Jetzt kommt Bewegung in die Angelegenheit

Paul-Heyse-Unterführung: Röhre des Grauens wird aufgehübscht

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Ein 210 Meter langer Schandfleck: Die Paul-Heyse-Unte rführung soll zeitnah verschönert werden. 

München - Seit Jahren fordert die Stadt die Deutsche Bahn auf, die Paul-Heyse-Unterführung am Hauptbahnhof zu sanieren – ohne Erfolg. Doch jetzt kommt Bewegung in die Angelegenheit. Bahn und Stadt haben sich darauf verständigt, „das optische Erscheinungsbild der Unterführung zeitnah zu verbessern“.

Man konnte die Uhr danach stellen: Alle paar Monate präsentierte eine andere Fraktion im Rathaus einen Antrag, bei dem es um die Paul-Heyse-Unterführung ging, von den Münchnern auch Röhre des Grauens oder Ekeltunnel genannt. Jetzt war die SPD an der Reihe mit einer neuerlichen Initiative. Der Zustand der Unterführung sei nicht mehr hinnehmbar, schrieben mehrere Stadträte an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). „Es stinkt, Fliesen und Taubendreck bröckeln von den Wänden und Decken, das gesamte Bauwerk ist mehr als unansehnlich und inzwischen Ziel von Führungen zu Münchens hässlichsten Orten.“

Ähnlich hatte sich vor geraumer Zeit die Rathaus-CSU geäußert und Verbesserungen angemahnt. Münchner Bundestagsabgeordnete der CSU schrieben sogar direkt an Bahnvorstand Rüdiger Grube. Allein: Die Bahn kümmerte das Geschimpfe der Politiker wenig. Denn ihre Pflichtaufgaben erfüllt sie nach eigenem Bekunden. Die Statik der über 100 Jahre alten Eisenbahnbrücke ist in Ordnung. „Durch das Bauwerk geht weder für den Zugverkehr auf der Brücke noch für den Auto-, Rad- und Fußgängerverkehr in der Unterführung irgendeine Gefahr aus“, so ein Bahnsprecher. Der Konzern verweist zudem immer wieder darauf, dass die Stadt die Straßenbaulast im Tunnel trägt – und damit ebenfalls in der Pflicht steht.

Nun scheint das Hin- und Hergeschiebe der Verantwortung ein Ende gefunden zu haben. Seit mehreren Monaten gibt es einen gemeinsamen Arbeitskreis der DB Netz AG und des Referats für Stadtplanung und Bauordnung. Zuletzt trafen sich Vertreter in der vergangenen Woche und diskutierten über die 210 Meter lange Verbindung zwischen Maxvorstadt und Isarvorstadt. „Der Arbeitskreis erarbeitet ein Gestaltungskonzept, um den baulichen Zustand und das optische Erscheinungsbild der Unterführung zeitnah zu verbessern“, sagt ein Bahnsprecher. Was zeitnah bedeutet, ist freilich Definitionssache. Doch auch in der Wahrnehmung der Stadt hat die Bahn ihre bockige Haltung aufgegeben. „Aus unserer Sicht hat die DB durchaus Bereitschaft signalisiert, Maßnahmen angehen zu wollen“, sagt Martin Klamt, Sprecher des Planungsreferats. Bei der Besprechung vorige Woche einigten sich Bahn und Stadt darauf, dass ein Lichtkonzept unter Federführung des Baureferats erarbeitet werden soll. Auch die Gestaltung der Wandflächen wurde besprochen. „Hierzu gibt es verschiedene denkbare Möglichkeiten, zu denen vor allem die DB eine Grundlage vorbereiten wird“, berichtet Klamt. Dies werde in den kommenden Monaten bei weiteren Gesprächsterminen bis Ende 2016/Anfang 2017 konkretisiert, „um in die Umsetzungsphase zu kommen“, sagt der Sprecher des Planungsreferats. Grundsätzlich sei zu sagen, dass das Brückenbauwerk als solches standsicher sei. Das bestätigt ein Bahnsprecher: „Zur Erhaltung des Bauwerks wurden in den letzten vier Jahren zum Beispiel eine umfangreiche Stützensanierung und eine abschnittsweise Entwässerung hinter den Widerlagern durchgeführt.“

Die SPD-Fraktion wünscht sich „schnell umsetzbare Ideen“ und könnte sich auch vorstellen, Graffiti- oder Licht-Künstler in die Neugestaltung einzubeziehen. „Beim Schandfleck Paul-Heyse-Unterführung muss endlich etwas passieren“, sagt SPD-Stadträtin Bettina Messinger. Tatsächlich könnten die Tage der Grusel-Röhre gezählt sein.

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