tz gibt einen Überblick

Märkte in München: Wo es Änderungen geben soll

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Standl am Elisabethmarkt werden neu gebaut.

München - In München soll sich einiges tun. Zahlreichen Märkten droht das Aus, andere sollen neu entstehen. Die tz zeigt die aktuelle Situation auf.

Münchens Märkte - vom Dauerbrenner bis hin zum Zankapfel. Nachdem OB Dieter Reiter (57, SPD) unlängst verkündet hatte, die Standl am Wiener Platz nun doch erhalten zu wollen, tun sich bereits andere Baustellen auf. So soll der Markt am Elisabethplatz abgerissen und neu errichtet werden. Dagegen gibt es Protest von Anwohnern - nicht aber von Händlern. Und in Sendling soll der nächste Markt verschwinden und einem großen Bürogebäude mit Fitness-Studio weichen. Eine Basar-Bilanz finden Sie hier.

Was weg soll

Alfred Angerer (73) hat unzählige Fans: "Vor allem Großfamilien und Renter kommen zu mir zum Einkaufen, die Leute mit kleinerem Geldbeutel schätzen mein Angebot." Damit ist jetzt Schluss - die nächste Standl-Schande! Die nächste Standl-Schande! Der Angerer Land- und Fruchtmarkt an der Zielstattstraße in Sendling wird am 9. Juli geschlossen. Er soll einem Fitness-Studio weichen. Nach sechseinhalb Jahren Obst und Gemüse!

Laut dem Referat für Stadtplanung liegt ein Bauantrag für ein Gewerbegebäude mit Großhandelsgebiet, Fitness- und Welnessstudio und Büroflächen vor.

Das bringt viele Kunden zum Jammern, beispielsweise Ulrike Rottenhofer-Schülen (55): "Ich weiß wirklich nicht wo ich zukünftig einkaufen gehen soll, ich muss eine Großfamilie ernähren und nirgends ist es so preiswert wie hier - wirklich ein riesen Verlust!"

Preise sehr günstig und reif

Die Waren zeichnen sich durch ihre extrem günstigen Preise (z.B. ein ganzer Eimer reifer Bananen für 1 Euro) und ihre Reife aus. Das Obst und Gemüse ist schon eher für den schnellen Verzehr gedacht, aber auch Milchprodukte, Öl, Fleisch und selbstgemachten Kuchen gibt's.

Diese Standl müssen einem Fitnessstudio weichen.

Aber nicht nur die Kunden leiden unter der Schließung des Marktes, sondern auch viele Mitarbeiter. Eleonore Deuter (74) hört mit dem Ende des Marktes auch auf, sie hat hier seit Jahren jedes Wochenende selbst Kuchen gebacken und in dem kleinen Café verkauft.

Emilion Dendeu (46), der Fleischverkäufer, ist ab sofort arbeitssuchend: "Selbstständig machen ist für mich keine Option, die Mieten in München sind einfach katastrophal. Ich hab mich schon viel umgesehen aber immer noch keinen neuen Arbeitsplatz gefunden." Ähnlich geht es Markus Bucher (48) aus Marktdorf: Er verkauft zwar an einem Stand am Viktualienmarkt seine Waren vom Bodensee aber das allein langt nicht. Er sucht auch dringend weitere Abnehmer.

Angerer versteht Beweggründe der Besitzerin

Alfred Angerer versteht die Sorgen seiner Mitarbeiter nur zu gut und versucht zu helfen wo er kann. Er bedauert die Schließung sehr, aber die andere Seite kann er auch verstehen: "Es ist das gute Recht der Besitzerin, ihr Grundstück umzufunktionieren und das Beste rauszuholen."

Die Marktatmosphäre ist wirklich bemerkenswert, als ob man eine große Familie besuchen würde - sowohl unter den Mitarbeitern als auch mit den Kunden. Alfred Angerer hat stets einen lockeren Spruch auf den Lippen und bringt viele zum lachen - man merkt wirklich, dass er seinen Beruf aus Leidenschaft und nicht in erster Linie wegen des Geldes macht.

Und ganz Schluss mit den Märkten ist es ja zum Glück nicht: Es gibt ein weiteres "Fruchthaus Angerer" in Laim, in der Valpichlerstraße 58.

Was neu entstehen soll

Die Kritik am Neubau des Elisabeth­marktes ist für Lokalpolitiker nicht nachvollziehbar. Offenbar herrscht großer Konsens zu den Plänen. Auch die Händler haben sich dem Vernehmen nach für den Abriss der Standl ausgesprochen. Wie berichtet hatte sich eine Bürgerinitiative gegründet, die das verhindern will - ähnlich der Initiative für den Erhalt des Wiener Platzes.

"Das eine hat aber mit dem anderen gar nichts zu tun", sagt der Vorsitzende des zuständigen Bezirksausschusses Schwabing-West, Walter Klein, der tz. Am Wiener Platz befänden sich historische Standl, nahezu alle mit Imbiss-Angeboten. Am Elisabethmarkt würden größtenteils Lebensmittel verkauft.

Durch die Neugestaltung, die eng mit dem Neubau des Wohn- und Geschäftshauses der Sparkasse verknüpft ist, entstünde mehr Raum für den Markt und für die Besucher. Denn der oberirdische Parkplatz soll weg, Stellplätze gibt es dann in der Tiefgarage - auch 47 für die Anwohner. Sanitäranlagen sind auch geplant. "Es wird gefälliger als vorher."

Sascha Karowski, Katharina Bittel

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