Angreifer steht jetzt vor Gericht

„Wollte ihn nur einschüchtern“: Messer-Mann attackierte Erich W.

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Erich W. zeigt die Narbe in seinem Gesicht. Er wurde an dieser Bushaltestelle in Starnberg überfallen Fotos: Stürzer, Jantz

München - Eigentlich wollte Erich W. an einer Starnberger Bushaltestelle nur mit den Leuten aus seiner Clique quatschen. Doch dann geriet er mit einem 36-Jährigen in Streit - und der zückte ein Messer. 

„Ich habe gedacht, ich sterbe“, sagte Erich W. am Donnerstag beim Prozess am Münchner Landgericht. Es geht um versuchten Mord. Angeklagt ist Sven G. (36, Name geändert). Der Wirtschaftsjurist hatte den 61-Jährigen in der Nähe einer Bushaltestelle in Starnberg mit einem Taschenmesser lebensgefährlich verletzt. Sven G. gesteht die Vorwürfe, von einem Mordversuch könne aber keine Rede sein.

Die Narbe ist zwölf Zentimeter lang, zieht sich von der Stirn bis fast zum Hals über Erich W.’s rechte Gesichtshälfte. „Ich sah aus wie ein Zombie“, erinnert sich der gebürtige Gautinger. „Ja, ich bin Alkoholiker“, gesteht er im Zeugenstand. Mit Gleichgesinnten saß er an jenem 10. Oktober 2015 an der Bushaltestelle in der Josef-Jägerhuber-Straße. „Wir sitzen da oft, trinken und ratschen“, erklärt W. „Aber wird sind eine friedliche Clique, wollen einfach nur unsere Ruhe.“

Gegen 18 Uhr kreuzte Sven G. ihren Weg. Der 36-Jährige erkundigte sich auf dem Fahrplan nach dem nächsten Bus. G. kam gerade mit einer S-Bahn von einem Tagesausflug zurück. „Ich spiele leidenschaftlich gerne Videospiele“, erzählt er. „Am liebsten interaktive Online-Spiele, bei denen ich in ganz Bayern unterwegs bin. An dem Tag habe ich auch gespielt, wollte eigentlich nur nach Hause.“

Über zwei Promille Alkohol stellten Polizisten wenig später in seinem Blut fest. Den ganzen Tag über hatte er „zwischen sieben und neun Bier“ getrunken. Vorbestraft ist Sven G. nicht. Doch mit steigendem Alkoholpegel nehmen offenbar auch seine Aggressionen zu. Erich W. wollte ihm zu verstehen geben, dass an diesem Tag kein Bus mehr in seine Richtung fahren würde. Darauf entbrannte ein Streit. „Das Schlimmste war, dass er mich Penner genannt hat“, sagt W. „Das bin ich nicht. Ich habe eine Wohnung.“

Erich W.’s Erinnerungen sind löchrig. Laut Anklage soll er Sven G. mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Erst danach soll es zum beinahe tödlichen Vorfall gekommen sein. Sven G. erinnert sich: „Ich habe mein Taschenmesser aus der Hose geholt, es aufgeklappt und wollte ihn mit einer Ausholbewegung von unten nach oben nur einschüchtern, nicht verletzen und schon gar nicht töten.“

Doch er erwischte Erich W. im Gesicht. Die Halsschlagader war durchtrennt, W. verlor viel Blut. Ärzte retteten durch eine Not-OP sein Leben.

Sven G. bereut seine Tat. Im Gerichtssaal entschuldigte er sich ein zweites Mal bei seinem Opfer. Erich W.: „Ich nehme die Entschuldigung ein zweites Mal an.“ Das Gericht muss nun abwägen: Mordversuch oder nicht? Sven G. drohen mehrere Jahre Haft.

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