Rasen soll für Wohnungen weichen

Milbertshofen: So kämpfen Anwohner um ihren Bolzplatz

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Mit einem Plakat demonstrieren die Anwohner für ihren Bolzplatz.

München - Aufgrund der Wohnungsnot in der Stadt müssen demnächst Grünflächen weichen. Auch ein Bolzplatz in Milbertshofen ist wohl betroffen. Doch die Anwohner wehren sich.

Schon die Kinder von Luise Valier haben auf diesem Bolzplatz gespielt - jetzt kicken hier ihre Enkel. "Wir wohnen schräg gegenüber", sagt die 58-Jährige. "Ich hab die Kinder immer ohne Bedenken dorthin schicken können." Auf der Wiese an der Schmalkaldener Straße in Milbertshofen haben Generationen die Fußballschuhe geschnürt.

Nun aber droht der Abpfiff. Die Stadt will auf dem Gelände Wohnungen errichten. Die sind Teil des Sofort-Programms Wohnen für Alle. Kleinteilige Bleiben für Studenten, Auszubildende oder Flüchtlinge. Die Nachbarn und der Bezirksausschuss wollen das verhindern. Der Kampf ums Kicken hat begonnen!

Erneut. Denn vor rund 40 Jahren gab es laut den Anwohnern bereits ähnliche Pläne. Schon damals ging es um Wohnungen. Und schon damals kämpften Nachbarn für den Erhalt des Bolzplatzes - erfolgreich! Damals.

Nachbarn haben schon 550 Unterschriften gesammelt

Jetzt sammeln die Nachbarn Unterschriften: "550 haben wir schon, es sind aber noch Listen im Umlauf." Auch im Internet, via Facebook zum Beispiel, kann man sich beteiligen. Bei der Bürgerversammlung wollen die Bolzplatz-Retter ihre Argumente vorbringen.

Der Bezirksausschuss steht mehrheitlich auf ihrer Seite. Die ehemalige Chefin des Gremiums, Antonie Thomsen, hat sich mit einem offenen Brief an OB Dieter Reiter gewandt.

Spielplatz ist gelebte Integration

Denn der Platz ist für die Milbertshofener mehr als nur ein Spielplatz - er ist gelebte Integration. "Wir haben hier sehr viele Familien, die finanziell nicht so gut gestellt sind", erklärt Luise Valier. Andernorts versuche man Integration mit Geld und speziellen Projekten zu erreichen. "Bei uns läuft das ohne Projekt!" Und ohne Sprachbarrieren: Fußball versteht jeder, egal ob aus Syrien oder Nordafrika.

"Es gibt hier sonst nichts, wo die Kinder Fußball spielen könnten", sagt die Mutter und Oma. Sie weiß zwar um die Wohnungsnot in München. Gleichwohl: "Man kann nicht jeden grünen Platz bebauen."

Nun hofft die 58-Jährige, dass sich eine Lobby findet, um den Platz doch noch zu erhalten. Damit auch die Kinder ihrer Enkel dort noch die Fußballschuhe schnüren können.

Sascha Karowski

Münchens Bau-Offensive gegen die Wohnungsnot

Durch ein Sofortprogramm will die Stadt die Wohnungsnot lindern. Innerhalb der nächsten vier Jahre sollen rund 3000 Wohneinheiten entstehen, vor allem für Familien mit geringem Einkommen, Auszubildende, junge Berufstätige sowie anerkannte Flüchtlinge. Und zusätzlich zu den ohnehin schon beschlossenen Bauprojekten. Es sind kleinteilige Bleiben geplant. Baubeginn ist bereits in diesem Jahr.

In einem ersten Schritt errichten die städtischen Wohnungsbaugesellschaften GWG und Gewofag dieses und nächstes Jahr 1500 Einheiten - auf eigenen Flächen und Grundstücken der Stadt. Dazu wird auf Modulbauweise und Erfahrungen aus anderen Projekten, aber auch auf innovative Ansätze im Wohnungsbau zurückgegriffen. Beispiel: Dantebad. Dort entstehen Wohnungen auf Stelzen über einem Parkplatz. Auch private Investoren sind gefordert. Sie sollen die andere Hälfte der 3000 Wohnungen errichten.

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