Aktion von Studenten

Zwischennutzung: Mut zur Lücke am Stiglmaierplatz

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Offen für alle: Bei der Nutzung der Fläche soll jeder mitmachen können.

München - Vier junge Architekturstudenten haben aus einer Baulücke einen Begegnungsort gemacht. Zwei Monate lang wird das ungenutzte Grundstück mit verschiedenen Projekten bespielt – mitmachen kann jeder.

Viel ungenutzten Raum gibt es in München nicht. Die Stadt wächst und Platz ist kostbar. Ständig wird deshalb neu erschlossen und nachverdichtet. Doch obwohl die Häuser der Metropole mittlerweile eng zusammenstehen, ist die Distanz zwischen ihren Bewohnern oft groß. Um das zu ändern, haben sich vier junge Architekturstudenten etwas einfallen lassen: In der Nähe des Stiglmaierplatzes haben Leila Unland, Nick Förster, Maria Schlüter und Sophie Ramm eine Baulücke zur Begegnungsstätte umfunktioniert. „Lückenfülle“ nennt sich ihr Projekt.

Lückenfüller: Die Studenten (v. li.) Sophie Ramm, Maria Schlüter, Leila Unland und Nick Förster hatten die Idee zur Zwischennutzung.

Die Zwischennutzung ist die Abschlussarbeit der Vier: „Es begann mit der sehr freien Aufgabenstellung, eine neue Schnittstelle in der Stadt zu schaffen“, erzählt Maria Schlüter. Um das umzusetzen, wollten die Studenten zunächst herausfinden, wie die Münchner ihre Stadt sehen. Darum führten sie Gespräche mit Alteingesessenen und Zugezogenen, auch Flüchtlingsunterkünfte besuchte das Quartett. „Wir reden im Studium sehr viel über das, was eine Stadt ausmacht, doch wir wussten wenig darüber, wie andere dieses Thema empfinden“, erklärt Leila Unland ihre Recherche.

Bei ihren Nachforschungen stießen die Studenten auf eine Gemeinsamkeit: Viele der Befragten störte die Anonymität der Großstadt. Neue Leute kennen zu lernen, fanden sie oft schwierig. „Alle Räume in der Stadt dienen einem bestimmten Zweck, es gibt so gut wie keine Orte, an denen Menschen einfach ins Gespräch kommen können“, sagt Unland. Und so beschlossen die Studenten, für ihre Abschlussarbeit eine Art niedrigschwelligen Treffpunkt zu schaffen.

Ein Ort dafür war schnell gefunden: An der Ecke Schleißheimer und Rottmannstraße war früher ein Wohnhaus gestanden. Doch seit das 2014 abgerissen wurde, klafft hier eine Baulücke. Das Quartett kontaktierte den Investor. „Unsere Professorin hat uns für verrückt erklärt. Niemand hat geglaubt, dass wir das Grundstück wirklich bekommen“, erzählt Maria Schlüter lachend. Doch der Investor zeigt sich offen und erlaubt den Studenten die Zwischennutzung bis Ende August.

Sofort machten die Kommilitonen sich an die Umgestaltung ihrer Lücke, denn ursprünglich war die Fläche wenig einladend: Ein Bauzaun trennte das Grundstück von der Straße, Bauschutt und Unkraut bedeckten den Platz. Nach gründlichen Aufräumarbeiten gestalteten die Studenten die Baulücke, dekorierten die Wände und schufen eine Sitzecke aus Holzpaletten. Der Bodenbelag entstand aus alten Ziegeln des Abbruchhauses. „Wir haben hier jeden Tag gearbeitet“, erinnert sich Schlüter. „Es war fast schon eine kleine Bühne in der Stadt.“

Die Mühen haben sich gelohnt: Seit rund zwei Wochen ist die „Lückenfülle“ zugänglich. Erste Veranstaltungen – eine Fotoausstellung und ein Picknick – haben auf dem Baugründstück schon stattgefunden, weitere sollen folgen.

Bei der Nutzung der Lücke mitmachen kann jeder. Nur eines ist den Studenten wichtig: „Es soll immer öffentlich bleiben, das heißt, jeder soll immer dazu kommen können“, erklärt Unland. Und: Die Anwohner dürfen nicht gestört werden. Bisher komme das Projekt in der Nachbarschaft nämlich sehr gut an. Viele Menschen aus dem Viertel schauen mittlerweile täglich auf dem Platz vorbei. „Einige haben uns sogar schon gesagt, dass sie lieber die Lücke statt eines neuen Gebäudes hätten“, sagt Unland lachend.

Mitmachen: Wer Ideen für das Programm hat, kann sich per E-Mail an inderluecke@gmail.com bei den Studenten melden.

Annika Schall

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