Neue Pflegemodelle für die Zukunft

Mangel! München macht Jagd auf Pfleger

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Seniorenpflege im Münchenstift. Der Qualitätsbericht bescheinigt der Unterkunft eine gute Arbeit.

München - Das Münchenstift in München könnte zufrieden sein. Könnte. Allerdings herrscht auch bei den zwölf Einrichtungen akuter Pflegermangel. Wie der Chef Siegfried Benker das lösen will.

Eigentlich könnte Münchenstift-Chef Siegfried Benker zufrieden sein: Seine zwölf Einrichtungen in der Stadt haben einen guten Ruf, haben kein Defizit mehr und die Heimaufsicht hatte vergangenes Jahr an der Pflegequalität auch nichts Relevantes auszusetzten. Jedenfalls zeigt das der Qualitätsbericht, den der Pflegeexperte gestern zusammen mit Bürgermeisterin Christine Strobl vorstellte. Wenn da nur nicht das Problem mit den Pflegekräften wäre. „Der Markt ist wie leergefegt“, so Benker. „Das ist mittlerweile das Schwierigste in unserer Branche: Gute Kräfte zu finden.“

Gut 3000 Pflegebedürftige leben heute in den Häusern der Münchenstift.

Schon seit Jahren zahlt die Münchenstift (rund 1800 Mitarbeiter) Prämien für gute Pfleger. Heißt: Wer es schafft, einen Kollegen als Kraft für das städtische Unternehmen zu gewinnen – der bekommt bis zu 3000 Euro Kopfgeld. „Das zieht aber auch nur noch selten“, gibt Benker zu. Was also tun? Eigene Pfleger ausbilden und diese versuchen zu halten – das sei die einzige Strategie.

Da Pflege-Patienten generell immer älter und auch immer kränker werden (jeder Bewohner hat heute im Durchschnitt 9,3 diagnostizierte Krankheiten) – müssen die Pfleger immer mehr arbeiten. „Hier leisten unsere Leute Großartiges“, sagt Benker. Bürgermeisterin Strobl betont zudem: „Und dennoch ist es auch immer Ziel, auch Zeit für die Bewohner zu haben. Für ein Gespräch oder um auch mal Trost zu spenden.“ Daher müsse die Bundespolitik auch mal darüber nachdenken, die riesige Bürokratie-Pflicht einzugrenzen.

Münchenstift geht neue Wege

Münchenstift jedenfalls geht voran. Beispiel Demenz: So hat im Haus an der Rühmannstraße ein beschützter Bereich für Demenzkranke geöffnet. Heißt: Hier wird niemand fixiert, sondern Bewohner bekommen einen Chip ans Handgelenk. Wollen Weglaufgefährdete die Einrichtung verlassen, bleiben die Türen automatisch geschlossen.

Auch will die GmbH attraktiver für Münchner mit Migrationshintergrund werden. Derzeit machen die nämlich nur drei Prozent der 3000 Bewohner in den Heimen aus. Durch kultursensible Pflege und Weiterbildungen beim Personal soll das geändert werden. Zudem soll es mehr Angebote für Tagespflege geben. Auch eine eigene Palliativ- und Hospizkultur ist geplant. Der Bericht zeigt: 71 Prozent der Bewohner der Einrichtungen sterben im Heim, 29 Prozent im Krankenhaus.

Große Ziele im 20. Jubiläumsjahr der Münchenstift. Benker fasst zusammen: „Wir wollen, dass die Menschen bei uns zufrieden leben, nicht nur gepflegt werden.“

Armin Geier

Armin Geier

E-Mail:Armin.Geier@tz.de

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