Drei Monate nach Amoklauf OEZ

Gedenkfeier für die Opfer: "Es ist schwer wieder hier zu sein"

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Ein Kerzenmeer zur Erinnerung an die Opfer.

München - Vor drei Monaten schoss der Schüler Ali David S. am OEZ um sich. Bei der Gedenkfeier für die Opfer kommen über hundert Menschen, um zu trauern - und Stärke zu zeigen.

Das Grauen ist zu spüren. Die Liebe auch: Am Freitagabend versammelten sich vor dem Haupteingang des Olympia-Einkaufszen­trums (OEZ) rund 100 Menschen zu einem interreligiösen Friedenskonzert. Es ist den neun Opfern des Amoklaufs vom 22. Juli gewidmet. Drei Münchner Kirchenmusik-Ensembles sind unter der Organisation der Musikerin Patricia Ott auf den Stufen des OEZ zusammengekommen. Von den Klängen der muslimischen, griechisch-orthodoxen und christlichen Kirchenmusik soll Verbundenheit ausgehen, geteiltes Leid im Angesicht der sinnlosen Gewalt. Viele der Zuhörer sind Angehörige und Bekannte der Opfer. Andere waren an dem Tag vor zwölf Wochen selbst am Tatort. Manche sind schlicht gekommen, um ihre Anteilnahme mit den Opfern zu zeigen. Die Menschen halten Kerzen, manche weinen. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein – die Erinnerung an den verhängnisvollen Freitag sitzt tief. Die tz hat mit Betroffenen gesprochen.

„Wie sollen wir da je wieder einkaufen?“

Arben Imeri (21), Auszubildender aus Pasing (re.) und Mirsad Zibery (22), Hausmeister aus dem Hasenbergl (li.)

„Wir sind heute für die Schwester von Dijamant hier, der unter den Opfern war. Wir kennen sie und versuchen, für sie da zu sein. Aber die Familie steht natürlich noch unter Schock. Es fühlt sich falsch an, hier normal vorbeizulaufen oder einkaufen zu gehen. Es ist nicht leicht zu verstehen, wie dort auf der anderen Straßenseite die Leute wieder im McDonald’s sitzen können. Als wäre nichts gewesen. Ich werde nie wieder einen Fuß dort hineinsetzen. Auch nicht in das Einkaufszentrum.“

„Es ist schwer, hier zu sein“

Gertrud Wehr (82), Rentnerin aus Moosach

„Ich stand genau auf dieser Treppe, als ich es knallen hörte. Ich dachte, es sei ein Luftballon, aber dann schrien die Menschen: ,Er schießt, er schießt!‘ Wir liefen alle hinein, ans andere Ende des Gebäudes. Erst, als ich es zwei Stunden später zu meiner Wohnung geschafft hatte, erfuhr ich, dass Menschen gestorben sind. Mein Therapeut hat mir geraten, den Ort nicht zu meiden, also bin ich hier. Aber es ist schwer.“

„Die Erinnerung bleibt“

Tiffany Kiss (17), Azubi

„Ich arbeite hier im Foot Locker. Direkt vor dem Laden wurden Menschen erschossen. Ich war damals gerade auf dem Weg nach Hause. Als ich um die Ecke der Straße bog, hörte ich hinter mir die Schüsse. Kurz darauf kam mir schon die Polizei entgegen. Was passiert ist – ein paar der Opfer kannte ich von früher –, ist eine Katastrophe. Das zu begreifen, fällt mir immer noch schwer. Am Anfang dachte ich, ich könnte nie wieder hier hineingehen. Wir haben auch in unserem Laden Mitarbeiter verloren, weil sie es nicht mehr konnten. Die Erinnerung ist noch da.“

M. Wehlus

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