Gericht entscheidet am Mittwoch

Millionärsverlobte und Ex-Nationalspieler: Urteil im Wiesn-Prozess

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Die Angeklagte (r.) mit ihrer Anwältin.

München - Ein Ex-Nationalspieler, ein „Wüterich“, rassistische Parolen, eine Millionärsverlobte, ein Klappmesser und ein gekaufter Zeuge: Vor dem Landgericht München steht ein spektakulärer Kriminalprozess vor dem Ende.

Die Angeklagte (r.) mit ihrer Anwältin.

Erst fielen rassistische Parolen gegen den Ex-Nationalspieler Patrick Owomoyela, dann zückte eine Millionärsverlobte ein Messer. Vor dem Landgericht München dürfte an diesem Mittwoch das Urteil in einem spektakulären Kriminalprozess fallen. Die Staatsanwaltschaft will die 34 Jahre alte Verlobte eines Hamburger Multimillionärs wegen versuchten Totschlags auf dem Oktoberfest für fünf Jahre in Haft sehen.

Die Mutter dreier Kinder hatte zugegeben, einen Wiesn-Gast im vergangenen Jahr vor dem Käfer-Promizelt mit einem Klappmesser verletzt zu haben. Der Mann erlitt eine schwere Stichwunde, verlor literweise Blut, ihm musste die Milz entfernt werden. Die Frau warf das Messer weg und ging mit ihren Freunden in die Nobel-Disco P1. Die Anklage hatte zunächst auf versuchten Mord gelautet, das nahm die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer zurück.

Patrick Owomoyela.

Die Frau, die sich bei dem Verletzten entschuldigte, und betonte, es vergehe kein Tag, an dem sie nicht an den Vorfall denke, beruft sich auf Notwehr. Sie habe sich von dem Mann bedroht gefühlt. Ihre Verteidiger forderten darum Freispruch. Sie sprachen von „herzhaftem Eingreifen“ der Frau, während alle anderen weggeschaut hätten. „Hasenfüße waren sie alle.“ Anwalt Steffen Ufer sagte, seine Mandantin sei die einzige, „die Zivilcourage gezeigt hat“.

Der Verletzte hatte ihren Bekannten, den ehemaligen Fußball-Nationalspieler Owomoyela, nämlich zuvor auf übelste Weise rassistisch beschimpft, wie der Sportler als Zeuge vor Gericht aussagte. Die Anwältin der Angeklagten sagte über ihre Mandantin: „In hilfloser Lage sah sie sich einem aggressiven Wüterich gegenüber.“

Der Prozess hatte nicht nur wegen der prominenten Beteiligung von Multimillionär und Ex-Fußball-Star Aufsehen erregt. Auch hatte ein Zeuge vor Gericht eine Falschaussage zugegeben und eingeräumt, er sei gekauft worden. Insgesamt 200 000 Euro sei ihm für seine entlastende Aussage geboten worden - 100 000 für die Aussage und weitere 100 000, wenn die Angeklagte aus der Untersuchungshaft entlassen wird. Schließlich stellte sich aber heraus, dass er überhaupt noch nie auf der Wiesn gewesen war. Der Verlobte der Angeklagten - der Millionär - wurde daraufhin vorübergehend festgenommen.

„Dies alles kann man wirklich als starkes Stück bezeichnen“, sagte die Staatsanwältin. Und die Vertreterin der Nebenklage fügte hinzu: „Was bleibt, ist eine beruhigende Erkenntnis: dass man mit Geld nicht alles und auch nicht jeden kaufen kann - auch nicht mit sehr viel davon.“

dpa

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