Mobilität

Kinderwagen ja, Anhänger nein: Was ist im ÖPNV erlaubt und was nicht? 

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Kinderwagen werden kostenlos befördert – soweit es die Platzverhältnisse in den öffentlichen Verkehrsmitteln zulassen.

München - Wer sich mit Kindern im öffentlichen Nahverkehr bewegt, dem stellen sich viele Fragen. Bus, Tram, U- und S-Bahn: Welche Kinderwagen dürfen hinein? Haben Kinder Anspruch auf einen Sitzplatz? Ab wann müssen Kinder bezahlen? Wir haben einige Fakten zusammengetragen.

Welche Eltern kennen das nicht: Sie wollen mit ihrem Kinderwagen in den Bus einsteigen, aber der ist voll. Also heißt es: Warten auf den nächsten. Noch schwieriger ist es, Platz zu finden, wenn man einen Doppelkinderwagen dabei hat. Dürfen die überhaupt hinein? Aber auch ohne Kinderwagen ist es nicht leicht, mit kleinen Kindern Bus, Tram, U- oder S-Bahn zu fahren. Meist noch zusätzlich mit Taschen bepackt, muss Mama oder Papa aufpassen, dass zwei Kleinkinder nicht durch das Fahrzeug purzeln, sondern möglichst auf einem Platz sitzen. Doch was, wenn keiner frei ist?

Klar ist: Die Anforderungen an den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sind hoch. Wie müssen Busse und Bahnen getaktet und wie müssen sie gebaut sein, um möglichst viele unterschiedliche Fahrgäste sicher zu transportieren? Sollte lieber mehr Raum für Kinderwagen, Rollatoren und Rollstühle geschaffen werden – oder sollte es mehr Sitzplätze geben angesichts einer alternden Gesellschaft? So fasst Matthias Korte, Sprecher Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), den Konflikt dieser Zeit zusammen.

Darf man Kinderwagen mitnehmen?

Kinderwagen, auch Zwillingskinderwagen, werden grundsätzlich in allen öffentlichen Verkehrsmitteln kostenfrei befördert – „soweit dies die Platzverhältnisse im Einzelfall zulassen“, sagt Korte. Das heißt, es müssen Familien auch mal auf den nächsten Bus warten, wenn der aktuelle überfüllt ist – dieses Problem kann der MVG schon jetzt nicht immer lösen. Die für Kinderwagen und Rollstühle vorgesehenen Stellplätze sind laut den Beförderungsbestimmungen des MVG freizugeben. Fahrradanhänger hingegen sind laut Korte grundsätzlich von der Beförderung ausgeschlossen. Dies bringt viele Eltern in Nöte, die die oft zweisitzigen Anhänger als Kinderwagen verwenden. Korte zufolge wird aber die ursprüngliche „Zweckbestimmung“ des Anhängers – mit dem Radl weitere Strecken ohne ÖPNV zu bewältigen – zugrunde gelegt. Zudem seien sie meist größer als Kinderwagen.

Und Radl?

Bei Fahrrädern gilt: Kinder bis zwölf Jahre dürfen kostenfrei ein Radl mitnehmen, außer im Berufsverkehr montags bis freitags von 6 bis 9 und von 16 bis 18 Uhr. Kleinkind-Radl bis maximal 12,5 Zoll Reifengröße dürfen immer transportiert werden.

Wann dürfen Kinder allein mitfahren?

Kinder bis vier Jahre müssen von einer Aufsichtsperson begleitet werden. Kinder bis sechs Jahre, die noch nicht schulpflichtig sind, sollen von Personen begleitet werden, die mindestens sechs Jahre alt sind – ansonsten können sie von der Beförderung ausgeschlossen werden. So steht es in den MVG-Bestimmungen. Die Begleiter der Kinder haben dafür zu sorgen, dass Kinder nicht auf den Sitzplätzen knien oder stehen.

Zahlen Kinder für die Fahrt?

