Anlage gesperrt

An der Glyptothek: Ratten am Kinderspielplatz

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Für Hunde und Katzen ist der Spielplatz an der Luisenstraße derzeit gefährliches Territorium – auch für sie sind die Rattenköder giftig.

München - Das Gesundheitsreferat geht mit Giftködern gegen die Nager vor – diese seien normaler Bestandteil jeder Stadt

Seit Montag, den 18. Juli, hängt am Spielplatz an der Luisenstraße nordwestlich der Glyptothek ein gelbes Warnschild der Firma Biebl: „Vorsicht, Hunde und Haustiere fernhalten“, steht darauf. Kein Wunder, denn Mitarbeiter der Fachfirma Biebl haben giftige Rattenköder ausgelegt, sogenannte Fraßköderfallen. Der umzäunte Kinderspielplatz ist derzeit abgesperrt. Zutritt verboten.

Wer dort wann eine Ratte gesichtet hat, ist derzeit unklar. Alois Maderspacher vom Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) versichert, dass in Zusammenarbeit mit dem Baureferat alles dafür getan werde, den Spielplatz sobald wie möglich wieder zu eröffnen. „Wie lange das dauern wird, hängt davon ab, wann die Befallsfreiheit festgestellt werden kann“, sagt er. Üblicherweise werde der Eigentümer eines Grundstückes dazu aufgefordert, geeignete Maßnahmen zu ergreifen. „Der Spielplatz an der Luisenstraße ist Eigentum des Baureferats. Daher sind wir zuständig“, sagt Christian Müller vom Baureferat. Hat München ein Rattenproblem?

„Nein. Von einer Rattenplage kann keine Rede sein“, sagt Alois Maderspacher vom RGU. „Ratten sind nun mal Kulturfolger. Das heißt, überall wo es Menschen gibt, gibt es auch Ratten – also eigentlich in jeder Stadt.“ Drei Mitarbeiter des Referats kontrollieren täglich routinemäßig Hotspots der Tiere, also Orte, an denen sich die Nager besonders gerne aufhalten. In München seien diese Hotspots vor allem in der Altstadt, in der Nähe von Grünflächen und entlang des Nymphenburger Kanals zu finden.

„Überall, wo der Boden weich ist, wie etwa in Gewässernähe, vergraben sich die scheuen Tiere sehr gerne“, sagt Maderspacher. Geschulte Mitarbeiter könnten erkennen, ob es sich bei den Kotrückständen oder Laufspuren um Ratten handle oder nicht. Die Stadt sei auch auf die Bürger angewiesen. „Die Münchner können und sollen sich jederzeit bei uns melden, wenn sie Ratten sichten“, sagt Maderspacher.

Ratten könnten für den Menschen gefährlich werden. „Sie übertragen sogenannte Zoonosen, wie Tularämie oder die Hasenpest. Deshalb nehmen wir jeden Hinweis ernst“, so Maderspacher. In den vergangenen Jahren sei aber kein derartiger Krankheitsfall bekannt geworden.

Um die Rattenpopulation so klein wie möglich zu halten, könnten alle mithelfen. Das RGU warnt eindringlich davor, Essenreste liegen zu lassen oder in die Natur zu werfen. Das lockt Ratten, da sie alle organischen Stoffe fressen. „Kompost-Behälter sollten daher einen verschließbaren Deckel haben“, sagt Maderspacher. Auch Apfelreste sollte man nicht einfach ins Gebüsch werfen, sondern in eine Mülltonne. Insbesondere das Füttern von Tauben sei laut Stadtverordnung seit 1996 verboten (Taubenfütterungsverbotsverordung 255), weil das liefere zusätzlich Nahrung für die Nagetiere. „Leider halten sich viele Leute nicht an das Verbot und legen ihr Taubenfutter nachts aus. Das wird dann zur leichten Beute für Ratten“, sagt Maderspacher.

Wer in München Ratten sichtet, sollte sich beim Referat für Umwelt und Gesundheit melden, unter der E-Mail-Adresse: s-kva.rgu@muenchen.de  

inc

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