Schoss der 40-Jährige zuerst?

Schießerei in der Maxvorstadt: Polizei nennt weitere Details

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Drei Stunden hielt der Mann Polizei wie Anwohner in Atem.

München - Am Tag zwei nach den dramatischen Ereignissen in der Maxvorstadt am Dienstagabend nennt die Polizei weitere Details zum Ablauf der Schießerei. Demnach soll der Schütze zuerst das Feuer auf die Polizei eröffnet haben.

Zwei Tage nach der Schießerei,die am Dienstagabend die Maxvorstadt erschütterte, hat die Polizei gestern neue Erkenntnisse zum Tathergang bekanntgegeben. So hatte der Täter, der 40-jährige Hassan A., die Waffe nach einem ersten Zusammentreffen mit seiner Ex-Frau und deren neuem Lebensgefährten aus seiner Wohnung in Pasing geholt und sie bei der anschließenden Schießerei auch gegen Polizisten gerichtet.

Schon gegen drei Uhr nachmittags, so die Erkenntnis der Ermittler, stießen Hassan A., seine Ex-Frau (24) und deren gleichaltriger Begleiter in der Maxvorstadt aufeinander. Hassan A. und die 24-Jährige hatten getrennt voneinander Termine bei einer Gutachterin, die den schon lange schwelenden Sorgerechtsstreit zwischen den Ex-Ehepartnern klären sollte. Zwischen den dreien kam zu einem ersten Streit, der aber noch mit Worten ausgetragen wurde. Die Frau ließ die Männer kurz darauf alleine und ging zum Gutachtertermin.

Mann zog unvermittelt eine Waffe

Die Männer gingen zusammen in ein Café. Was hier genau passierte ist unklar, jedoch verließ Hassan A. irgendwann das Lokal, fuhr zu seiner Wohnung in Pasing und holte dort einen umgebauten Schreckschussrevolver, den er sich illegal in Tschechien besorgt hatte.

Mit der Waffe in der Tasche fuhr er zurück in das Café in der Maxvorstadt, wo er erneut auf den neuen Freund seiner Ex-Frau stieß. Der merkte anscheinend, dass Hassan A. etwas im Schilde führte: Per Handy ließ er seine Lebensgefährtin wissen, dass er erneut auf ihren Ex-Mann getroffen sei und sich nicht sicher fühle. Die Frau verständigte daraufhin die Polizei.

Eine Streife griff die beiden Männer gegen 18 Uhr auf der Zentnerstraße auf. Als die Beamten die beiden ansprachen, habe Hassan A. unvermittelt die Waffe gezogen und ohne zu zögern auf seinen Nebenbuhler geschossen, teilte das Polizeipräsidium gestern mit. Dann habe A. das Feuer auf die beiden Polizisten eröffnet. Mindestens sechs Mal, so die Polizei, schoss Hassan A. aus der Deckung auf die Beamten. Die schossen zurück – 15 Mal insgesamt. Dabei wurden Hassan A., aber auch das bereits angeschossene Opfer, von Polizeikugeln getroffen – der 24-Jährige vermutlich von einem Querschläger.

Ermittlungen laufen auf Hochtouren  

Irgendwann stellte Hassan A. das Feuer ein und drohte die Waffe gegen sich selbst zu richten. Fast drei Stunden lang saß er mit dem Revolver an der Schläfe auf der Zentnerstraße, bis ihn die Polizei mit Hilfe von Blendgranaten überwältigte.

Aufgrund der neuen Erkenntnisse wurde der Haftbefehl gegen Hassan A. erweitert. Neben versuchtem Mord an dem 24-jährigen Syrer wird ihm nun auch zweifacher versuchter Totschlag an den beiden Streifenbeamten vorgeworfen. Der Beschuldigte räumt laut Polizeiangaben den Tathergang zwar grundsätzlich ein, bestreitet aber, gezielt auf die Polizisten geschossen zu haben. Der 24-Jährige liegt unterdessen immer noch im künstlichen Koma. Er sei aber inzwischen stabil, berichtet die Polizei.

Schießerei in der Maxvorstadt - Bilder

Annika Schall

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