tz hilft in Mietrechtsfragen

Seniorin (83) in Sorge: Riegel-Verbot an Wohnungstür

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Die Mieterin an ihrer neuen Wohnungstür - ohne Spion, ohne Sperrriegel.

München - Bei einer Sanierung bekommt die Münchnerin Traute K. eine neue Tür. Die hat keine Spion mehr, einen Sperrriegel darf sie nicht installieren. Die Rentnerin hat nun Angst, die Tür zu öffnen.

Das Haus in der Auenstrasse.

Es ist ausgerechte die neue Tür, deretwegen sich Traute K. nicht mehr so sicher fühlt wie früher. Die 83-Jährige lebt seit 40 Jahren in ihrer Wohnung im Glockenbachviertel. Das Haus wurde verkauft, der neue Eigentümer saniert und modernisiert – er baut die Wohnungen in dem Haus aus den 50er- Jahren zu „Luxuswohnungen“ um. Alle 16 Appartements in dem Haus bekamen deshalb neue Türen. Aber: Anders als die alte Wohnungstür von Traute K. hat die neue keinen Sperrriegel und auch keinen Spion. „Die alte Tür wurde mitsamt Spion und Sperrriegel entsorgt – und nun ist beides laut Hausverwaltung nicht mehr zulässig. Kann das sein?“, fragt die Seniorin.

Sie hat nun Angst, aufzumachen, wenn jemand läutet. „Ich bin tagsüber oft allein im Haus, weil die anderen Bewohner ihrem Beruf nachgehen – und so kommt es, dass ich immer wieder Pakete und Päckchen für meine Nachbarn annehme“, sagt die 83-Jährige. Nun aber kann sie nicht mehr sehen, wer vor ihrer Wohnungstür steht. Und diese ist auch nicht mehr per Sperrriegel und Kette gesichert. „Von Seiten der Polizei wird aber doch geraten, dass man einen Schutz an der Wohnungstür anbringen soll! Besonders alleinstehende Personen sind gefährdet“, sorgt sich die Seniorin.

Das Haus wurde verkauft - danach die Luxussanierung

Ihr früherer Vermieter hatte das Wohnhaus verkauft, vor zwei Jahren begann die Sanierung. Seit Februar gibt es wieder einen neuen Eigentümer, die Omega Auenstraße GmbH & Co. KG. Diese Gesellschaft ist dabei, das Haus zu sanieren, zu modernisieren und optisch aufzuwerten – die Appartements sollen als Eigentumswohnungen verkauft werden, im Dachgeschoss entsteht ein Penthouse der Luxusklasse.

„Ich fühle mich unsicher ohne Spion und Sperrriegel“, sagt Traute K. Da helfe es auch nicht, dass sie nun eine Gegensprechanlage mit Verbindung zur Haustür unten hat. „Ich bräuchte eine Videoanlage, mit der ich sehen kann, wer vor meiner Türe steht, wenn Spion und Sperriegel mit Kette verboten sind.“

Ein Sprecher des Hauseigentümers beruhigt die Seniorin: „Es sind hochwertige Wohnungstüren, das Stück für 5000 Euro, die allerhöchsten Sicherheitsanforderungen genügen.“ Deshalb wolle der Eigentümer auch vermeiden, dass Löcher in die neuen Türen gebohrt werden, um Sperrriegel zu installieren. „Wir bieten der Dame gerne an, dass wir ihr die Funktion der Sprechanlage noch einmal genau erklären – und wenn das alles nichts hilft, dann müssen wir uns mit der Geschäftsführung zusammensetzen und nach einer Lösung suchen“, so der Omega-Mitarbeiter.

Das sagt der Mieterverein

„Wenn der frühere Vermieter der tz-Leserin Sperrriegel und Spion erlaubt hat, dann gilt diese Erlaubnis auch nach dem Verkauf des Hauses weiter“, sagt Mietrechtsexpertin Anja Franz vom Mieterverein München. Allerdings müsse die Mieterin ja die Tür beschädigen, wenn sie einen solchen Riegel installiert – und die Tür steht im Eigentum des Vermieters. „Das Problem ist, dass Traute K. verpflichtet ist, die Wohnung nach ihrem Auszug im ursprünglichen Zustand zurückzugeben – letztlich aber hätte hier ein Richter das letzte Wort, wenn sich die Parteien nicht einigen können“, sagt Anja Franz. Traute K. hofft, dass sich eine Lösung findet, die ihr Sicherheitsgefühl stärkt. „Ich werde aber nicht einfach in einer Nacht und- Nebel-Aktion heimlich einen Sperrriegel einbauen lassen, wenn ich kein grünes Licht vom Vermieter bekomme – Heimlichtuerei ist nicht meine Art“, sagt sie.

Dass sie ein streitbarer Geist ist, hat sie bereits gezeigt – denn sie hatte ihren früheren Vermieter verklagt, nachdem der Aufzug ausgefallen war und der alte Vermieter auch keinen neuen einbauen wollte. Mitten während des Gerichtsverfahrens kaufte die Omega das Haus – und musste auch die Beklagtenrolle in dem Prozess um der Lift übernehmen. Der Richter billigte Traute Kuhn eine monatliche Mietminderung zu, solange der Lift nicht funktioniert. „Er wird bald wieder funktionieren, wir bauen noch die Woche einen neuen Lift ein“, verspricht der Omega-Sprecher.

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