Polizei findet Arsenal

Waffennarr erschießt sich - Leben im Untergrund

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Von der Maschinenpistole bis zur Schrotflinte: Der 48-Jährige, der sich am Dienstag bei einem Polizei Einsatz selbst in den Kopf geschossen hat, besaß ein gefährliches Waffenarsenal. Ludwig Waldinger (Foto) vom Landeskriminalamt präsentierte die Waffen der Presse.

München - Er war seit Jahren untergetaucht: Der 48-Jährige, der sich bei einem Polizei-Einsatz in seiner Wohnung selbst in den Kopf geschossen hat, hatte offenbar einiges zu verbergen.

Als am Freitag mehrere Beamte des Landeskriminalamtes (LKA) die sichergestellten Waffen zur Pressekonferenz im Münchner Polizeipräsidium auf einem Tisch drapieren, wird die Gefahr offensichtlich, der die Beamten ausgesetzt waren: Vollautomatische Maschinenpistolen, ein Sturmgewehr, Schrotflinten, diverse Pistolen, dazu 3400 Schuss Munition. All das fand die Polizei in dem Appartement des 48-Jährigen an der Thalkirchner Straße.

Der Mann war kein unbeschriebenes Blatt: Seit den 80er-Jahren war er mehrfach in Straftaten verwickelt, saß mehrere Jahre lang Haftstrafen ab, vorwiegend wegen Betrugs, aber auch wegen Waffendelikten. Deswegen stand der im südlichen Bayern geborene Mann auch aktuell wieder auf den Fahndungslisten der Polizei. 2011 war den deutschen Behörden von der österreichischen Polizei mitgeteilt worden, dass er von einem Händler illegale Waffen gekauft hatte. Doch die Polizei konnte ihn nicht finden. Denn im selben Jahr hatte der Waffennarr seine Wohnung verloren – und war untergetaucht. Erst am Dienstag tauchte er auf spektakuläre Weise wieder auf.

Dramatischer Polizeieinsatz nach Wohnungs-Kündigung

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Am Nachmittag hatte der 48-Jährige beim Sozialbürgerhaus im Glockenbachviertel angerufen und mit Selbstmord gedroht, sollte das Sozialamt ihm nicht nach seiner Wohnungskündigung helfen. Von dort wurde die Polizei alarmiert, die sofort Streifen zu dem Haus schickte. Als Polizisten die Wohnungstür öffneten, saß der 48-Jährige im dunklen Zimmer auf dem Bett. Er reagierte zunächst nicht, stand dann aber unvermittelt auf und hielt eine Pistole der Marke Glock in der Hand. Diese setzte er abrupt unter seinem Kinn an – und drückte ab. Schwer verletzt richtete er sodann die Waffe noch gegen die Polizisten, von denen einer ihm gezielt in den rechten Oberschenkel schoss. Nach bisherigen Erkenntnissen fiel noch ein weiterer Schuss aus der Waffe des 48-Jährigen. Das Projektil schlug neben den Beamten in der Wand ein. Daraufhin zogen sich die Polizisten zurück. Ein Spezialkommando fand den Mann wenig später tot in seiner Wohnung.

Diese war, wie viele andere auch in dem Haus, zum Monatsende gekündigt worden. Momentan geht die Polizei mangels anderer Motive davon aus, dass dies den 48-Jährigen psychisch derart überfordert hatte, dass es zu der extremen Reaktion kam.

3.400 Schuss Munition für verschiedene Waffen fanden Polizisten in der Wohnung des 48-Jährigen.

Dass der Mann jahrelang unbehelligt in München leben konnte, liegt laut Polizei daran, dass die Wohnung offenbar auf den Namen eines Verwandten angemietet worden war. Von Familienangehörigen soll auch die Miete bezahlt worden sein, denn einem regulären Beruf ging der Mann wohl nicht nach. Konkret wird derzeit geprüft, ob er für irgendwelche Straftaten als Täter in Frage kommt. So werden sämtliche Waffen von LKA-Experten dahingehend untersucht, ob diese bei Gewaltverbrechen eingesetzt worden sind.

Sven Rieber

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