. Zu Veränderungen sage ich nicht Nein, aber sie sollten nicht rabiat sein. Die Graffiti-Wand sollte zum Beispiel auch auf jeden Fall bleiben.

Sonja Ostner (40), Physiotherapeutin, mit Tochter Emilia (6)

Es gibt keine bessere Gegend zum Wohnen

Der Schlachthof ist wirklich was Besonderes – gerade auch für uns Anwohner. Im Sommer gibt es hier richtig gute Feste. Vor allem der Biergarten ist toll. Ich kann mich auch nicht über den Lärm beschweren, wenn ich über eine Bar ziehe. Was noch dazukommt: Der Schlachthof ist auch super zum Einkaufen. Ich esse sehr gerne frisch, und dafür sind die Läden hier natürlich perfekt. Ich wohne seit mittlerweile einem Jahr hier – und ich kann mir kein besseres Viertel vorstellen.

Michael Lang (28), Doktorand

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Johannes Welte

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Sascha Karowski

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