Im Hofbräuhaus

Maibock-Anstich: Söder verletzend, Gaudi bei Django Asül

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Sie duften beim Maibock-Anstich 2016 im Hofbräuhaus sprechen: Minister Markus Söder (CSU, links) und Django Asül.

München - Maibock-Anstich im Hofbräuhaus in München: Minister Markus Söder (CSU) war in seiner Rede verletzend. Gaudi ist bei Django Asül aufgekommen.

Eigentlich schön, wenn man mal so richtig bockig sein darf. Ganz offiziell. Weil: Am Mittwochabend war Maibock-Anstich im Hofbräuhaus. Und da hielten ­Markus Söder (49, CSU, als Finanzminister ist er auch oberster Hofbräu-Chef) und Kabarettist Django Asül (44) die zwei Reden des Abends. Man hat gemerkt: Beide hatten richtig Bock auf diesen Auftritt. Django, der als 1a-Starkbier-Redner dem Nockherberg deutlich Konkurrenz machte – und Söder, der Spaß daran hat, seine Sicht auf die Welt (und vor allem auf sich selbst) darzulegen. Auf dieser Seite hier haben wir für Sie das Destillat des großen Bier-Abends – und wir haben uns umgehört, wie den Gästen die scharf gewürzten Reden geschmeckt haben:

Django Asüls Rede beim Maibock-Anstich im Hofbräuhaus

Wenn ein Finanzminister Django Asül zum Derblecken ins Hofbräuhaus einlädt, braucht er sich nicht wundern, wenn er zur Hauptzielschiebe des Starkbier-Redners wird … Django erzählt: Anlässlich des 125-jährigen Jubiläums eines Bernhardiner-Clubs habe Söder gesagt, er hätte sich schon immer einen solchen stattlichen Hund gewünscht. Gekauft habe er sich dann einen Mini-Dobermann. Django: „Er wollte also was Großes – und am Ende wurde es was Kleines.“ Gelächter, jeder hatte die Anspielung auf Söders Ambitionen kapiert, Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer (66) zu beerben.

Söder nehme andere gern mit – „wenn auch im Schwitzkasten.“ Applaus. Und Kanzlerin Angela Merkel weigere sich, sich auf das Niveau der Wähler herabzulassen. Django: „Dieses Problem hat ein Söder naturgemäß nicht.“ Das sitzt, und jeder kann es auslegen, wie er mag. Für die Beantwortung eines Briefes von Seehofer ließ sich Merkel drei Monate Zeit. „Ich habe den Edmund Stoiber gefragt, wie lange das bei ihm gedauert hat. Edi meinte gleich: Zehn Minuten!“ Jetzt stapelten sich bei der CSU in Bayern die Asylanträge von CDU-Mitgliedern. „So eine politische Vertreibungswelle hat Deutschland schon lange nicht mehr erlebt.“ Ein Witz mit doppeltem Boden, Gelächter.

Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (51, CSU), die mit Söder konkurriert, sei nicht sehr forsch: „Das ist schon Hillary Clinton mit einem Schuss Klosterfrau Melissengeist.“ Im Fasching trat Aigner als Prinzessin Leia aus Star Wars auf. Söder habe sich gedacht: „A Star war’s …“ Gaudi im Publikum.

Auch die Opposition kriegt in Person von Fraktionschef Markus Rinderspacher (46, SPD) ihr Fett ab: „Der sagte ,Das ist die Stunde der SPD!‘ Doch die war schon nach ein paar Minuten rum.“

Markus Söders Rede beim Maibock-Anstich im Hofbräuhaus

„Ah Hund is’ er scho“, hieß es im letzten Jahr nach Markus Söders Maibock-Rede – und so mancher meinte, dass der Finanzminister sogar dem Profi-Kabarettisten Django Asül die Show gestohlen habe. Aber „der größte Ministerpräsidentenaspirant aller Zeiten“ (O-Ton Django Asül) überzieht seine „Ich-bin-der-Größte“-Show mittlerweile derart, dass auch seine Maibock-Rede in diesem Jahr eher Selbstdarstellung als Unterhaltung war. Wo im letzten Jahr noch Charme beim Kollegen-Derbleckn zu spüren war, sind bei dieser Hofbräuhaus-Rede Söders Witze oft nur noch verletzend: Da vergleicht er die Frisur der Grünen-Fraktionschefin Margrete Bause mit einem „elektrisierten Wolpertinger“ und den „Autobahn-Alex“ Dobrindt nennt er das „Lagerfeld-Model der CSU“, der zum „modischen Trendsetter des Jahres 1970“ ernannt worden sei. So richtig witzig ist das alles nicht … Ohnehin sind die Politiker-Kollegen eher ein Randthema in Söders Rede, in der sich alles um eins dreht: Söder. Denn „bevor es gefährlich wird, rede ich lieber über den, über den ich wirklich gar nichts Schlechtes sagen kann: über mich selbst.“ Solche Sätze wirken hier nicht selbstironisch, sondern ernst gemeint …

Horst Seehofer hat sich den Auftritt seines nervigsten Kronprinzen wie in jedem Jahr nicht angetan. So entging ihm auch Söders Quizfrage: „Was haben George Clooney und Horst Seehofer gemeinsam? Ganz einfach: Beide sind eingeladen und beide haben abgesagt.“ Denn beide seien mit Dreharbeiten beschäftigt. „Clooney dreht einen Film und der Horst dreht am Rad – am großen Rad der Weltpolitik.“

Am Anfang seiner Rede frotzelte Söder, er habe in der Staatskanzlei nachgefragt, wie viel Humor man heuer aushalten würde. Die Antwort war: gar keinen. Leider hat sich Söder sklavisch daran gehalten.

So fanden's die Maibock-Gäste

Die Gäste hatten ihren Spaß an diesem Abend. Etwa Ludwig Spaenle (54), Chef der Münchner CSU. Er erlebte Django Asüls Rede als „ein Hochamt des Kabaretts“. Und dass er bei Söder als „King Louie von der Affenbande“ wegkam, fand er auch nicht weiter schlimm: „Dschungelbuch-Autor Rudyard Kipling ist ein Großer der Weltliteratur. So gesehen reden wir ja fast von einer Sagengestalt...“

Staatskanzlei-Chef Marcel Huber (58, CSU) freute sich über „zwei Kabarettisten auf der Bühne“. Und: „Django Asül ist unerreicht. Er war unterhaltsam, ohne groß zu verletzen.“

Und wenn’s an diesem Abend doch mal einen erwischte, nahm’s der Getroffene sportlich. Insbesondere Hubert Aiwanger (45, Freie Wähler), den Söder als „regierungsunfähig“ einstufte. Aiwanger: „Ich bin als Erster erwähnt worden – das ist doch wunderbar. Und mit dem CSU-internen Geplänkel gegen die Kabinettskollegen hat sich Söder keinen Gefallen getan, glaube ich.“ Söders flotte Retourkutsche: „Herr Aiwanger ist ein gutes Stück davon entfernt zu wissen, wie es sich anfühlt, ein Kabinettskollege zu sein...“

Der Münchner Bürgermeister Josef Schmid (46, CSU) sagte: „Ich fand, dass sich Markus Söder etwas zurückgenommen hat. Ich glaube, er wollte, dass Django Asül mehr Aufmerksamkeit zukommt. Den fand ich echt super. Er war wirklich lustig, ohne ins Flache abzurutschen, aber auch nicht moralinsauer.“

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