Es wird richtig eng

Stau ohne Umleitung - Großbaustelle am Mittleren Ring

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Stau München Mittlerer Ring

München - Der Mittlere Ring hat in den vergangenen Jahren schöne neue Tunnels bekommen. Jenseits davon staut es sich weiter. Von August an wird es noch einmal richtig eng - für eine Erweiterung, die womöglich nur eine vorläufige Lösung ist.

Verkehrschaos. Mal wieder. Baustelle am Mittleren Ring in München. Für Münchens Autofahrer kaum noch einen Seufzer wert - mehr als ein Jahrzehnt wurde insgesamt an mehreren Tunnels gebaut. Kaum war eine Stelle fertig, ging es an einer anderen los. Seit langem war klar, dass der Isarring im Nordosten ein Nadelöhr ist. Die Stadt will nun eine Fahrspur anstückeln. Doch bis es soweit ist, müssen sich die Autofahrer einmal mehr in Geduld üben.

In der Nacht vom 19. auf den 20. Juli wird eine Brückenplatte geliefert, vom 7. auf den 8. August beginnt die Hauptbauphase. Dann wird der Isarring, zweispurig schon an der Belastungsgrenze, auf eine Spur verengt. „Das bedeutet für diesen sehr stark befahrenen Abschnitt des Mittleren Ring eine sehr harte Einschränkung“, sagt Baustellenkoordinator Richard Bartl. „In Spitzenzeiten fahren an der Stelle stündlich gut 3000 Fahrzeuge. Das sind 1000 mehr, als wir in der Bauzeit durchbringen.“

Umleitungsrouten fehlen - oder sind jetzt schon an der Belastungsgrenze

Knapp drei Monate Bauzeit erscheinen gegenüber den mehrjährigen Tunnelprojekten zwar wenig, auch die Kosten wirken gegenüber dreistelligen Millionenbeträgen mit 5,6 Millionen Euro wie ein Taschengeld. Doch das Projekt hat es in sich. Umleitungsrouten fehlen - oder sind jetzt schon an der Belastungsgrenze. Bestenfalls Ortskundige könnten brauchbare Schleichwege finden. Für die Überquerung der Isar etwa gibt es nicht viele Alternativen. „Man muss davon ausgehen, dass sich erhebliche Behinderungen ergeben werden“, sagt Alexander Kreipl, Verkehrs- und umweltpolitischer Sprecher beim ADAC Südbayern. „Die Ausweichmöglichkeiten sind sehr beschränkt.“

Der Verkehr könnte sich nördlich weit in die Autobahn A 9 von Nürnberg zurückstauen - und östlich bis zum Ende der Autobahn A 8 von Salzburg. „Das ist das Horrorszenario, vor dem wir stehen“, sagt Baustellenkoordinator Bartl. Auch auf dem nordöstlichen Autobahnring A99 als weiträumige Umfahrung könnte der Verkehr zunehmen. Bartl empfiehlt den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel, Rad oder Motorroller; die Bildung von Fahrgemeinschaften - oder: Homeoffice.

"Städtebauliche Sünde"

Die neue Nervenprobe am Isarring bringt dabei womöglich nur eine vorübergehende Lösung. In weiter Ferne als „Königsweg“: Ein Tunnel. Denn der Isarring, von vielen als unverzeihliche Bausünde geächtet, zerschneidet den berühmten Englischen Garten in zwei Hälften.

„Der Garten ist die größte und schönste Gartenanlage weltweit und steht unter einem strikten Denkmalschutz“, sagt Architekt Hermann Grub, der mit seiner Frau Petra Lejeune die Stiftung „Ein Englischer Garten“ gründete und für die „Wiedervereinigung“ des Parks kämpft. Der Bau des Rings sei von Anfang an ein „Unding“ gewesen. „Eine Riesenautobahn mit 130 000 Autos pro Tag durch diesen Park zu bauen - das ist absurd“, sagt Grub. „Dafür haben wir immer gekämpft: Dass diese städtebauliche Sünde repariert wird.“

Der Tunnel hat auch Unterstützung aus der Staatsregierung. Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) hat den Befürwortern des Autotunnels im Englischen Garten im Frühjahr Hoffnung gemacht: Es gebe Gespräche zwischen Freistaat und der Stadt „mit dem Ziel, dass der Tunnel entsteht“, sagte Söder damals der „Süddeutschen Zeitung“. Offen ist vor allem die Finanzierung. Nach Grubs Worten könnte der Tunnel nach neuen Berechnungen rund 125 Millionen Euro kosten.

Baumaßnahme wegweisend für künftige Umsetzung der Tunnelpläne?

Für den ADAC-Experten Kreipl ist die neue Einfädelspur ein Schritt in die richtige Richtung. „Es ist auf jeden Fall eine Verbesserung der Situation“, sagt Kreipl mit Blick auf die stundenlangen Dauerstaus, die es zur Hauptverkehrszeit regelmäßig gibt. Allerdings hat er auch Bedenken. „Da brauche ich kein großer Rechenmeister sein: Wenn ein Lkw 2,55 Meter breit ist und die Fahrspur hat drei Meter, dann ist es zu eng“, sagt auch Kreipl. „Die Gefahr ist, dass es zu vielen Touchierungsunfällen kommen kann, gerade in der Rushhour.“ Mindestens gebe es die Befürchtung: „Die Autofahrer bleiben stehen - und dann bricht der Verkehr erst recht zusammen.“

Gerade deshalb sieht Tunnelbefürworter Grub die Baumaßnahme als wegweisend für eine künftige Umsetzung der Tunnelpläne: Die Fahrspuren müssten dauerhaft wieder weg - „und ersetzt werden durch etwas anderes. Und das kann im Prinzip nur der Tunnel sein. Sonst macht das ja gar keinen Sinn, sonst hätten sie gleich den Vollausbau machen können.“

dpa

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