Kinder unter sechs Jahren zahlen im ÖPNV nichts. Ab sechs zahlen Kinder die Hälfte des Erwachsenenpreises: aktuell 1,30 Euro oder einen Streifen für eine Einzelfahrt. Einige IsarCards umfassen die Gratis-Mitnahme von Kindern: die IsarCard als Wochen- oder Monatskarte, die IsarCard9Uhr oder die IsarCardJob. Wer eine dieser Karten dabei hat, darf Kinder von 6 bis 14 Jahren montags bis freitags ab 9 Uhr, sonst rund um die Uhr kostenfrei mitnehmen. Eigene Kinder und Enkelkinder sind in beliebiger Anzahl zugelassen, ansonsten maximal drei.

Andreas Nagel von der Aktion Münchner Fahrgäste lobt den MVG für das preiswerte System. Nur bei der Kurzstrecke würde er sich wünschen, dass Kinder einfach auf dem Ticket ihrer Begleitperson mitfahren können und nicht den vollen Kurzstreckenpreis zahlen müssen.

Gibt es Anspruch auf einen Sitzplatz?

Haben Kinder einen Anspruch darauf, zu sitzen? Immer wieder gibt es Fahrgäste, die der Meinung sind, junge Beine könnten gut stehen. Fakt ist: Bis zu einem gewissen Alter halten Kinder dem ständigen Anfahren und Stoppen nicht stand und längere Fahrten nicht im Stehen durch. Darum führen die Beförderungsbestimmungen sie auch unter den Personen auf, für die Platz gemacht werden muss: „Sitzplätze sind für schwerbehinderte Menschen, in der Gehfähigkeit Beeinträchtigte, ältere oder gebrechliche Personen, werdende Mütter und für Fahrgäste mit kleinen Kindern freizugeben.“

Ein rücksichtsvoller Umgang der Fahrgäste miteinander schließt laut Korte mit ein, „dass man Fahrgästen, die offensichtlich einen Sitzplatz benötigen, den eigenen anbietet – unabhängig davon, ob er als Behindertensitzplatz gekennzeichnet ist“.

Genügt die Kennzeichnung?

Über den Sitzplätzen, die vorrangig für mobilitätseingeschränkte Menschen freizugeben sind, prangt ein Piktogramm: ein Sitz mit einem Kreuz. Meist ist es ziemlich klein und recht weit oben angebracht. „Wir sehen durchaus Verbesserungspotenzial, um die Sichtbarkeit des Piktogramms und des damit ausgewiesenen Sitzplatzes zu verbessern“, sagt Korte. Dazu gebe es bereits erste Überlegungen.

Immer mehr Konflikte um den Platz?

Stimmt das Gefühl vieler ÖPNV-Nutzer: dass immer weniger Fahrgäste aufstehen, um ihren Platz anzubieten? Ist die Ablenkung durchs Smartphone schuld? Fehlt es Jüngeren an Anstand und Aufmerksamkeit? Oder ziehen sich Ignoranz beziehungsweise Hilfsbereitschaft durch alle Alters- und Bevölkerungsgruppen? „Es gibt in unseren Fahrzeugen zunehmend Konkurrenz um den begrenzten Platz“, so Korte – weil der MVG immer mehr Fahrgäste habe. Auf den Andrang reagiere der MVG, indem er das Angebot ausweite und größere Fahrzeuge beschaffe. Es sei „davon auszugehen“, dass steigende Nachfrage und begrenztes Platzangebot „dazu führen, dass die Sitzplätze öfter von Fahrgästen belegt sind, die nicht darauf angewiesen wären“. Der MVG versucht, mit Kurzfilmen für das Thema Platzfreigabe zu sensibilisieren.

Doch dass Konflikte um Sitzplätze tatsächlich zunähmen, „beobachten wir bisher nicht“, sagt Korte. Auch Nagel, der viele Rückmeldungen von Fahrgästen auswertet, sagt: „Bei der Hilfsbereitschaft gibt München kein schlechtes Bild ab.“ Wer seine Mitmenschen um einen Sitzplatz bitte, bekomme diesen gewöhnlich auch gewährt. Niemand könne erwarten, dass sich alle anderen in jeder Situation in ihn hineinversetzen könnten. Der beste Weg sei gute Kommunikation.

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