Baustelle wäre harter Schlag

Decke in U-Bahnhof sinkt ab - Droht Vollsperrung?

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Der U-Bahnhof Poccistraße.

München - Er zählt mit zu den ältesten U-Bahnhöfen in München: der Halt Poccistraße. Und jetzt ist er offenbar in die Jahre gekommen. Denn das Dach hat sich um vier Zentimeter gesenkt!

Die Auswirkungen sind noch unklar. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) kontrolliert täglich, eine Komplettsperrung der hochfrequentierten Haltestelle ist nicht ausgeschlossen. Droht hier der nächste U-Bahn-Kollaps?

Wie die MVG auf tz-Anfrage mitteilt, besteht keine Gefahr für die Fahrgäste. Seit Mai sind Ingenieure mit Messgeräten im U-Bahnhof unterwegs. Bei dem Monitoring sollen weitere Veränderungen an den 31 Deckengewölben erfasst werden, die Bahnsteig und Betriebsräume überspannen. Bis September werden die Messgeräte fest installiert.

Aufgetaucht waren die Schäden während Untersuchungen, die die MVG bereits Mitte vergangenen Jahres in Auftrag gegeben hat. „Die Deckengewölbe haben sich an den Außenkappen, also an den Anschlussstellen zwischen Bahnsteig und Gleisbereichen, in unterschiedlichem Ausmaß um bis zu 39 Millimeter abgesenkt“, sagte ein Sprecher der Verkehrsgesellschaft der tz. Es sei jedoch nicht zu ermitteln, ob die Absenkungen bereits bei der Herstellung des Bauwerks oder danach entstanden sind.

Ergeben haben diese Untersuchungen aber, dass das Bauwerk aus heutiger Sicht ohnehin statisch zu schwach ausgelegt wurde. Der U-Bahnhof war 1978 zwischen den bereits bestehenden Tunneln errichtet worden (siehe unten).

Das Monitoring hat bisher aber keine weiteren Veränderungen dokumentiert. Dem Vernehmen nach soll jedoch bei einer erneuten Absenkung von drei Millimetern über das weitere Vorgehen nachgedacht werden. „Das ist dann im Einzelfall zu prüfen“, sagt der MVG-Sprecher. Eine Sperrung sei zwar jederzeit möglich, aber nur im Extremfall angedacht. „Das wäre die ultima ratio.“ Und die wäre verheerend! Denn der U-Bahn-Halt am Schlachthof liegt am viel frequentierten KVR!

Um das Problem zumindest provisorisch zu beheben, sollen Ende des Jahres auf dem Bahnsteig Stützen eingebaut werden. Laut Empfehlung der Gutachter sollte der U-Bahnhof allerdings spätestens in fünf Jahren ohnehin umfassend saniert werden. Er ist halt in die Jahre gekommen.

Münchens schönste U-Bahnhöfe

U-Bahnhof Poccistraße: Erst der Tunnel, dann der Halt

Gebaut wurde der U-Bahnhof Poccistraße 1978 – zwischen den bereits bestehenden Tunneln. Dazu kam ein damals neues bautechnisches Verfahren zur Anwendung. Bereits während der Bauzeit traten aber Probleme zutage. Die Zulassung für den seinerzeit verwendeten Spannstahl wurde widerrufen. 1977 tauchten erste Risse in der ­Decke auf – und im Eröffnungsjahr dann sogar der erste Bruch in der Spannstahl-Konstruktion. Danach allerdings wurde von dem damals noch zuständigen U-Bahn-Referat die Dauerhaftigkeit der Konstruktion bestätigt – eine Einschätzung, die erst vor sechs Jahren vom Baureferat erneut getroffen wurde. 2011 untersuchten Gutachter den Bahnhof. Sie empfahlen damals, den Turnus für die regelmäßigen Bauwerks­prüfungen zu verkürzen. Künftig sollten alle zweieinhalb Jahre die ­Gutachter anrücken, nicht mehr alle fünf.

Weitere Baustelle

Eine Sperrung des U-Bahnhofes Poccistraße wäre für Pendler auf der U3 ein harter Schlag. Denn wie berichtet will die Münchner Verkehrsgesellschaft wohl ab Oktober die Gleise zwischen Münchner Freiheit und Scheidplatz komplett saniert. Der Bonner Platz ist mit der U-Bahn nicht zu erreichen – für 22 Wochen. Die Gleise sind zum Teil über 45 Jahre alt. Die lange Sperrung hat zwischenzeitlich für Aufregung gesorgt und die Rathaus-Politik aufgeschreckt. Es gab bereits mehrere Anträge, den Bau zu verschieben. Vorstellbar wäre zum Beispiel auf Sommer nächsten Jahres. Denn bei schönem Wetter könnten mehr Leute aufs Rad umsteigen.

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