Drogen, Prostitution, Bettelei und Arbeiterstrich

Brennpunkt Hauptbahnhof: Geschäftsleute schlagen Alarm

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Sorgen sich ums Bahnhofsviertel: Andreas Lorenz (CSU), Michael Grill von der Theatergemeinde, Hotelier Fritz Wickenhäuser und Handy-Händler Bülent Sogöz (v. re.).

München - Geschäftsleute aus dem Bahnhofsviertel schlagen Alarm: Die Probleme mit Drogen, Prostitution, Bettelei und dem Arbeiterstrich würden größer. Andreas Lorenz (CSU) wirft der Polizei vor, die Augen vor der Situation zu verschließen.

Sicher, sagt Fritz Wickenhäuser, wenn man nur die Zahlen ansehe, sei die Kriminalität im Bahnhofsviertel im Vergleich mit anderen deutschen Großstädten im Rahmen. Doch der Vorsitzende des Vereins Südliches Bahnhofsviertel, selbst Inhaber eines Hotels an der Schwanthalerstraße, ist beunruhigt. „Es haben sich Brennpunkte gebildet“, sagt Wickenhäuser. „Und die haben massive Auswirkungen auf unser Viertel.“

Immer mehr Hoteliers und Geschäftsleute beklagen sich bei Wickenhäuser über die offensive Bettelei, Prostitution im Sperrbezirk, Drogengeschäfte und Probleme mit derbis zu 2000 Menschen umfassenden Gruppe von Arbeitssuchenden aus Rumänien und Bulgarien, die vor allem an der Ecke Landwehr-/Goethestraße in Erscheinung treten. Gäste beschwerten sich, die Umsätze gingen teils erheblich zurück. „Ich selbst bin zuletzt mehrmals tagsüber von Prostituierten angesprochen worden“, berichtet Wickenhäuser. „Wir brauchen mehr sichtbare Polizeipräsenz“, fordert der Mann, der die Situation bislang als „beherrschbar“ beschrieben hatte.

„So geht es nicht weiter“, sagt auch der CSU-Landtagsabgeordnete Andreas Lorenz, im Maximilianeum unter anderem für innere Sicherheit zuständig. Seit Anfang 2014 gebe es vermehrt Prostitution im Sperrbezirk und seit Mitte 2014 einen „gravierenden Anstieg“ bei der Drogenkriminalität rund um den Bahnhof. Es sei bekannt, dass man hier ohne Probleme Drogen kaufen könne. Lorenz: „Das erzeugt eine Sogwirkung, die wird nicht zulassen dürfen.“

Alles, was bisher am Hauptbahnhof veranlasst worden sei, sei eine zusätzliche Kamera an der Bayerstraße, die noch heuer aufgestellt werden soll – und ein Alkoholmitnahme- und -konsumverbot für den Bahnhofsplatz, das im August beantragt worden sei.

„Es wird immer schlimmer“, stimmt auch Bülent Sogöz in das Konzert der Beschwerdeführer ein. Er betreibt seit 2007 einen Handyladen an der Goethestraße. „Die Kunden bleiben weg“, sagt er, weil sich vor seinem Laden Arbeitssuchende aus Osteuropa aufhielten und zum Teil „Damen blöd anreden“.

„Wir haben zu lange zugeschaut“, betont Michael Grill, Geschäftsführer der Theatergemeinde, die genau an der Ecke Landwehr-/Goethestraße ihre Büroräume hat. Hier warten täglich Trauben von Menschen, sitzen auf den Stufen, und hinterlassen am Ende des Tages Müllberge. Sein Vorwurf: „Das Kreisverwaltungsreferat weigert sich standhaft, die Problemlage anzuerkennen.“ Zwar gibt es inzwischen einen Aufenthaltsraum für Tagelöhner aus Rumänien und Bulgarien – an der Sonnenstraße. Entspannt hat sich die Situation nicht. Grill hofft nun, dass der neue KVR-Chef Thomas Böhle (SPD) eine differenziertere Haltung einnimmt. Auch Bahnhofsviertel-Vereinschef Wickenhäuser will Böhle zum Gespräch laden.

CSU-Mann Lorenz fordert die Ausweitung der Videoüberwachung auf angrenzende Straßen, mehr Beleuchtung, um das Sicherheitsgefühl zu erhöhen – und mehr Polizeipräsenz. Es fehle das Bewusstsein, dass man „dem Treiben mit allen Mitteln entgegenwirken muss“, kritisiert er. Das Polizeipräsidium München müsse „eben andere Dinge wie die Verkehrsüberwachung sein lassen“.

Bekannt ist sind die Probleme am Hauptbahnhof bei der Polizei in jedem Fall. Um die Szene der Drogenhändler aus Nord- und Westafrika zu untersuchen, hatte das Präsidium im Juli erklärt, möglicherweise „Strukturermittlungen“ aufzunehmen. So könne man erfahren, ob eine Organisation hinter den Dealern steht und woher die Drogen kommen. Die Lage, hieß es, sei aber „nicht besorgniserregend“. Wegen der Zunahme illegaler Prostitution im Bahnhofsviertel sind zudem Rotlicht-Ermittler seit einiger Zeit verstärkt unterwegs. „Wir haben die Situation im Griff“, hatte Bernhard Feiner, Chef der „Sitte“, erst in der vergangenen Woche unserer Zeitung gegenüber erklärt.

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