Messerattacke vor dem Käfer-Zelt

Millionär verhaftet - Bestach er Zeugen im Wiesn-Prozess?

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Detlef F. soll versucht haben, Entlastungszeugen für seine Freundin zu kaufen.

München - Die Hamburgerin Sandra N. wurde wegen ihres Messerangriffs auf einen Lasterfahrer vor dem Käfer-Zelt verurteilt. Ihr Millionärsfreund soll versucht haben Zeugen zu bestechen.

Das ist der Stoff, aus dem die großen Krimis sind. Mit dem einen Unterschied: Dieser hier ist echt. Erst Anfang August schickte das Münchner Landgericht die Hamburger Millionärsfreundin Sandra N. (34, Name geändert) für viereinhalb Jahre wegen versuchten Totschlags hinter Gitter. Sie hatte auf der Wiesn 2015 nachts vorm Käferzelt mit einem Klappmesser den Lasterfahrer Tom L. von hinten niedergestochen. Notwehr ließ der Richter nicht gelten – das hatte sie monatelang tränenreich beteuert.

Am Donnerstag fand der spektakuläre Münchner Fall in Hamburg eine Fortsetzung: Am Morgen wurden dort zwei Wohnungen durchsucht und zwei Männer festgenommen. Einer davon ist Sandra N.‘s Millionärsfreund Detlef F. (63). Es geht um Beihilfe bzw. Anstiftung zur Falschaussage. Die Ermittler haben mittlerweile offenbar sehr viel konkretere Hinweise, dass Detlef F. mit ungeheuren Summen und im größeren Stil als bisher bekannt versucht hatte, Entlastungszeugen für seine Freundin zu kaufen.

Sandra N. stach 2015 auf der Wiesn einen Lkw-Fahrer nieder und sitzt jetzt im Knast

Bereits während des Prozesses war ein falscher Zeuge aus dem Dunstkreis des Millionärs im Juli im Gerichtssaal festgenommen worden. Dort hatte der angebliche Augenzeuge Sandra N.s Notwehr-Behauptung gestützt. Unternehmer Christoph H. (31) behauptete, er habe gesehen, dass Sandra N. bei dem Streit vor der Wiesnschänke bedroht und an den Schultern gepackt worden sei. Alles gelogen, wie er später reumütig gestand. Tatsächlich waren ihm 100.000 Euro für die fingierte Aussage geboten worden und weitere 100.000 Euro Erfolgshonorar, falls Sandra wieder freikäme. Für diese Rolle bekam H. ein ausgearbeitetes Skript, das er einstudieren musste. In Zürich war dann die Generalprobe: Vor zwei Verteidigern von Sandra N. musste er seine einstudierte Aussage vortragen. Christoph H. war in Mallorca angesprochen worden: „Es hieß, die Verlobte von Herrn F. sei Opfer der bayerischen Justiz und bräuchte Hilfe.“

Hilfe braucht nun anscheinend vor allem der festgenommene Immobilien-Millionär. Auch dem verletzten Lasterfahrer Tom L. sollen vor dem Prozess 125.000 Euro geboten worden sein, falls er falsche Angaben zugunsten von Sandra N. macht. Doch L. ließ sich nicht kaufen und akzeptierte nur das Schmerzensgeld in Höhe von 80.000 Euro.

Auch der Millionär selbst war im Sommer schon einmal kurzfristig festgenommen worden, als er Sandra besuchte. Er durfte Stadelheim dann aber wieder verlassen, weil keine Fluchtgefahr bestand. Jetzt die erneute Festnahme. Muss Detlef F. nun doch in Haft? Auf Anfrage wollte sich F.s Strafverteidiger Stephan Tschaidse am Donnerstag nicht zu dem Fall äußern.

Dorita Plange, Andreas Thieme

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