Parkhaus-Millionärin vor 9 Jahren getötet

Fall Böhringer - der erste Blick in die Mordwohnung

+
Über 400 Quadratmeter hat die Wohnung der Toten.

München - Vor neun Jahren wurde Parkhaus-Millionärin Charlotte Böhringer in ihrem Penthouse in der Baaderstraße ermordet. Die Familie des verurteilten Mörders ist nach wie vor von seiner Unschuld überzeugt - und gewährte nun erstmals Einblicke in die Wohnung.

Vor dieser Marmortreppe wurde das Opfer gefunden.

Die Marmorfliesen glitzern im Sonnenlicht, das durch die weiten Dachfenster scheint. Und dennoch wirkt in Charlotte Böhringers Penthouse alles irgendwie dunkel, trist. In ihrem riesigen Wohnzimmer steht nur noch ein Sofa, daneben ihre Lieblingssessel. Staubige Bilder lehnen in der Diele an der Wand. Gut neun Jahre ist es nun her, dass die Parkhaus-Millionärin genau hier in der Baaderstraße ermordet wurde. Der Killer schlug mit einem stumpfen Gegenstand immer wieder auf den Kopf der 59-Jährigen ein – direkt hinter der Wohnungstür. 24 Schläge zählte die Gerichtsmedizin später.

Charlotte Böhringer wurde nur 59.

Seit damals steht die 400-Quadratmeter-Wohnung nun leer, kaum jemand durfte sie betreten. Warum? Wohl auch weil die Räume vielleicht noch irgendein Geheimnis offenbaren könnten. Ein Indiz, das den verurteilten Mörder und Neffen der Toten, Benedikt Toth (40), entlasten könnte. Dass Bence, so sein Spitzname“, unschuldig im Gefängnis sitzt – davon ist dessen Familie jedenfalls (siehe unten) überzeugt.

Ein Teddy liegt noch in der Diele auf einem alten Schrank.

Der Mord an Charlotte Böhringer – es war einer der spektakulärsten Kriminalfälle der vergangenen 20 Jahre. Am 15. Mai 2006 fand der später verhaftete Bence zusammen mit einem Angestellten die Leiche. Schon wenige Tage später wird der damals 31-Jährige verhaftet: Nach Ansicht der Ermittler kommt nur er als Täter in Frage. Er habe seine Tante ermordet, um sich den Erbanteil zu sichern, nachdem er Streit über sein abgebrochenes Studium gefürchtet habe. Toth bestreitet das bis heute. Er gab an, am Tattag mit einer Erkältung zu Hause gewesen zu sein, womit ihm ein Alibi fehlte. Auch heute beschwört er dies noch, aus seiner Zelle in der JVA Straubing.

In diesem Geschirrspüler fand man fremde DNA-Spuren.

Sein Bruder und seine Eltern glauben ihm. „Benedikt ist unschuldig“, betonte Bruder Mate am Mittwoch (er erbte das Vermögen seiner Tante). Der ganze Indizien-Prozess sei damals eine Farce gewesen, die Polizei habe schlampig gearbeitet. Um dies nun nochmals an die Öffentlichkeit zu bringen, habe man sich eben entschieden, den Medien einen Blick in die Wohnung der Ermordeten werfen zu lassen. Zudem habe man einen PR-Manager, den Journalisten Jerry Swartzberg, angeheuert, um die Unschuld Bences zu beweisen. „Wir geben nicht auf. Es gibt so viele offene Fragen.“ So sei es laut der Familie und Anwalt Peter Witting klar, dass am Tatabend noch mindestens eine weitere Person in dem Penthouse war. Dies habe aber die Ermittler nie interessiert. Es gebe DNA-Spuren an einem Weinglas, die dies beweisen würden. Schon Anfang des Jahres sorgte die Familie Toth für Aufsehen, als sie eine Belohnung von 250 000 Euro für Hinweise aussprach, die zur Ergreifung des „echten“ Mörders führten.

Bilder wurden in der Wohnung zwar abgehängt, lehnen aber an der Wand.

Fakt ist: Juristisch ist der Fall längst beendet. Sogar vors Bundesverfassungsgericht zog Anwalt Witting – ohne Erfolg. Auch ein Wiederaufnahmeantrag scheiterte. „Jetzt haben wir Verfassungsbeschwerde eingelegt. Mal sehen, was da rauskommt“, sagt der Rechtsanwalt.

"Wir werden weiter kämpfen"

Die Eltern des verurteilten Bence Toth und Bruder Mate luden Journalisten ein, einen Blick in die Mord-Wohnung zu werfen (r.: Anwalt Peter Witting).

Jeden Tag kreisen die Gedanken von Bence Toth Senior (67) um seinen Sohn: „Seit der Verhaftung damals ist unser Leben ruiniert“, erklärt der gebürtige Ungar. „Ich weiß, dass er diesen Mord nicht begangen hat und wir kämpfen weiter gegen diese Ungerechtigkeit.“ Fünf Stunden sieht er seinen Sohn jeden Monat. „So viel Besuchszeit hat mein Sohn zur Verfügung.“ Ungarische Bücher bringt er ihm dann oft mit in die JVA nach Straubing. „Er liest doch so gerne.“ Momentan arbeite Bence sogar an einem Buch zu den ganzen Vorfällen. Der Vater ist überzeugt: „Da werden interessante Dinge drinstehen – noch ist das Werk aber nicht fertig.“ In seiner Zelle spielt Bence übrigens manchmal Saxofon: „Er liebt dieses Instrument und er hat ja auf seinen acht Quadratmetern nicht einmal einen Fernseher“, so Bruder Mate. Dieser sei dem Verurteilten aus disziplinarischen Gründen weggenommen worden. „Mein Bruder hat sich eine schlechte Behandlung nicht gefallen lassen.

Bence Toth wird abgeführt.

Übrigens: Bence wurde zu Lebenslang mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt. Laut Experten muss er mindestens 20 Jahren absitzen.

Armin Geier

auch interessant

Meistgelesen

Kleiner Geldbeutel? Hier können Sie in München sparen
Kleiner Geldbeutel? Hier können Sie in München sparen
Fälle brutaler Wilderei rund um die Stadt häufen sich
Fälle brutaler Wilderei rund um die Stadt häufen sich
Stau bei der Stadt: Das Wohnungsamt sperrt montags zu!
Stau bei der Stadt: Das Wohnungsamt sperrt montags zu!

Kommentare