Bauarbeiten starten

Gedenkstätte im Olympiapark: Ein ganz besonderer Ort

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Der Standort liegt etwas abseits der Wohnbebauung und bietet Sicht auf andere Wahrzeichen des Olympiaparks.

München - Eigentlich wollte Kultusminister Ludwig Spaenle im Herbst die Gedenkstätte für die Opfer des Olympia-Attentats 1972 im olympischen Dorf eröffnen. Daraus wird nichts, aber trotzdem verspricht Spaenle etwas "ganz Besonderes".

Elf israelische Sportler und ein bayerischer Polizist starben 1972 während der Olympischen Spiele in München bei einem Terrorangriff palästinensischer Attentäter. Im Jahr 2012, 40 Jahre später, versprach Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) während einer Israel-Reise, einen „würdigen Ort“ zu schaffen, an dem der Opfer gedacht werden könne. Nun werden im Juni die Bauarbeiten beginnen – ein halbes Jahr später als zunächst geplant.

Die Gedenkstätte mit musealem Charakter soll den Titel „Einschnitt“ tragen – symbolisch für die Zäsur, die das Attentat bewirkte. Das offene Denkmal für die Opfer des Olympia-Attentats wird auf dem westlichen Lindenhügel zwischen Olympiadorf und Mittlerem Ring entstehen. „Im nächsten Jahr wollen wir fertig sein“, sagt Kultusminister Ludwig Spaenle.

Anwohner und Behörden einigen sich

Hier wird das Denkmal entstehen.

Bei der Einwohner-Interessen-Gemeinschaft Olympisches Dorf (EIG) hat man sich mit dem Projekt inzwischen abgefunden. Die EIG hatte sich in den vergangenen Jahren erfolgreich gegen zwei Standorte am Connolly- und am Studentenhügel gewehrt, die das Kultusministerium zunächst ausgewählt hatte. Diese wären näher an der Wohnbebauung und auch an der Connollystraße 31 gelegen. Dem Ort, wo die Katastrophe mit der Geiselnahme der israelischen Sportler ihren Anfang nahm. Die Einwohner hatten aber Sorge vor Horden von Touristen direkt vor ihren Haustüren.

In Workshops einigten sich die beteiligten Behörden mit den Anwohnern auf den etwas entfernteren Lindenhügel. Dies, obwohl sich die Einwohner grundsätzlich gegen eine Bebauung des Olympiaparks ausgesprochen hatten, „um ihn zur Erholung und als kulturelles Erbe zu erhalten“, wie Till von Feilitzsch, stellvertretender Vorsitzender der EIG, sagt. Er bedauert, dass „nun ein weiteres Stückchen Olympiapark umgestaltet wird, ohne dass ein erkennbares, bindendes Gesamtkonzept für den Olympiapark vorliegt“.

"Form der Präsentation einmalig"

Der lange Dialog mit den Bürgern habe neben baulichen und inhaltlichen Gründen auch zu der Verzögerung bei der Umsetzung der Gedenkstätte geführt, sagt CSU-Minister Spaenle. „Die Bürger sind sehr wachsam, was Eingriffe in den Olympiapark anbelangt.“ Im kommenden Jahr soll die Gedenkstätte endlich fertig sein. Spaenle ist von dem Entwurf des Architekten Peter Brückner und der musealen Gestaltung vollends überzeugt. „Die Form der Präsentation ist einmalig, das gab es vorher nicht und wird etwas ganz Besonderes“, schwärmt der Minister. „Der Gedenkort soll an das schreckliche Geschehen erinnern, es erklären, historisch einordnen und daraus Schlüsse ziehen helfen.“ Höhepunkt der offenen Ausstellung ist eine große Projektionsfläche. Der Terrorakt wird dort national, aber auch international eingeordnet.

Das Konzept für die Erinnerungsstätte wurde von Experten der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, des Jüdischen Museums in München und der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit erstellt. Auch Angehörige der Opfer, die zuständigen Behörden sowie das Israelische Generalkonsulat wurden in die Arbeit einbezogen.

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