Pilotversuch in der Maxvorstadt

Maxvorstadt testet Grüne Welle für Radfahrer

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Modellversuch: In der Schellingstraße soll die Grünphase auf das Tempo der Radler ausgerichtet werden.

München - Die „Grüne Welle“ für Autofahrer kennt man: Ampelschaltungen sind an eine Durchschnittsgeschwindigkeit gekoppelt. Dann rollt der Verkehr. Radfahrer profitieren davon nicht. Das soll sich nach Meinung der SPD ändern – mit einem Pilotprojekt in der Maxvorstadt.

Kopenhagen gilt als Paradies für Radfahrer. In der dänischen Hauptstadt meint man es mit seinen Pedalrittern besonders gut: 35 Prozent der Bürger fahren dort mit dem Rad zur Arbeit, sie können sich bei einem Tempo von 20 Stundenkilometern auf Grüne Wellen verlassen – vor allem auf größeren Einfallstraßen. LED-Lichter im Asphalt signalisieren das Idealtempo und Leuchttafeln auf der Strecke zeigen an, in wie viel Sekunden die nächste Ampel umspringt.

So weit ist man in anderen Städten noch lange nicht, auch in München nicht. Nun soll zumindest ein Anfang gemacht werden, um Radfahrern das Stop and Go zu ersparen. Vorerst allerdings nur an einer Strecke im Stadtgebiet, nämlich der Schellingstraße in der Maxvorstadt nahe der Universität. Die SPD-Stadtratsfraktion hatte im Herbst 2015 beantragt, dass das Projekt an einer Straße umgesetzt werden soll, die von Radlern stark frequentiert ist und in der es mindestens drei Ampeln gibt. Dies ist in der Schellingstraße der Fall.

Jetzt nimmt der vorgeschlagene Modellversuch Gestalt an. Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle hat der Rathaus-SPD in einem Schreiben mitgeteilt, dass seine Behörde bereit sei, als Partner an einem Pilotprojekt der TU München namens „RadAptiv“ teilzunehmen. Das Forschungsprojekt will die Ampeln an der Kreuzung Schelling-/Türkenstraße ins Visier nehmen und das Verhalten der Radler analysieren. Analog zu intelligenten Ampelsystemen für Autofahrer könnte dies auch für Radler entstehen, zum Beispiel mit Induktionsschleifen. Ein ähnliches System gibt es zur Beschleunigung von Bussen oder Trambahnen. Auch Countdownzähler zur Anzeige der restlichen Grünzeit sollen vor Ort untersucht werden. Voraussetzung für das Pilotprojekt: Die TU muss noch den Zuschlag für eine Förderung vom Bund erhalten. Das KVR ist hier zuversichtlich.

Der Stadtrat wird sich im Herbst mit dem Projekt befassen. Die CSU hat sich noch keine Meinung zu dem SPD-Vorstoß gebildet. Die Grünen sind aufgeschlossen. Stadtrat Paul Bickelbacher sagt: „Es ist derzeit kein Vergnügen, in der Schellingstraße zu radeln.“ Allerdings müsste die Ampelschaltung so konzipiert werden, dass keine Nachteile für den dort verkehrenden Stadtbus entstehen. Nach Meinung von SPD-Stadträtin Bettina Messinger, Radverkehrsbeauftragte der Fraktion, eignet sich die Schellingstraße für einen Modellversuch gut, „weil dort sehr viele Radler unterwegs sind“. Die Taktung der Ampeln sei in München primär darauf ausgerichtet, dass Autos freie Fahrt haben oder der Nahverkehr rascher vorankommt. Sollte sich der Test in der Schellingstraße als praktikabel erweisen, werde sich die SPD dafür einsetzen, dass die Grüne Welle auf andere Kreuzungen ausgeweitet werde, so Messinger.

Auch Siemens entwickelt derzeit eine Smartphone-App, die Radlern flächendeckend Grüne Wellen ermöglichen soll (wir berichteten). Das Smartphone des Radfahrers bestimmt Position, Geschwindigkeit und Richtung des Radlers mittels GPS. Passiert das Fahrrad einen sogenannten virtuellen Auslösepunkt etwa 60 Meter vor der Ampel, meldet die App das an die Verkehrszentrale. In der Konsequenz kann sich die Grünphase für Radfahrer verlängern, Autofahrer hätten im Gegenzug länger rot. Installiert werden soll die App nicht flächendeckend, sondern nur an Straßen, die von Radfahrern besonders stark genutzt werden. In Bamberg startet noch heuer ein Pilotprojekt. Laut Siemens-Experten sind bundesweit rund 75 Prozent der Ampeln im Stadtgebiet so koordiniert, dass grüne Wellen entstehen. Für Autofahrer, versteht sich.

Klaus Vick

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