Schießerei am Dienstagnachmittag

Maxvorstadt: Eine Stunde später drückte Hassan A. ab

München - Nach der Schießerei in der Maxvorstadt werden neue, schockierende Details zu der Tragödie bekannt. Nur kurz vor der Tat postete der Schütze außerdem ein Foto von sich auf Facebook.

Die Hand zum Gruß erhoben, ein freundliches Lächeln im Gesicht – dieses Foto von Hassan A. entstand kürzlich vor der Shisha Bar im Münchner Bahnhofsviertel, in der der Iraker arbeitete. Es ist das letzte Foto, das der 40-Jährige am Dienstagnachmittag auf seinem Facebook-Profil postete. Ein Abschied für sehr lange Zeit: Denn danach steckte er sich seine Waffe – ein illegal in Tschechien erworbener und scharf gemachter Revolver Marke Arminius, Kaliber 38 spezial – ein und fuhr nach Schwabing. Dort eröffnete er kurz nach 18 Uhr auf der Zentnerstraße das Feuer – zuerst auf den Onkel (24) seiner Noch-Ehefrau (24) und dann auf zwei zivile Polizisten. Auftakt zu einem dreistündigen Nervenkrieg, der die Maxvorstadt in den Ausnahmezustand versetzte und den erst das SEK gegen 21 Uhr mit Schockgranaten beendete.

Schießerei in der Maxvorstadt - Bilder

Auslöser der Schießerei war ein seit Monaten schwelender Sorgerechtsstreit um die beiden Söhne (1 und 3 Jahre alt) des Paares. Die Ehe von Hassan A. und seiner 16 Jahre jüngeren Ehefrau (24) war nach diversen Gewaltausbrüchen zerrüttet. Sie verließ München und stand zuletzt unter dem persönlichen Schutz ihres Onkels Basel R. (24), der erst kürzlich aus Syrien nach Baden-Württemberg gekommen war. Dort lebt mittlerweile auch die Ehefrau.

Basel R. begleitete sie am Dienstag zu einem Mediationstermin in einer Schwabinger Praxis. Dort kam es bereits um 15 Uhr mitten auf der Straße zu einer verbalen Konfrontation mit Hassan A. Die Ehefrau nahm ihren Termin wahr. Basel R. und Hassan A. gingen gemeinsam in ein Café in der Georgenstraße – offenbar noch guten Willens, den Konflikt wie erwachsene Männer zu lösen. Doch das Gespräch schien Hassan A. eher zur Weißglut getrieben zu haben. Er verließ das Café, fuhr heim nach Pasing, holte den Revolver und kehrte zurück ins Café. Die Männer gingen zusammen in die Zentnerstraße.

24-Jähriger mittlerweile außer Lebensgefahr

Da hatte Basel R. schon Angst. Denn gegen 18 Uhr bat er die junge Mutter per Handy, sofort die Polizei zu rufen. Zwei zivile Beamte sprachen die Männer noch auf der Zentnerstraße an. Da zog Hassan A. sofort die Waffe. Er schoss auf Basel R., verschanzte sich unter einem Auto und eröffnete auch das Feuer auf die Polizisten. Er schoss insgesamt sechs Mal und lud nach. Von vier Projektilen getroffen brach Basel R. zusammen. Eines davon könnte ein Querschläger aus einer Polizeiwaffe gewesen sein. Doch das ist noch unklar.

Auch Hassan A. wurde von einem der insgesamt 15 Polizeischüsse ins Bein getroffen. Basel R. ist mittlerweile außer Lebensgefahr. Gegen Hassan A. erging gestern Haftbefehl wegen versuchten Mordes und zweifachen versuchten Totschlags an den Polizisten. Auf seinem Facebook-Profil gingen bis gestern 118 Glück- und Segenswünsche aus seiner irakischen Heimat ein.

Dorita Plange

Dorita Plange

E-Mail:Dorita.Plange@tz.de

Johannes Heininger

Johannes Heininger

E-Mail:Johannes.Heininger@tz.de

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