Trendsportart

Mehr Parkour für München

Flugschau: Parkour heißt der Sport, bei dem man sich über alle Hindernisse hinweg durch die Stadt bewegt. Foto: Klaus Haag

München - In München gibt es keine einzige echte Parkour-Anlage – Der Bezirksausschuss Milbertshofen-Am Hart will das ändern.

Der Blick über München ist gigantisch. Die Dächer des Olympiastadions reflektieren das Licht, die Sportplätze an der Connollystraße sind kleine rote Rechtecke. Lukas steht auf einem Hochhausdach im Olympiadorf, 50 Meter unter ihm laufen zwei winzige Menschen zwischen den Studentenbungalows entlang. Er macht einen Rückwärtssalto aus dem Stand. Mit drei großen Schritten ist er am Rand und springt einige Meter in die Tiefe auf die nächste Stufe des Flachdachs.

Parkour heißt die Sportart, bei der es darum geht, sich ungeachtet aller Hindernisse von A nach B zu bewegen. „Die Kunst der rationalen Fortbewegung“, nennt sie das Münchner Parkour-Projekt „Munich Tracers“ auf seiner Internetseite.

Lukas ist nach einigen weiteren Sprüngen unten angekommen. Nun überwindet er mit Salti und Rollen die Bungalowdächer im Olympiadorf. Mit seinen Stufen, flachen Dächern und vielen Mäuerchen wäre es der perfekte Ort für Parkour. Wäre – denn es ist verboten. Lukas heißt deshalb eigentlich auch anders, seine Stunts sind auf einem Video im Internet festgehalten.

In ganz München gibt es keine einzige Anlage, an der die Trendsportart Parkour ausgeübt werden kann – zum Bedauern der Parkour-Vereine in München, wie dem Verein „Free Arts of Movement“. Kurz: FAM München.

„Meine Bereitschaft mich zu engagieren ist etwas zurückgegangen“, sagt Andreas Ruby, Vorsitzender von FAM München. „Wir warten, bis es etwas konkreter wird. Wenn die Politik positive Signale sendet, dann organisieren wir gerne etwas und präsentieren uns gerne als Verein.“ Seit fünf Jahren setzt sich Ruby dafür ein, dass in der Landeshauptstadt endlich Plätze entstehen, an denen man offiziell Parkour ausüben darf. Bislang vergeblich.

In Nürnberg gebe es drei Parkour-Anlagen, in Regensburg sei eine Halle geplant, erzählt Ruby. „Sogar Käffer wie Bad Aibling haben einen eigenen Parkour-Park.“ Das mit dem Kaff meint er nicht böse, er findet es nur schade, dass München hier den Anschluss zu verpassen droht. Denn FAM bietet Parkour-Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene an. Das Motto des Vereins: „Entdecke deine Möglichkeiten!“ Die Trainingsmöglichkeiten sind allerdings sehr eingeschränkt: Ruby und seine Schützlinge müssen in Turnhallen über Sprossenwände und Kästen klettern.

Dabei hat Ruby schon mit dem Baureferat und mit dem Referat für Bildung und Sport gesprochen. „Alle stehen hinter uns, aber es passiert nichts“, sagt er. Das Referat für Bildung und Sport bestätigt auf Anfrage des Münchner Merkur, dass es noch keine Parkour-Anlage in München gebe.

Der Bezirksausschuss Milbertshofen - Am Hart möchte die Idee von einer oder mehreren Parkour-Anlagen in München vorantreiben. „Dass die Stadt München so etwas nicht hat, ist fast schon peinlich“, sagt Bianca Hegmann (Bündnis 90/Grüne). „Parkour ist mittlerweile eine Trendsportart, keine Eintagsfliege.“ Die Grünen haben deshalb bei der jüngsten BA-Sitzung fünf Standorte in Milbertshofen und Am Hart vorgeschlagen.

Eine einzige Anlage würde allerdings „mit Sicherheit“ nicht ausreichen, sagt Ruby. FAM München hat aktuell 500 Mitglieder. Die freie Szene in München schätzt Ruby auf 5000 Menschen. „Leute wie uns gibt es viele.“ Damit meint der FAM-Vorsitzende nicht nur Menschen, die in München Parkour ausüben, sondern auch Anhänger des Freerunning, einer verwandten Disziplin, bei dem die Bewegung im Vordergrund steht. Auch Menschen, die Freeletics oder Calisthenics – grob gesagt: Krafttraining im Freien – praktizieren, zählt Ruby zur Szene. Seiner Meinung nach würden sie alle von Parkour-Anlagen profitieren.

Seit 2010 bietet FAM München in allen Ferien Parkour-Kurse an – mit Unterstützung der Stadt. Auch diesen Sommer habe er schon wieder mehr als 500 Anmeldungen, sagt Ruby. Das einzige Problem: „Wir sind halt in der Turnhalle. Wäre geil, wenn wir mal ins Freie könnten.“

Aus dem Referat für Bildung und Sport heißt es, man setze derzeit einen Modellversuch auf dem Gelände der Ludwig-Thoma-Realschule um. Die Anlage soll im Herbst fertiggestellt und von FAM München betrieben und beaufsichtigt werden. Der Stadtrat soll außerdem voraussichtlich im Herbst über den Bau der Action- und Trendsporthalle „Eggenfabrik“ an der Paul-Gerhardt-Allee entscheiden. Kommt die Halle, wird es wohl auch einen Bereich für Parkour geben.

Der BA Milbertshofen - Am Hart hat sich mehrheitlich für eine Parkour-Anlage im Münchner Norden ausgesprochen. Die Lokalpolitiker stimmten für drei der fünf Vorschläge der Grünen rund um den Harthof: die Grünflächen zwischen Eulerstraße und Prager Straße, an der Ecke Rathenau- und Knorrstraße sowie zwischen Oberhofer Weg und Taunusstraße. Die Stadtverwaltung soll nun prüfen, welche dieser Standorte für eine Parkour-Anlage in Betracht kommen.

Caspar von Au

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