Mietvertrag für Frauen-Obdach "Karla 51" gekündigt

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Das Haus Karla 51 an der Karlstraße.

München - Das Frauen-Obdach "Karla 51" an der Karlstraße war lange Jahre ein Zufluchtsort für wohnungslose Damen. Jetzt braucht das Obdachlosenheim selbst Hilfe.

Für Eva V. (36) und ihre Tochter Celine (12) war Karla 51 die letzte Rettung. Nach einer Krebsoperation und der Verhaftung ihres Mannes wegen Drogenproblemen saßen Mutter und Tochter buchstäblich auf der Straße. Sie fanden für acht Monate Unterschlupf im Frauen-Obdach "Karla 51". Insgesamt können dort seit 16 Jahren 40 wohnungslose Frauen untergebracht werden, bis man für sie eine Dauer-Bleibe findet. Außerdem findet dort jeden Tag ein „Frauencafé“ statt, das bedürftigen Frauen hilft. Doch dem Wohnungslosen-Asyl im Bahnhofsviertel droht nun selbst die Obdachlosigkeit. Der bisherige Besitzer – die Bayerische Beamtenversicherungen – hat den Mietvertrag zum 15. November gekündigt und das Haus verkauft.

Münchens Sozialreferentin Brigitte Maier (SPD) ist entsetzt: „Der Investitionsdruck auf dem Immobilienmarkt wird immer größer und sorgt dafür, dass immer mehr Menschen ihr Heim verlieren. Das Tragische ist, dass es jetzt ein Hilfssystem trifft, das den obdachlosen Menschen hilft.“ Die Stadt zahlt jährlich 192 000 Euro Miete, legt 632 000 Euro Betriebszuschusse drauf und stellt das Haus dem Evangelischen Hilfswerk zur Verfügung, das wiederum "Karla 51" betreibt.

Gordon Bürk, Geschäftsführer des Evangelischen Hilfswerkes München, ist schockiert: „Karla 51 droht das Aus, wenn nicht noch etwas passiert. Die Auswirkungen wären eine Katastrophe.“ Die Schließung des Frauenobdachs würde einen „enormen sozialen Flurschaden verursachen.“ Bürk appelliert an die neuen Eigentümer, die Weiterführung zu ermöglichen.

Holger Fietz von der Bayerischen Beamtenversicherungen hat für die Aufregung kein Verständnis: „Der Verkauf des Hauses ist ein üblicher Vorgang, der im Rahmen der Portfolio-Bereinigung geschieht. Wir kaufen und verkaufen Immobilien. Jetzt hatte sich eine günstige Gelegenheit zum Verkauf ergeben.“

Rudolf Stummvoll vom städtischen Wohnungsamt München weiß: „Die Rede ist von einer Verdopplung der Rendite!“

Johannes Welte

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