Fast hätte es geklappt

Mann will Identität wechseln und landet im Gefängnis

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In der JVA Stadelheim musste der 20-Jährige auf die Verhandlung warten.

München - Ein 20-jähriger hatte Dokumente mit erfundenen Namen gefälscht – er wurde im Kreisverwaltungsreferat ertappt und musste nach Stadelheim.

Mit einer völlig neuen Identität wollte ein 20 Jahre alter Berliner seine trostlose Vergangenheit hinter sich lassen. Doch der Versuch führte ihn direkt ins Münchner Gefängnis Stadelheim. Wie das Münchner Amtsgericht mitteilt, hatte der Mann im November 2013 beim Berliner Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg eine Änderung seines Vor- und Familiennamens erwirkt und dafür eine Urkunde ausgehändigt bekommen.

Die falsche Identität war dummerweise zur Fahndung ausgeschrieben

Diese Urkunde scannte er ein, wechselte Namen und Adresse gegen frei erfundene Angaben aus, aktualisierte das Datum und druckte sich die gefälschte, aber täuschend echt wirkende Urkunde aus.

Am 22. September 2015 legte er diese Fälschung beim Kreisverwaltungsreferat vor und beantragte einen Personalausweis und einen Reisepass. Was er nicht bedachte: Auch in Berlin hatte er zuvor mit den gleichen Personalien bei einer Behörde vorgesprochen, und die Fälschung war aufgefallen. Die gefälschte Identität war seitdem zur Fahndung ausgeschrieben, und diese Information erschien postwendend auf dem Bildschirm der KVR-Sachbearbeiterin.

Die Frau alarmierte die Polizei, die den Berliner noch im Kreisverwaltungsreferat festnahm. Weil er weder in München noch in Berlin einen festen Wohnsitz hatte, musste er die Zeit bis zur Verhandlung in Untersuchungshaft verbringen.

Sein Dirndl durfte er im Knast nicht tragen

Die Justiz-Mitarbeiter merkten schnell, dass der 20-Jährige psychische Probleme hat. „Wegen seiner Verhaltensauffälligkeiten war er in der Haft auf der Krankenabteilung“, heißt es im Bericht des Amtsgerichts. Und weiter: „Der Wunsch, sein Oktoberfestdirndl zu tragen, wurde ihm aus hygienischen Gründen verwehrt.“

Das Amtsgericht hat den 20-Jährigen wegen Urkundenfälschung und mittelbarer Falschbeurkundung zu vier Wochen Dauerarrest verurteilt. Es ging ging dabei von „offensichtlichen Reifeverzögerungen“ aus und wendete Jugendstrafrecht an. Weil zudem die bereits verbüßte Untersuchungshaft angerechnet wurde, durfte der Berliner das Gericht als freier Mann verlassen. In Berlin ist für ihn eine soziale Unterstützung organisiert. Vor Gericht räumte der 20-Jährige den Sachverhalt ein: „Es tut mir leid, ich habe meinen Fehler eingesehen. Mein Leben ist sehr schlimm, seit der Kindheit.“

Wie das Gericht feststellte, ist der Berliner in Jugendhilfeeinrichtungen aufgewachsen, weil er von seinen leiblichen Eltern misshandelt worden war. Er besuchte die Sonderschule und hat auch ein Abgangszeugnis. Er möchte Tänzer werden.

Peter T. Schmidt

E-Mail:Peter.Schmidt@merkur.de

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