Umstrittener Tiefgaragenbau

Umgestaltung fertig: Gute Stimmung am Josephsplatz

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Kommen oft zum Spielen her: Anne Crowley und ihr Sohn Jonah wohnen in der Nachbarschaft und finden den neuen Platz sehr gelungen.

München - Die Umgestaltung des Josephsplatzes hatte vor drei Jahren für mächtig Ärger in der Maxvorstadt gesorgt. Jetzt sind die Bauarbeiten abgeschlossen und es scheint, als wären die kritischen Stimmen verstummt – zumindest fast.

Grün über der Tiefgarage: Nicht jedem gefiel das Projekt, und auch heute sind nicht alle von der breiten Hecke über der Einfahrt begeistert.

Der erste Eindruck vom Josephsplatz ist friedlich: Kindergartengruppen spielen im Sandkasten, Passanten ruhen sich auf Bänken aus, und in einem nahegelegenen Cafe genießen die Leute ihren Cappuccino in der Sonne. Von dem Ärger, den es hier noch vor drei Jahren gab, ist kurz nach der Wiedereröffnung auf den ersten Blick nichts mehr zu sehen. Dabei war 2013 der Streit um die geplante Umgestaltung des Platzes auf eine Art eskaliert, die in München ihresgleichen suchte. Denn gegen die Pläne der Stadt, den Platz aufzureißen, um darunter eine Tiefgarage zu bauen, regte sich gleich aus mehreren Ecken Widerstand. Anwohner sammelten Unterschriften, Demonstrationen wurden organisiert. Den Höhepunkt des Konfliktes markierte eine Baumbesetzung: Aktivisten der Gruppe „Robin Wood“ bewirkten damit, dass mehrere Bäume erst mit Verspätung gefällt wurden. Letzten Endes half all der Protest aber nur wenig. Zwar nahm die Stadt noch kleinere Wünsche der Widerständler in ihre Pläne auf, blieb aber im großen und ganzen bei dem Konzept, das bereits 2010 in einem Planungsworkshop erarbeitet worden war. Der Josephsplatz wurde zur Großbaustelle – 14 Millionen Euro hat das Projekt insgesamt gekostet.

Mittlerweile sind Bagger und Bauarbeiter abgezogen, vor kurzem wurde der Platz wieder in Betrieb gekommen. Seitdem hört man rund um den zentralen Spielplatz deutlich versöhnlichere Töne als noch vor drei Jahren. „Der Platz ist wirklich sehr schön geworden“, findet zum Beispiel Anne Crowley, die mit ihrem 16 Monate alten Sohn Jonah zum Spielen in den Sandkasten gestiegen ist. Seit neun Jahren wohnt sie in der Nähe. Die Diskussion über die Neugestaltung hat sie zwar nicht aktiv verfolgt, glaubt aber: „Über das Ergebnis kann sich keiner beschweren.“ Lediglich eines vermissen sie und Jonah noch: „Ein paar Schattenplätze wären schön“, sagt sie und ergänzt mit Blick auf die frisch gepflanzten Bäume: „Aber das wird sicher noch“.

"Endlich kann man die Kirchen sehen"

Schöne Nachbarschaft: Buchhändlerin Philine Meyer-Clason freut sich über die neue Aussicht.

Rundum zufrieden ist auch Buchhändlerin Philine Meyer-Clason, die die Tucholsky Buchhandlung an einer Ecke des Platzes betreibt. „Jetzt kann man endlich die Fassade der Kirche sehen“, sagt sie beim Blick durch ein Fenster ihres Ladens, „der Platz ist so schön großzügig und weitläufig.“ Zwar sei die dreijährige Baustelledirekt vor dem Geschäft anstrengend gewesen, doch durch das Ergebnis fühlt die Ladenbesitzerin sich entschädigt. Sie kann auch berichten, wie gut der Platz in der Nachbarschaft angenommen wird: „Der Spielplatz ist spätestens nachmittags fast immer voll, und auf den Bänken machen die Leute gerne Mittagspause.“

Ähnlich positiv bewertet auch der zuständige Bezirksausschuss die Stimmung im Viertel: „Die große Mehrheit der Bürger ist recht zufrieden“, sagt Vorsitzender Christian Krimpmann (CSU). „Sicher werden immer einzelne Stimmen laut von Leuten, die etwas nicht gut finden.“ Das lasse sich aber nicht vermeiden, glaubt er.

Umbau-Gegner sind nur bedingt zufrieden

Einer, der einiges nicht gut findet am neuen Josephsplatz, ist Christian Lechner von den Josephsplatzfreunden. Die Bürgerinitiative war vor drei Jahren federführend bei der Kritik gegen die Neugestaltung. Wenig überraschend, sind die Mitglieder mit dem Ergebnis jetzt nur bedingt zufrieden. Und das, obwohl die Stadt sie nach den Protesten bei der Nachbesserung des Konzepts mitreden ließ. „Architektonisch nicht gelungen“ findet Lechner den Platz. Die Liste der

Ist oft hier: Abiturientin Pauline Keller babysittet in der Nachbarschaft. Da ist der neue Spielplatz ideal.

Kritikpunkte ist lang: Der Platz vor der Kirche zu wuchtig, die Hecken zu breit und überhaupt: Der Platz sei einer Stadt wie München nicht angemessen. Besonders die Grünfläche kritisiert Lechner. „Das sind eigentlich nur zwei identische Spielplätze mit ein paar Obstbäumen drum herum.“ Lediglich mit einem Teil des Platzes kann er sich anfreunden: „Der Platz um den Brunnen ist schön.“ Dieser sei allerdings eine der Verbesserungen, die die Bürgerinitiative in ihren Gesprächen mit der Stadt angestoßen hatte.

Etwas Positives können die Josephsplatzfreunde aber trotzdem aus dem Protest um den Platz ziehen. „Was hier passiert ist, war ein wichtiges Signal für mehr echte Bürgerbeteiligung in der Stadt“, glaubt Lechner.

Am Bedarf für Anwohner-Parkplätze besteht kein Zweifel: Schon bei der Eröffnung am 4. April seien alle 265 Stellplätze voll belegt gewesen, berichtet eine Sprecherin der Betreibergesellschaft Park + Ride München. Die ersten Vormerkungen habe es schon 2006 nach der ersten Vorstellung des Projekts gegeben. Inzwischen stehen 315 Interessenten auf der Warteliste. Berechtigt sind nur Mieter, die in 400 Meter Umkreis um den Josephsplatz wohnen. Zwei Plätze sind laut Park + Ride mit Elektrofahrzeugen belegt. Bis zu zehn Elektro-Parkplätze sind vorgesehen – und privilegiert: Wer sich für sie bewirbt, reiht sich laut Park + Ride ganz vorn in der Warteschlange ein.

Sehen Sie hier ein Video aus dem Jahr 2013 - Streit um den Josephsplatz:

Annika Schall, Ute Wessels

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