Staatsanwaltschaft ermittelt

Tierquälerei und Hygienemängel? Anzeige gegen Schlachthof

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Der Schlachthof München: Hier sollen die PETA-Aufnahmen entstanden sein. Die Organisation hat Strafanzeige gestellt.

München - Die Tierschutzorganisation PETA Deutschland wirft dem Münchner Schlachthof Tierquälerei und Verstöße gegen die Hygiene-Vorschriften vor. Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt.

Die PETA-Beweise mit Bildern vom Münchner Schlachthof: Dieses Foto soll die Fehlbetäubungen dokumentieren.

Na Mahlzeit! Die Tierschutzorganisation PETA Deutschland wirft dem Münchner Schlachthof vor, Tiere falsch betäubt zu haben. Außerdem sollen Wände des Kühlhauses gereinigt und abgespritzt worden sein, während drinnen noch Rinderhälften hingen. Die Organisation hat Anzeige erstattet. Sauerei im Schlachthaus? Die Staatsanwaltschaft München I bestätigt die Anzeige und hat Ermittlungen gegen Unbekannt aufgenommen. Von PETA gibt es Fotos, die die Vorwürfe untermauern sollen. „Die Bilder zeigen, dass Tiere nachbetäubt werden mussten“, sagt der Leiter der Rechts- und Wissenschaftsabteilung bei PETA, Dr. Edmund Haferbeck.

Er führt aus, dass Schusskanäle markiert werden müssen. Auf einigen der Fotos sind bis zu vier Markierungen zu erkennen. Das würde bedeuten, dass auf das Tier viermal geschossen worden ist. Ursache dafür ist laut dem Anwalt, dass das Bolzenschussgerät für diese Arbeit nicht geeignet gewesen sei. Im Normalfall sei ein Schuss ausreichend. PETA lägen Beweise für bis zu sechs Tiere vor, die so behandelt wurden.

Doch nicht nur das: Die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft ist zwischenzeitlich erweitert worden – wegen Verstößen gegen Hygienevorschriften. Denn PETA lägen zudem Videos vor, die den Kühlraum des Schlachthofes zeigen sollen. Dieser wird offenbar gerade gereinigt. Der Zuschauer erkennt Schaum, der an die Wände gespritzt wird – während im Hintergrund noch Fleisch hängt.

Diese Aufnahme soll das Reinigen der Kühlanlage zeigen, während dort noch Fleisch hängt.

Die Stadt hat den Schlachthof an die Münchner Schlachthof Betriebs GmbH verpachtet. Deren Anwalt teilt mit, dass von einem Ermittlungsverfahren nichts bekannt sei. Ferner sei die Arbeitsgemeinschaft der Lohnschlächter, die für die Betäubung verantwortlich ist, eine eigenständige Organisation, gehört also nicht zum Schlachthof. Gleichwohl: Die Geschäftsleitung habe höchstes Interesse daran, dass Fehlschüsse vermieden werden.

Nach Angaben des Anwalts ist Seniorchef Ludwig Attenberger sogar selbst eingeschritten und hat nach einem Kontrollgang den Einsatz unzulässiger Bolzenschussgeräte gestoppt, die im vergangenen Jahr ohne Wissen der Firma Attenberger von der Arbeitsgemeinschaft der Lohnschlächter getestet worden seien. Sämtliche Vorgänge würden ununterbrochen überwacht. Das Veterinäramt der Stadt bestätigt das: Bei jeder Schlachtung seien ein Amtstierarzt und ein Fachassistent der Landeshauptstadt anwesend. „Zudem gibt es einen täglichen Kontrollbericht“, so eine Sprecherin. 

Zu den Hygienevorwürfen teilte der Schlachthof-Anwalt gestern Abend mit, dass eine Reinigung der Räume nur in leerem Zustand stattfinde. Die Kühl-Bereiche seien getrennt, dadurch könne eine Kontamination der Produkte nicht stattfinden. Die Fotos seien Teil einer von einem ehemaligen Mitarbeiter angezettelten Kampagne gegen den Schlachthof.

tz-Stichwort: Schlachthof

Nach der Privatisierung der Rinderschlachtung am 1. April 2000 und Privatisierung der Schweineschlachtung am 1. April 2004 wurde der städtische Schlacht- und Viehhof in den Eigenbetrieb Schlachthof München übergeführt. 2006 fand zudem der letzte Münchner Pferdemarkt statt. Am 1. Januar 2007 fusionierte der Schlachthof München mit der Großmarkthalle München unter dem neuen Namen Markthallen München zu einem gemeinsamen Eigenbetrieb. Die Münchner Schlachthof Betriebs GmbH schlachtet nach eigenen Angaben pro Stunde 70 Tiere und produziert am Tag 200 Tonnen Fleisch.

Sascha Karowski

Sascha Karowski

Sascha Karowski

E-Mail:sascha.karowski@tz.de

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