Maßkrugschlägerin verurteilt

Studentin schlug mit Maßkrug zu - Wurde sie belästigt?

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Kathryn D. (25) mit ihrem Verteidiger Prof. Eckhart Müller

München - Ein Niederbayer besucht zum ersten Mal die Wiesn und bekommt von einer Frau einen Maßkrug über den Kopf gezogen. Ein Gericht muss nun klären, wie es dazu kam.

Der 24. September 2015 begann für Matthias K. (19) mit einer Premiere: Zum ersten Mal überhaupt fuhr der Niederbayer nach München zur Wiesn. Mit Freunden aus seinem Fußballclub feierte er im Augustinerzelt. Schon um 19 Uhr lag Matthias K. aber unter der Bierbank – nicht betrunken, sondern blutend. Ein Masskrug hatte ihn am Kopf getroffen und schwer verletzt. Sicherheitsleute helfen ihm, der Notarzt näht die Platzwunde. Was an dem Wiesn-Abend aber genau geschah: Das stellte sogar das Amtsgericht vor Rätsel.

Dort saß gestern Kathryn D. (25) auf der Anklagebank, eine Studentin aus den USA. Hübsch. Groß. Blond. Im Augustinerzelt soll sie ausgerastet sein – und schlug wuchtig zu, was sie nicht bestreitet. Angeblich hatten K.s Freunde sie beim Tanzen belästigt. „Zweimal haben sie mir den Rock hochgezogen“, behauptet Kathryn D. unter Tränen. Sie ohrfeigte K., laut Zeugen schubste der sie von der Bank. „Ich lag am Boden und wollte, dass er von mir ablässt. Also habe ich den Maßkrug gepackt.“ Und zugeschlagen! Auch ein zweites Mal holt sie aus, verfehlt K. nur knapp – und trifft Olga K. (26) knapp unter dem Auge. „Ich hätte blind sein können“, sagt sie.

Das Opfer schildert den Vorfall ganz anders

Matthias K. (19) wurde bei der Maßkrug-Attacke verletzt.

Matthias K. stellt den Fall anders dar: Angeblich stritt Kathryn D. mit seinem Spezl und bespritzte ihn mit Bier. „Er hat sie dann an den Schultern gepackt.“ Die Studentin wehrt sich, holt aus. „Ich hab noch gesehen, wie der Maßkrug von der Seite kam, aber konnte nicht ausweichen. Dann wurde es dunkel.“ Mit Platzwunde wacht Matthias K. blutend wieder auf. Und erstattete Anzeige!

Ein kiffliger Fall. Denn Masskrug-Attacken gelten als gefährliche Körperverletzung – mindestens. Ähnliche Fälle wurden von der Staatsanwaltschaft auch wegen versuchten Totschlags oder Mordversuch angeklagt. Ein Polizist: „Die Dame war betrunken und hatte rund zwei Promille.“

Die angebliche Belästigung hatte sie nicht angezeigt. Derlei Taten verjähren aber nach drei Monaten. Hat sie sich gewehrt – oder gewütet? Richter Sebastian Schmitt verdonnerte Kathryn D. am Ende zu 1000 Euro Geldbuße – und stellte das Verfahren gegen sie ein. „Zur Wiesn gehe ich nie wieder“, sagte Matthias K.

Andreas Thieme

Andreas Thieme

E-Mail:Andreas.Thieme@tz.de

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