Prozess um Treppenaufgang

Es hagelt Klagen: Hickhack um 2. Stammstrecke geht weiter

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Die Münchner S-Bahn soll durch eine zweite Stammstrecke entlastet werden.

München - Die zweite Stammstrecke soll kommen, doch es hagelt Klagen. Am Dienstag begann der Prozess um einen Treppenaufgangs in die Schützenstraße. Anwohner aus der Innenstadt sind besorgt.

Der Ort des Anstoßes: In der Schützenstraße soll ein Treppenaufgang entstehen.

Mit dem Mammutprojekt zweite Stammstrecke will die Staatsregierung vor allem eines: Entlastung. Und zwar für die bestehende S-Bahn-Trasse zwischen Laim und Leuchtenberg­ring. Was die Planer aktuell allerdings noch ernten, ist ganz was andres – nämlich Belastung. Zumindest für sich selbst. Denn wo viel aufgerissen wird, gibt es Klagen. Es hagelt Klagen, um genau zu sein. Bestes Beispiel dafür ist der Prozess des geplanten Treppenaufgangs von der neuen Stammstrecke in die Schützenstraße. Die verliefe zwischen Prielmayer- und Bayerstraße, zwischen Stachus und Hauptbahnhof. Am Verwaltungsgericht klagen seit Dienstag Vertreter von Geschäftsgebäuden, Hotels, Apotheke und Grundstücksverwaltung gegen die Errichtung des Aufgangs. Mittwoch wird weiterverhandelt.

Schon der Verhandlungstag am Dienstag, der bis zum Abend dauerte, zeigt: Es ist ein ewiges Hickhack darum, was machbar und was hinnehmbar ist für die Betroffenen. Und ob es vielleicht doch Alternativen gibt. Dabei ging es hier nur um einen einzigen Aufgang einer über zehn Kilometer langen geplanten Strecke.

Zweite Stammstrecke: Erster Blick in neuen S-Bahn-Tunnel

Die Abschnitte der zweiten Stammstrecke - und ihre Problemzonen. Zum Vergrößern auf das Kästchen oben rechts klicken.

Auf dem Klage-Fahrplan stand Dienstag der Anlauf gegen den Planfeststellungsbeschluss des westlichen Bauabschnitts. Anwohner sind besorgt: Wie stark wird die Schützenstraße durch die Baustelle beeinträchtigt? Die Fußgängerzone ist momentan 17 Meter breit. Wenn der Aufgang kommt, ist der Abstand zwischen diesem und Gebäudewand im Minimalfall nur noch bis zu drei Meter schmal. Wenn die Baugrube verbaut wird, vorübergehend sogar nur noch zwei Meter. Um die Lärmschutzwand an der Grube zu stützen, muss ein Gerüst zwischen dieser und dem Gebäude angebracht werden. Unklar ist, ob Fußgänger unter der Stütze noch hindurchgehen können oder ein Gitter hinkäme. Und wie sieht’s für die Feuerwehr aus, wenn sie da mal hin muss? Wie kommen Lieferwagen hin – oder eben Hotelgäste?

Alles Fragen, die das Gericht am Dienstag detailgenau beschäftigten. Am Mittwoch geht’s weiter. Geht es nach den Planern, steht fest: Es gibt keine Alternative für den Aufgang in der Schützenstraße. Die Kläger wollen’s aber genau wissen. Denn: die Arbeiten in der Schützenstraße werden über vier Jahre dauern. Für die gesamte zweite Stammstrecke besteht mittlerweile Baurecht. Bevor mit dem Bau des Drei-Milliarden-Projekts aber begonnen werden kann, muss die Finanzierung noch geklärt werden. Und: Auf dem Klage-Fahrplan stehen noch weitere Verhandlungen – voraussichtlich etwa in Haidhausen.

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