tz-Interview

Hartung spricht über die Olympiapark-Zukunft

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Arno Hartung.

München - Im tz-Interview spricht Olympiapark-Chef Arno Hartung über den Deutschland-Cup, über Katar und über die Geldfrage.

Umgezogen? Nein, noch nicht, Arno Hartung sitzt immer noch am selben Schreibtisch, die Tür zu den Kollegen der Kommunikationsabteilung steht offen, als ihn die tz besucht. Der einzige Unterschied: Hartung, der seit 1975 beim Olympiapark arbeitet, geht nicht mehr nur als Leiter der Kommunikation, sondern auch als Geschäftsführer ins neue Jahr. Sein Vertrag läuft bis zum 31. Dezember 2016. Das tz-Interview.

Herr Hartung, Sie werden im März 66 Jahre alt, warum tun Sie sich das noch an?

Hartung (lächelt): Die Frage liegt nahe. Offiziell bin ich ja schon Rentner, wie es so schön heißt. Seit 1. Juli habe ich meinen Rentnerausweis.

Sie kommen also verbilligt in Schwimmbäder, Kinos etc.

Hartung: Beantragt habe ich den Ausweis nicht, den bekommt man automatisch zugeschickt. Aber meine Renterfreizeit hält sich in Grenzen. Es gibt einige Themen, die mir noch am Herzen liegen: das Verhältnis zu den Nachbarn, die Sanierung des Olympiastadions und die neue Halle für Basketball und Eishockey. Deshalb mache ich den Job auch noch mit 66 Jahren.

Die Komplettsanierung des Stadions würde rund 76 Millionen Euro kosten. Der Wirtschaftsausschuss hatte dazu noch Nachfragen.

Hartung: Wir werden uns in etwa einer Woche erneut zusammensetzen. Für uns ist das die einzige Möglichkeit, Zwischenlösungen helfen nicht.

Für den Ski-Weltcup gab es dieses Jahr erneut gar keine Lösung.

Hartung: Das war bedauerlich und hat wehgetan. Aber es war nicht machbar, auch nicht mit dem vielen Schnee der ab dem 26. Dezember gefallen ist. Aber es gibt Signale des Internationalen Skiverbands, den Termin weiter nach hinten zu schieben.

Eine andere Veranstaltung, die auf der Kippe steht, ist der Eishockey-Deutschland-Cup.

Hartung: Hierzu stehen wir mit dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB) in Verbindung. Beide Seiten wollen die Veranstaltung halten, aber wir müssen finanziell eine vernünftige Basis finden. Auf der bisherigen Basis könnten wir uns einigen, wenn der DEB mehr rausziehen will, wird es schwierig. Sehr große Zugeständnisse können wir nicht machen.

Welche Sportveranstaltung liegt Ihnen 2015 besonders am Herzen?

Hartung: Die Action- und Extremsportveranstaltung Munich MASH, weil wir dafür viel Energie aufgebracht haben und aufbringen. Das ist unsere Veranstaltung, wir machen dort alles und tragen alle Risiken. Aber wir sehen darin großes Potenzial. Zudem gehen wir neue Wege. 2015 wollen wir ein großes ­Beachvolleyballturnier auf dem Coubertinplatz oder im Stadion organisieren, die Gespräche dazu laufen.

Beachvolleyball, MASH, es gab Zeiten, da haben im Olympiapark Weltmeisterschaften stattgefunden.

Hartung: Durch den nacholympischen Boom konnte und durften wir viele Weltmeisterschaften veranstalten, das ging circa bis 2002. Der Grund, warum das nachgelassen hat, ist vielfältig. Der wichtigste: Der Kuchen ist der gleiche geblieben, aber die, die davon ein Stück abhaben wollen, sind deutlich mehr geworden. Russland und Katar sind sehr aktiv, Asien kam früher überhaupt nicht als Veranstalter infrage. Demokratisch strukturierte Staaten haben weniger Chancen, Weltmeisterschaften zu bekommen, vor allem wegen der Geldfrage.

Auch die Olympischen Spiele sind „betroffen“.

Hartung: Die Entwicklung ist bedauerlich. Sotschi und Pyeongchang, das ist nicht der richtige Weg. Da ist es weiterhin schade, dass es mit einer Münchner Winterbewerbung nicht geklappt hat. Ich will ihnen noch ein anderes Beispiel nennen. Wir haben uns mal nach der Ausrichtung einer Universiade erkundigt, da benötigt man von vornherein circa 80 bis 100 Millionen Euro. Die Dachverbände kann ich sogar verstehen, die suchen, wer am meisten bietet. Irgendwo findet sich jemand, oft aus dem asiatischen Raum, der das für das Image braucht. Ein westeuropäisches Land kann sich das gar nicht mehr leisten.

Interview: Mathias Müller

Katar legt die Messlatte hoch!

Unter der Wüstensonne Katars funkelt der Sportpalast von Lusail. Die nagelneue Final-Arena für die am Donnerstag beginnende Handball-WM spiegelt mit ihrem geschwungenen Glasdach das Streben des Emirats in die Rolle einer Sportgroßmacht. Geld ist dabei nur Mittel zum Zweck, das zeigt die luxuriöse Multifunktionshalle für 15 300 Zuschauer in der Reißbrett-Stadt Lusail im Nordosten von Doha. „Katar will die Messlatte für alles höher legen, was wir organisieren“, sagte Saoud Bin Abdulrahman Al-Thani, Generalsekretär des Nationalen Olympischen Komitees. Die Titelkämpfe der Handballer, an denen das deutsche Team nur dank einer Wildcard teilnehmen darf, sind Teil einer ganzen Serie von Weltmeisterschaften. Und nach dem gescheiterten Anlauf für 2020 ist auch die nächste Olympia-Bewerbung wohl nur eine Frage der Zeit.

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