Reichenbachbrücke

Riesige Gegensätze: Das Elend mitten im Luxusviertel

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Unter der Reichenbachbrücke leben Menschen im Dreck, 100 Meter entfernt herrscht in den Glockenbachsuiten Luxus pur.

München - Während in den Glockenbachsuiten eine 80-Quadratmeter-Wohnung knapp 1,8 Millionen Euro kostete, leben am Ostufer unter der Brücke Armutsflüchtlinge unter unvorstellbaren Bedingungen. Die tz auf Spurensuche.

Es sind nur 100 Meter, die an der Reichenbachbrücke den schieren Luxus von der blanken Armut trennen: Während in den Glockenbachsuiten am Westufer eine 80-Quadratmeter-Wohnung knapp 1,8 Millionen Euro kostete, leben am Ostufer unter der Brücke Armutsflüchtlinge aus Südosteuropa unter unvorstellbaren Bedingungen. Die tz begab sich auf Spurensuche.

„Was sollen wir tun. Zu Hause gibt es keine Arbeit für uns, niemand gibt uns etwas zu essen. Deshalb sind wir nach München gekommen, um Geld zu verdienen, damit wir überleben können.“ Schon seit einem Jahr lebt die Bulgarin Awe (20) mit ihren Brüdern Mehmet (40) und Ahmed (17) und ihrer Mutter in München auf der Straße – auf der Suche nach einem menschenwürdigen Leben. Derzeit campiert die Familie mit rund einem Dutzend weiterer Bulgaren und Mazedonier unter der Reichenbachbrücke. „Den ganzen Winter waren wir draußen, wir bekommen keine Arbeit“, berichtet Ahmed und zeigt seine aufgeschürfte Wade: „Ein Radler hat mich an der Isar angefahren, ich habe kein Geld, mir Medizin zu kaufen.“ Mit Pfandflaschensammeln versucht die Familie, sich über Wasser zu halten. Der kleine Keko (10) zeigt uns eine Hand mit aufgesprungenen Fingern, er bräuchte einen Arzt.

Ohne Wohnung keine Arbeit

Wieso diese Menschen kein Geld haben? „Weil wir keine Wohnung haben, bekommen wir keine Arbeit. Doch ohne Arbeit bekommen wir keine Wohnung“, so Awe. Ein Teufelskreis, aus dem Hunderte Armutszuwanderer in München nicht herauskommen. Die Stadt fühlt sich für die obdachlosen Armutsflüchtlinge nicht zuständig, da sie davon ausgeht, dass sie zu Hause ein Obdach haben.

„Ein Großteil der Armutsflüchtlinge vom Balkan sind Roma, die während des Kommunismus als Straßenreiniger oder bei der Müllabfuhr arbeiteten. Ihre Jobs wurden wegrationalisiert“, berichtet Andrea Untaru von der Beratungsstelle für obdachlose Migranten Schiller 25. In Deutschland werden Migranten vom Balkan am Bau oft um den Lohn geprellt – auch beim Bau der Glockenbachsuiten gab es Klagen über Lohnausstände.

Den Armen an der Reichenbachbrücke droht die Räumung, denn die Stadt duldet keine wilden Camps. Der Bezirksausschussvorsitzende Alexander Miklosy fordert: „Wir wollen keine brutale Vetreibungsaktion. Wir wollen, dass man den Leuten hilft.“

Johannes Welte

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Johannes Welte

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