Marco F. (19) hat Tat von Sendling gestanden

Die wirre Welt des Mörders

Marco posiert wie eine seiner Lieblingsfiguren des Videospiels „Final Fantasy“

München - Nach dem Mord von Sendling hat die Polizei den Täter gefunden: Marco F. hat alles gestanden. Was geht im Kopf des 19-Jährigen vor? Er war sogar seinen Nachbarn suspekt.

Er wär’ so gern ein starker Held gewesen. Mutig, klug und gerecht wie die Wesen in seiner Phantasie-Welt „Final Fantasy“, mit denen Marco F. (19) viele Tage und Nächte an seinem Computer verbrachte. Die Realität jedoch sah ganz anders aus. Mit 19 Jahren wohnte er noch immer daheim bei der energischen Mama in seinem Kinderzimmer. Zurückgezogen in seinem Leben als Einzelgänger, psychisch krank und damit den meisten anderen Menschen suspekt.

Marco F. hat zwei ältere Schwestern, die beide schon ausgezogen sind. Die Eltern trennten sich Mitte der 90er Jahre. Der Vater ist ein erfolgreicher Münchner Gastronom, der sich um Marco kümmerte und mit ihm reiste – zum Beispiel nach Rom. Marco besuchte früher eine Förderschule, wurde morgens immer von einem Kleinbus abgeholt und später wieder heimgebracht. Ein stiller, dünner Bub, der kaum sprach. Was er zuletzt machte, wissen die Nachbarn nicht. Wohl aber, dass er komische Marotten hatte: „Er ging nie durch die Haustür, sondern immer durch den Garten und über die Terrasse ins Haus.“ In den vergangenen drei Wochen haben die Nachbarn ihn kaum noch gesehen.

Was am Abend des 4. Januar geschah, ist noch nicht ganz klar. Marco wohnte in der Boschetsriederstraße – nur 300 Meter von der Halskestraße 17 entfernt, in dem Katrin Michalk lebte. Marco kannte sich in der Gegend gut aus, könnte durch die riesige Anwohner-Tiefgarage gekommen sein, die die Häuser in der Halske- und der Boschetsriederstraße fast miteinander verbindet. Das könnte auch der Grund dafür sein, dass er weder vor noch nach dem Mord gesehen wurde.

Katrin Michalk hatte auf ihrem Heimweg von der U-Bahn Kopfhörer getragen, wurde von dem extrem brutalen Angriff völlig überrascht. Wie von Sinnen stach Marco F. auf die ihm völlig fremde Frau ein. 17 der 18 Stiche hätte Katrin überlebt. Doch einer traf ihr Herz. Sie verblutete noch im Hausflur.

Befragt nach seinem Motiv gab Marco F. eine seltsame Antwort. „Er hat sich vorgestellt, einfach in ihrer Wohnung leben zu können“, erklärte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch. Dass Katrin Michalk nicht allein lebte, in der Wohnung ihr ahnungsloser Lebensgefährte auf sie wartete und die Nachbarn ihn jederzeit hätten überraschen können – all das war Marco F. scheinbar egal. Er handelte spontan wie ein kleines Kind, das keinen Gedanken zu Ende denkt – Ausdruck seines psychischen Ausnahmezustandes, in dem ervöllig unberechenbar und zuletzt für alle Anwohner eine große Gefahr war.

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Seine Familie traf die Festnahme am Donnerstag völlig unvorbereitet. Die Mutter wird seitdem vom Kriseninterventionsteam betreut. Der Vater versteht die Welt nicht mehr. Eine Tochter hatte ihn informiert, das Marco von der Polizei abgeholt worden war. Da dachte er noch, das sei reine Routine. Am Freitag sagte er am Boden zerstört: „Ich bin fassungslos, kann das alles gar nicht glauben.“

Beate Winterer, Jacob Mell, Sebastian Arbinger, Dorita Plange

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