260 Münchner fordern Höchststrafe für Tierquäler

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In Moosach demonstrierten am Samstag Tierschützer und Katzenfreunde. In unmittelbarer Nähe wurde an Weihnachten der schwarze Kater Rocco zu Tode gefoltert.

München - Ein Rentner soll an Heilig Abend laut Polizei in Moosach einen Kater grausam zu Tode gequält haben. Am Samstag demonstrierten deshalb rund 200 Tierschützer. Sie fordern die Höchststrafe für den Tierquäler.

Rentner Ernst K. (73) soll an Heilig Abend laut Polizei in Moosach den Kater Rocco mit einem Wasserstrahl zu Tode gequält haben. Dass diese grausame Tat mit der Höchststrafe, also drei Jahren Gefängnis ohne Bewährung, geahndet werden müsse, dafür demonstrierten am Samstag rund 200 Tierschützer — laut Tierschutzverein München die erste Katzen-Demo überhaupt.

Bilder: Demo gegen Katzenquäler von Moosach

Demo gegen Katzenquäler von Moosach

120 Meter vom Wohnhaus des Rentners entfernt skandierten sie Sprechchöre und hielten Plakate mit Aufschriften wie „Bestie“ hoch. Zehn Polizeibeamte überwachten die beim Kreisverwaltungsreferat angemeldete Demo. Diese durfte „nicht direkt vor dem Haus des in Anführungszeichen Katzenhasser genannten stattfinden“, erklärte am Sonntag Gottfried Schlicht, Sprecher der Polizei München. „Das hat geklappt, alles war friedlich“, resümierte er – warnte aber zugleich vor einer Hetzjagd.

Denn Moosach ist seit Beginn vergangener Woche plakatiert: Fotos von Ernst K., da­runter sein Name und die volle Adresse, hängen an Laternenpfählen, Gartenzäunen und auf dem Parkplatz eines Lebensmittelgroßhändlers. „Auch wenn man die Angst der Katzenhalter verstehen kann, muss man schauen, dass die Sache nicht aus dem Ruder gerät“, sagt der Polizeisprecher. Und erklärt, dass die Beamten in zwei Richtungen ermitteln: Gegen Ernst K. wegen Sachbeschädigung und Tierquälerei und gegen Unbekannt wegen Bedrohung und übler Nachrede. Denn auch Ernst K. hat bei der Polizei Anzeige erstattet, als er die Plakate entdeckte. Am Samstag, als in Rufweite von seinem Haus die Tierschützer und Katzenfreunde demonstrierten, war er aus München geflüchtet, die Polizei bewachte trotzdem sein Haus. Von der Demo bekam Ernst K. also erst mal nichts mit.

„Das wird ihm nichts nutzen, wir lassen das hier nicht einschlafen“, sagt Eveline Kosenbach (55), zuständig für vermisste Tiere beim Tierschutzverein München. Sie habe in den vergangenen 16 Jahren in Bezug auf Tierquälerei „genügend erlebt“, 600 Fälle würden jährlich gemeldet. Darunter aber nur selten so „sadistische Taten“ wie die von Moosach, sagt Vorstandsmitglied Irmgard Baumgartner. Deshalb wolle der Tierschutzverein mit der von ihm organisierten Demo „Justiz und Polizei auf die Füße treten“. Am Samstag unterschrieben 260 Tierschützer die Unterschriftenliste des Vereins, der die „Höchststrafe für Ernst K.“ fordert, erzählt sie. Und, dass sich weitere Katzenbesitzer aus Moosach meldeten, die ihre Stubentiger vermissen.

Wobei niemand weiß, ob Ernst K. auch die anderen Katzen auf dem Gewissen hat. Auch in Internetforen von Katzenfreunden warnten am Sonntag viele Teilnehmer vor „Lynchjustiz“ im Moosacher Fall und rieten, „erst mal die polizeilichen Ermittlungen abzuwarten“. Die Tat sei schrecklich, doch bei den wütenden Reaktionen handle es sich „um einen hochgekochten Nachbarschaftsstreit“.

„Wir lassen uns nicht instrumentalisieren, sondern nehmen Ernst K. als Beispiel, um auf Missstände aufmerksam zu machen“, sagt Baumgartner vom Tierschutzverein. Dort plane man eine weitere Demo gegen Ernst K. — aber nicht mehr nahe seines Wohnhauses, sondern „vor einem Gericht, dem Landtag oder in der Fußgängerzone“.

svs

Susanne Sasse

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