Herzanfall nach Wirbel-OP

"Ärzte haben mein Leben zerstört"

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Anwalt Maximilian Kaiser schiebt Karl S. im Rollstuhl ins Gericht – bei ihm lief eine OP schief.

München - Wegen eines Wirbelleidens musste sich Karl S. einer Operation unterziehen. Seither ist nichts mehr so, wie es mal war.

An seinem Oberkörper verläuft ein Schlauch, hinter dem Ohr entlang, bis unter die Nase. Ohne ihn bekommt Karl S. (76) keine Luft mehr. Traurig sitzt er im Rollstuhl. Sein Anwalt Maximilian Kaiser (39) schiebt ihn in den Verhandlungssaal. Am Oberlandesgericht kämpften beide am Donnerstag um 160.000 Euro Schmerzensgeld für den Patienten.

„Ärzte haben mein Leben zerstört“, sagt Karl S. Mit einem Wirbelleiden musste er im Sommer 2009 ins Klinikum Deggendorf. Bei der OP wurden Nerven und die Hirnhaut verletzt. Im Aufwachraum stellten die Ärzte aber keine Probleme fest und verlegten ihren Patienten wie üblich auf die Station. Wenig später machten Pfleger eine schreckliche Entdeckung: Vor seinem Bett lag Karl S. regungslos auf dem Boden. „Ich hatte einen Herzanfall erlitten“, sagt er. Minutenlang war S. bewusstlos, hatte auch Erbrochenes eingeatmet und sich die Lunge verätzt. Per Reanimation konnte sein Leben gerettet werden.

Anwalt: "Mein Mandant war schon vor der OP Hochrisiko-Patient"

Aber seither ist Karl S. nicht mehr derselbe Mensch. Er muss künstlich beatmet werden und sitzt dauerhaft im Rollstuhl.

„Mein Mandant war schon vor der OP Hochrisiko-Patient, weil er adipös und an Schilddrüsen- und Gefäßkrankheitenlitt“, sagt Anwalt Maximilian Kaiser. „Er hätte direkt nach der Operation auf die Intensivstation verlegt werden müssen.“ Stattdessen seien auf der Station drei Stunden lang nicht mal die Vitalfunktionen überwacht worden.

Im Prozess gestern wurde dazu ein Gutachter gehört. „Die Situation im Aufwachraum gibt keinerlei Hinweise darauf, dass die Behandlung fehlerhaft war“, sagte der Experte. Er fügte aber hinzu: „Einen schläfrigen Patienten hätte ich nicht auf Station verlegt.“ Strittig ist auch das Übergabe-Protokoll. „Irgendetwas muss nicht beachtet worden sein, wenn der Patient später in so einem schlechten Zustand gewesen ist.“

Karl S. verfolgt diese Worte mit Tränen in den Augen. Er bräuchte eine erneute Rücken-OP. „Aber das würde ich wohl nicht überleben“, sagt er. Ob sein Fall bald geklärt wird? Das Urteil im Gerichtsprozess steht noch aus.

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