Die Plädoyers der Anwälte

Wiesn-Prozess: Darauf plädiert die Millionärsgattin

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Sandra N. (o.) stach einen Mann am Käferzelt nieder. Ihr drohen fünf Jahre Haft wegen versuchten Totschlags

München - Der Prozess um die 34-jährige Millionärsgattin, die einen Lasterfahrer auf der Wiesn niedergestochen haben soll, geht dem Urteil entgegen. Wird die Angeklagte freigesprochen?

Hier vor Käferzelt wurde der Mann niedergestochen.

Vor Gericht bleibt es spannend bis zum Schluss. War es Notwehr oder ein gezielter Angriff? Diese Frage entscheidet über das Schicksal der Millionärsgattin und dreifachen Mutter Sandra N. (34, Name geändert). Sie hatte vergangenes Jahr auf der Wiesn einen Lasterfahrer niedergestochen. Mitten vor dem Käferzelt, dennoch hat kein Zeuge die Tat beobachtet. Ärzte retteten den Mann in einer Not-Operation. Die Staatsanwaltschaft klagte Sandra N. wegen versuchten Mordes an. Seit Anfang des Jahres wird ihr der Prozess gemacht, der nun zu Ende geht. Gestern sprach Staatsanwältin Melanie Lichte ihr Plädoyer: Sie forderte fünf Jahre Haft für die Messerstecherin. Die Verteidiger Steffen Ufer, Gerhard Strate und Anette Voges forderten dagegen Freispruch. Urteil am 10. August.

Das fordert die Anklage

„Wir haben gesehen, was passiert, wenn Geld scheinbar keine Rolle spielt“, sagte Staatsanwältin Melanie Lichte. Sie rügte, dass mehrfach versucht wurde, Zeugen zu kaufen: Sandra N.s Verlobter wurde deshalb ebenso verhaftet wie ein Geschäftsmann, der er mit 200 000 Euro zu schmieren versucht hatte. Alles, um Sandra N. zu entlasten! Für sie forderte Lichte fünf Jahre Haft – wegen versuchten Totschlags. „Das Mordmerkmal der Heimtücke ist nicht erfüllt. Aber die Tat war nicht durch Notwehr gerechtfertigt. Ihr zielgerichtetes Handeln spricht dagegen.“ Ebenso die Verletzungen des Opfers: Ihn traf das Messer seitlich in die Rippen und von hinten in den Rücken. „Das ist als Abwehrreaktion nicht nachvollziehbar. Sie entschlossen sich spontan, zuzustechen“, so der Vorwurf an Sandra N., die angeblich in Panik gehandelt hatte. Lichte sah bei ihr einen Tötungsvorsatz: „Sie musste damit rechnen, dass das Opfer stirbt, wenn sie mit einem Messer auf ihn einsticht.“

Das fordert die Verteidigung

Eine liebevolle Mutter. Im Kreis ihrer Freunde. Betrunken vom Feiern. Als sie von einem Rüpel bedrängt wird und Todesangst bekommt, weiß sie sich im Dunkel der Theresienwiese nicht anders zu helfen, als auf den Angreifer einzustechen. Nach diesem Muster stellte die Verteidigung den Fall von Sandra N. dar und fordert Freispruch. Ihr gegenüber sei der Lasterfahrer „hemmungslos aggressiv“ aufgetreten, betonte Anwältin Annette Voges. Hämatome am Arm würden die Bedrängnis von Sandra N. belegen, die „hilflos“ war. Nur: Warum hatte sie sich eingemischt, als Ex-Fußballer Patrick Owomoyela sich prügelte – und ist nicht weggerannt? Laut Anwalt Gerhard Strate zeigte sie „herzhaftes Eingreifen“, als alle wegsahen – selbst der Verlobte, der sie „allein mit dem Angreifer zurückließ“. In dieser Lage machte Sandra N. ihre Handtasche auf. Holte das Messer heraus. Klappte es auf. Und stach zweimal zu. Dem blutenden Opfer half sie nicht. Sondern hoffte, „dass nichts passiert ist“.

Andreas Thieme

Andreas Thieme

E-Mail:Andreas.Thieme@tz.de

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